Die gefiederten Feinde

Vorarlberg / 05.05.2022 • 19:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In der Fußacher Bucht haben die Kormorane ihre fixen Brutplätze. Wollen sie anderswo brüten, werden sie vergrämt. VN/Hartinger
In der Fußacher Bucht haben die Kormorane ihre fixen Brutplätze. Wollen sie anderswo brüten, werden sie vergrämt. VN/Hartinger

Der Kormoran frisst den Fischern mehr Fisch weg denn je. „Das Land muss handeln“, fordert Franz Blum.

Fußach, Bregenz Das Problem gibt es am See schon viele Jahre: Die sich rasant vermehrenden Kormorane, die den Fischern den Fang wegfressen und damit immer mehr auch ihre Existenz.

Zwar fanden die Petrijünger bei der Behörde Gehör und dürfen die Kormorane unter strengen Auflagen auch in der Schonzeit jagen, doch diese sind in ihrer Verbreitung nur schwer zu kontrollieren. Hinzu kommen der Stichling und die Quaggamuschel als weitere Todfeinde von Felchen, Karpfen, Kretzern und Co. Sie entziehen den Fischen ihre Lebensgrundlage bzw. diese werden gefressen, bevor sie zum Wachsen kommen.

Dramatischer Appell

Franz Blum, Berufsfischer in Fußach, richtet einen dramatischen Appell an das Land: „Ich muss dort die Frage stellen: Will man die Berufsfischer noch oder nicht? Wenn ja, dann braucht es effiziente Maßnahmen, die das Land von sich aus setzt und nicht erst zaghaft, wenn wir uns regen.“

4000 Vögel

Blum sprich von unlängst bereits zu dieser Jahreszeit 800 gezählten Kormoranen am heimischen Seeufer. „In Spitzenzeiten können es allein an unserem Ufer dann schon einmal 1500 sein. Rund um den ganzen Bodensee sind es in allen drei See-Anrainerländern mittlerweile 4000 Vögel. Um die Jahrtausendwende waren es noch 1000, und statt ursprünglich zwei Brutkolonien gibt es im Bodenseeraum nun sechs. Das ist einfach viel zu viel!“

Behörde hat reagiert

Reagiert hat vor eineinhalb Jahren jedoch schon die BH Bregenz. In der Verordnung sind Abschüsse von Kormoranen auch außerhalb der gesetzlich vorgesehenen Jagdzeit erlaubt, ganzjährige Maßnahmen werden gewährt, wo es zur Verhinderung von Schäden an Boden- und Schwebnetzen dient. Blum lobt die Behörde und rechtfertigt deren Vorgehen: „Die Kormorane ziehen jährlich 350 Tonnen Fische aus dem See, mehr als die Berufsfischer.“

Auch die begleitenden Maßnahmen, die laut Blum schwer umzusetzen sind, wurden mittlerweile abgeschwächt. So braucht es für den Abschuss von Kormoranen an den Fangnetzen nicht mehr einen Naturschutzverantwortlichen als Überwachungsorgan. „Das lässt sich in der Praxis auch gar nicht machen“, weiß Blum.

Untätige Nachbarn

Für Nikolaus Schotzko, im Land für den Bereich Fischerei zuständig, ist das Problem Kormoran ebenfalls drängender denn je. „Die Kormorane werden mehr und mehr. Im letzten Jahr verzeichneten wir am See 900 Brutpaare, im Jahr davor waren es 680. Leider tun unsere Nachbarn aus der Schweiz und aus Deutschland nichts gegen diese Entwicklung. Wir werden mit unserem regionalen Kormoran-Management deswegen bald an unsere Grenzen stoßen“, beschreibt der Experte die Situation.

In Baden-Württemberg sind es laut Schotzko NGOs, die ein gemeinsames Kormoran-Management verhindern, in der Schweiz eigenartige gesetzliche Bestimmungen. „Tatsache ist: Es ist jetzt schon eher fünf nach zwölf .“

„Ich muss die Frage stellen: Will das Land weiterhin Berufsfischer oder nicht?“

Der Kormoran hat wenige Freunde am Bodensee. apa
Der Kormoran hat wenige Freunde am Bodensee. apa
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