„Immer ein offenes Ohr für alle“

Vorarlberg / 05.05.2022 • 17:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bernhard Manser: „Gedenket meiner im Gebet.“
Bernhard Manser: „Gedenket meiner im Gebet.“

Zum Tod von Pfarrer Bernhard Manser (1935 bis 2022).

KLÖSTERLE Am 11. April 2022 starb Pfarrer Bernhard Manser. Seit 2003 wohnte er im selbsterrichteten Eigenheim in Klösterle, von wo aus er nach seiner Pensionierung viele Jahre lang den liturgischen und seelsorglichen Dienst in Müselbach gemacht hat.

Beim Auferstehungsgottestdienst für Pfarrer Bernhard Manser führte Monsignore Pfarrer i. R. Eugen Giselbrecht aus: „Auch Bernhard Manser hat den Ruf zur Nachfolge Jesu erfahren und ist ihm gefolgt.“ Am Heiligen Abend 1935 kam er in Au-Rehmen zur Welt. Dort wuchs er als sechstes mit elf Geschwistern auf einem Bergbauernhof auf. Mit elf Jahren kam er ins Paulinum nach Schwaz, wo er seine Gymnasialzeit 1955 mit der Matura abschloss.

Nach dem fünfjährigen Theologiestudium in Innsbruck wurde er 1960 in Schruns zum Priester geweiht. Sieben Jahre wirkte er als Kaplan und beliebter Jugendseelsorger zusammen mit Klaus Bissinger in Rankweil, hernach als Pfarrer 23 Jahre in Klösterle, Langen und Stuben am Arlberg und weitere neun Jahre in Langenegg und Müselbach. Obwohl er mit 75 Jahren offiziell seinen Seelsorgedienst aufgab und seit 2003 in seinem Eigenheim in Klösterle wohnte, fuhr er 20 Jahre lang jeden Sonn- und Feiertag 90 km von Klösterle nach Müselbach und 90 km wieder zurück.

Seinem geliebten Müselbach blieb er somit bis zum 85. Lebensjahr treu. Dort hatte er Pfarrhaus und Kirche renoviert und dort hatte er viele Menschen, die ihm treu zur Seite standen und schätzten, wie er sich Kindern und ihren Familien, Alten und Kranken als guter Hirte widmete und für alle immer ein offenes Ohr hatte. Deshalb wollte er auch in Müselbach seine letzte Ruhestätte finden. In seiner Pensionszeit widmete er sich zusätzlich schottischen Hochlandrindern. Monsignore Giselbrecht: „So konnte Bernhard Manser im Alter nochmals entfalten, was ihm als Kind und Jugendlicher auf dem elterlichen Hof mitgegeben worden war. Dann sagte Jesus zu Petrus: ,Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.‘“ Auch das musste Bernhard Manser in seinen kranken Tagen erfahren. 2020 feierte er noch vor der Coronazeit im Oktober in Müselbach Erstkommunion und kam zu Weihnachten, an seinem 85. Geburtstag, zur Feier der Geburt Jesu dorthin, ohne zu ahnen, dass dies das letzte Mal sein werde. Seither freute er sich über jeden Besuch bei ihm in Klösterle, wo er von den noch lebenden sieben Geschwistern, besonders der jüngsten Schwester Thekla und der Familie Kessler sowie der verständnisvollen und einfühlsamen Pflegerin Maria Ana umsorgt wurde. Von dort konnte er am 11. April 2022 in seine endgültige Heimat heimgehen. Monsignore Giselbrecht fuhr fort: „Hören wir noch, was Pfarrer Bernhard Manser am 7. Dezember 2018 in seinem Geistlichen Testament niedergeschrieben hat: „Im Falle meines Ablebens . . . singt fröhliche Lieder und trauert nicht um mich, kommt bunt gekleidet, so wie es jede und jeder mag, denn ich hoffe durch Gottes Barmherzigkeit das ewige Ziel erreicht zu haben. Ich sage allen ein inniges ,Vergelts Gott‘, die mich im Leben begleitet haben und zu mir gestanden sind und ,getragen‘ haben in der schwersten Phase meines Lebens. Jene, denen ich weh getan, beleidigt oder ihnen Anlass für Kritik gegeben oder sie sogar ungerecht behandelt habe, bitte ich um Vergebung. Gedenket meiner im Gebet.“

„Nach den Impulsen des 2. Vatikanischen Konzils war Bernhard Mansers Kirchenbild das pilgernde Volk Gottes. Für ihn war jede und jeder aus der Taufe befähigt, in seinem Leben die Frohbotschaft zu bezeugen. Deshalb mühte er sich, dass jede und jeder die gottgeschenkten Gaben entdeckt und zum Wohle aller einsetzt“, so Monsignore Giselbrecht abschließend. EE