Energiekrise füllt Kassen der illwerke vkw

Vorarlberg / 06.05.2022 • 18:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vorarlbergs Energieversorger illwerke vkw zählt zu den Krisengewinnern.VN/Lerch
Vorarlbergs Energieversorger illwerke vkw zählt zu den Krisengewinnern.VN/Lerch

Erträge dürften deutlich steigen. Gewinnausschüttung an das Land dennoch auf bisherigem Niveau.

BREGENZ, WIEN Das Leben in Österreich wird täglich teurer. Preistreiber sind die stark steigenden Energiekosten. Des einen Leid, des anderen Freud. Bundeskanzler Karl Nehammer (49, ÖVP) hat Energieunternehmen als große Krisengewinner ausgemacht und denkt laut darüber nach, wie Gewinne von Firmen mit Staatsbeteiligung abgeschöpft werden können. Das Ressort von Finanzminister Magnus Brunner (50, ÖVP) arbeitet bereits an Modellen und Vorschlägen. Klar sei: Der Staat solle nicht von der aktuellen Krise profitieren, während die Menschen unter stark steigenden Strompreisen leiden.

Durch die Koppelung von Strom- und Gaspreis füllen sich die Kassen der Stromproduzenten von Erneuerbarer Energie besonders stark. Nehammer sind die hohen Gewinne speziell bei der Wasserkraft, wo der teure Gaspreis der Maßstab für den Strompreis ist, ein Dorn im Auge. „Da müssen wir uns überlegen, wie diese Gewinne für die Menschen verfügbar gemacht werden können“. Diese Überlegungen scheint es in Vorarlberg, wo das Land Eigentümer des Energieversorgers illwerke vkw ist, nicht zu geben. „Da uns zu diesem Vorschlag bislang noch keine konkrete Information vorliegt, können wir keine qualifizierte Stellungnahme abgeben“, heißt es seitens des Landes auf VN-Anfrage. Auch eine Einschätzung über mögliche Auswirkungen sei nicht möglich.

Hohe Mehreinnahmen

Tatsächlich ist der Energiepreis am Markt kräftig gestiegen. Mit Monatsbeginn liegt die Teuerung bei satten 43,4 Prozent. Dass sich das bei vielen Haushalten mit einem durchschnittlichen Verbrauch am Ende kaum auf die Stromrechnung auswirken wird, liegt an Gegenmaßnahmen des Bundes, wie dem Aussetzen der Ökostromförderung und einer massiven Reduzierung der Energieabgaben. illwerke vkw darf sich hingegen über kräftige Mehreinnahmen freuen.

Die letzte Bilanz aus dem Jahr 2020 weist für das Energieunternehmen Umsatzerlöse in der Höhe von 679 Millionen Euro aus. Die Energiekrise wird die Umsätze kräftig in die Höhe treiben. Die Äußerungen Nehammers zu Gewinnabschöpfungen bei den Krisengewinnern schrecken nicht nur Anleger – so haben die teilverstaatlichten Verbund und EVN nach der Kanzler-Aussage in wenigen Minuten 5,4 Milliarden an Wert verloren – sondern auch Energieunternehmen in den Ländern. „Eine mögliche Gewinnabschöpfung ist eine politische Entscheidung“, heißt es in einer Stellungnahme der illwerke vkw an die VN. Wichtig sei dabei, die langfristigen Auswirkungen eines solchen Eingriffs in den Markt zu bedenken.

Lukrativ

Unbestritten ist, dass illwerke vkw von den hohen Energiepreisen profitiert. Nach eigenen Informationen stamme der wesentliche Teil der Erträge aus Lieferungen für Regelenergie im Marktgebiet Deutschland. „Die Belieferung der Endkunden leistet derzeit keine positiven Ergebniserträge“, so der Energieversorger weiter. Im Land selbst ist demnach kein Geld zu verdienen. Auch hätten sich im Geschäftsfeld Versorgung und Dienstleistung die Beschaffungskosten stark erhöht.

Rekordergebnis erwartbar

Unterm Strich ist dennoch mit einem Rekordergebnis zu rechnen. Der Gewinn würde ausschießlich in die Energiewende, eine sichere Energieversorung und in die Region fließen. Das Land selbst solle über die Dividende voraussichtlich in derselben Größenordnung wie bisher profitieren. So jedenfalls die illwerke vkw. Landeshauptmann Markus Wallner hatte hingegen kürzlich vom Angebot des Vorstands von zusätzlichen zwei Millionen Euro berichtet. In einer Anfragebeantwortung an die Neos wird die Ausschüttung für 2021 bzw. den Landeshaushalt 2022 jedenfalls mit rund 27 Millionen Euro beziffert.

Land Vorarlberg und Bürger würden demnach kaum von möglichen Rekordgewinnen profitieren. Für den Neos-Abgeordneten Garry Thür müsste über den Zugang von höheren Dividenden geschaut werden, wie man jene entlasten könnte, die es am dringendsten bräuchen. Das könnte etwa über die Wohnbeihilfe passieren, so Thür.

Das Deutschland-Geschäft spült viel Geld in die Kassa.VN/HB
Das Deutschland-Geschäft spült viel Geld in die Kassa.VN/HB
illwerke vkw-Vorstände Christof Germann und Helmut Mennel.Franc
illwerke vkw-Vorstände Christof Germann und Helmut Mennel.Franc