Wie gesellschaftlicher Fortschritt erforscht wird

Vorarlberg / 06.05.2022 • 15:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Soziologin Prof. Bettina Mahlert (Univ. Innsbruck) und Mitorganisatorin Dr. Elisabeth Schwald (VHS Bludenz) beim Salonvortrag in der Villa Falkenhorst.OS
Soziologin Prof. Bettina Mahlert (Univ. Innsbruck) und Mitorganisatorin Dr. Elisabeth Schwald (VHS Bludenz) beim Salonvortrag in der Villa Falkenhorst.OS

Soziologin Bettina Mahlert hielt Salonvortrag in der Villa Falkenhorst.

Thüringen Ist gesellschaftlicher Fortschritt messbar? Dieser Frage wurde beim jüngsten Salonvortrag der VHS Bludenz und des Vereins Villa Falkenhorst nachgegangen. Bettina Mahlert, Assistenzprofessorin und Studienbeauftragte am Institut für Soziologie an der Universität Innsbruck, erklärte der interessierten Zuhörerschaft die Herangehensweise, wie gesellschaftlicher Fortschritt erforscht werden kann. Dabei spannte die Referentin den Bogen von der unmittelbaren Nachkriegszeit, als man sich erstmals mit dieser Frage auseinandersetzte, bis in die Gegenwart.

Abkehr von Fakten und Zahlen

War früher für Ökonomen allein das Nationaleinkommen für die Bewertung ausschlaggebend, auch weil dieses gut an Zahlen festgemacht werden konnte, erfolgte in den 1960er-Jahren ein Umdenken. Verstärkt wurde nun das Augenmerk nicht nur auf rein wirtschaftliche Faktoren gelegt, sondern es wurden auch andere Indikatoren berücksichtigt, z. B. Schulbildung, Gesundheit und Lebenserwartung.

Es war der indische Philosoph und Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sem, der sich intensiv mit dieser Problematik auseinandersetzte. Auf Basis seiner Erkenntnisse machte er deutlich, dass es langfristig auch in den Entwicklungsländern nicht allein um Stillung der Grundbedürfnisse geht, sondern dass menschliche Entwicklung weit komplexer ist.

Einführung des HDI

In Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen wurde in der Folge der Human Development Index (HDI) entwickelt, der seit 1990 jährlich Indices für die menschliche Entwicklung in den verschiedenen Ländern liefert. Natürlich sei der Index immer wieder durchaus berechtigter Kritik ausgesetzt, führte Bettina Mahlert aus, da soziale Aspekte weit schwerer messbar und vergleichbar seien als wirtschaftliche. Ziel sei es aber eben, Entwicklungsprozesse im Hinblick auf gesellschaftlichen Fortschritt weltweit zu fördern. OS

Nächster Salonvortrag am
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