Zum Gedenken

Vorarlberg / 06.05.2022 • 16:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zum Gedenken

Lustenau Die überaus große Anteilnahme an den Begräbnisfeierlichkeiten für Sigi Härle war ein beredtes Zeugnis der Wertschätzung des pensionierten Polizisten und früheren Ausnahmesportlers. Obwohl er an einer schweren Lungenkrankheit litt und sein Leben in der letzten Zeit beschwerlich geworden war, rechnete niemand mit seinem plötzlichen Tod, der ihn bei einem unumgänglichen Krankenhausaufenthalt ereilte.

Sigi Härle wurde als jüngstes der vier Kinder des Ehepaars Emma und Konrad Härle 1939 in Lustenau geboren und konnte trotz der Kriegsjahre in der Augartenstraße eine unbeschwerte Kindheit verbringen. Früh wurde sein sportliches Talent von seinem Bruder Erich entdeckt und gefördert. Bei der Turnerschaft Lustenau fand Sigi seine „zweite Heimat“ und auch seine zukünftige Frau, Wilma Hämmerle. Bereits 1960 heirateten sie, wurden stolze Eltern dreier Söhne und widerlegten die Prophezeiungen, dass ihre Ehe nicht lange halten würde.

Berufliche Neuorientierung

In den 60er-Jahren gab er seine Arbeit in der Stickerei auf und machte die Ausbildung zum Gendarmeriebeamten. Nach wenigen Jahren auf dem Posten Vorkloster wechselte er nach Innsbruck, um berufsbegleitend die Abendmatura nachzuholen. Eine entbehrungsreiche Zeit für die junge Familie, die im Elternhaus der Frau wohnte, das nach und nach renoviert wurde. Mit Unterstützung der Schwiegermutter Anna schafften sie auch diese Herausforderung.

Eine Größe im Laufsport

In den späten 50er- und 60er-Jahren erlangte Sigi seine Bekanntheit als Läufer über die Landesgrenzen hinaus. Seine Erfolge über die 400 m-Distanz zählen zu den Meilensteinen in der Vorarlberger Leichtathletikgeschichte. Mit seinen Bestzeiten über 400 m und 800 m wäre Sigi Härle noch heute in manchen Siegerlisten zu finden. Zahlreiche Auszeichnungen zeugen von seinen Erfolgen. Auch nach seiner aktiven Laufbahn blieb er dem Sport erhalten, sei es in seiner langjährigen Tätigkeit als „Starter“ beim Möslemeeting in Götzis, als Organisator von Laufveranstaltungen oder als Sprecher bei diversen Veranstaltungen. Er war auch Initiator der Lustenauer Meile, und der Dienstagabend gehörte „seiner“ Männerriege. Ob im Beruf oder in der Freizeit – seine Meinung wurde geschätzt und respektiert.

Zeit für Reisen und Familie

Als Sigi Härle 2000 in den Ruhestand trat, hatte er endlich genug Zeit für seine Familie. Gemeinsame Reisen mit seiner lieben Frau nach Ägypten, Israel, China, Marokko, Madeira und Dubai zählten zu seinen schönsten Erlebnissen. Mit seinen Söhnen fuhr er mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok, seine Enkel begleiteten ihn nach La Gomera, und mit seinen Freunden unternahm er zahlreiche Radwochen im In- und Ausland. Seine Zeit als Großvater bezeichnete er oft als seine schönsten und wertvollsten Jahre. Die gemeinsamen Feiern und Jasserabende im gemütlichen Haus im Gänsle werden der ganzen Familie in bester Erinnerung bleiben. Sein Lebenslauf anlässlich des Trauergottesdienstes schloss mit den Worten: „Am Freitag, dem 8. April 2022, kurz nach Mittag, überquerte Sigi die Ziellinie. Er schloss für immer seine Augen“. vv