Frackingkeil innerhalb der ÖVP

Vorarlberg / 08.05.2022 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Fracking ist in Vorarlberg verboten, wird aber derzeit im Süden Deutschlands wieder laut angedacht, um den Ausfall russischer fossiler Brennstoffe zu kompensieren. REUTERS
Fracking ist in Vorarlberg verboten, wird aber derzeit im Süden Deutschlands wieder laut angedacht, um den Ausfall russischer fossiler Brennstoffe zu kompensieren. REUTERS

Wirtschaftsministerin wirbt offen für Fracking.

Bregenz, Wien Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) sprach sich in deutschen Medien gegen ein Embargo von russischem Gas aus und für Fracking. „Es gibt Methoden, um Schiefergas umweltfreundlich zu fördern. Wir dürfen uns nicht verschließen und mit dem technologischen Stand von vor 20 Jahren argumentieren.“ Die Technologie habe sich weiterentwickelt.

Im April freute sich VP-Umweltsprecherin Christina Metzler noch, dass Bundeskanzler Karl Nehammer der Fracking-Debatte in Österreich einen Riegel vorschob. Fracking ist seit 2014 im Verfassungsrang in Vorarlberg verboten. Damals entfachte sich die Debatte an Frackingplänen auf der deutschen Seite des Bodensees. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wirbt nun wieder für diese Art der Gasgewinnung.

„Sehr überrascht“

Vorarlbergs Umweltschutzikone Hildegard Breiner ist vom Vorstoß der Ministerin sehr überrascht. Vorarlberg müsse nun zumindest versuchen, auf den Bund und die Nachbarregionen einzuwirken. „Man kann doch nicht den Teufel mit dem Beelzebub austreiben“, warnt sie. Schlussendlich könne Vorarlberg aber auch nur mit gutem Beispiel vorangehen und sich dem Import von durch Fracking gewonnenem Flüssiggas verweigern und die Energiewende vorantreiben.

Ähnlich klar äußert sich Marco Tittler auf VN-Anfrage, Wirtschaftslandesrat in Vorarlberg und als ÖVP-Mitglied auch Parteifreund der Wirtschaftsministerin. Hinzu kommt, dass gerade die Industrie Erdgas für energieintensive Anwendungen nutzt. „Anstatt zu überlegen, wie neue, teure und aufwendige Quellen für fossile Brennstoffe erschlossen werden können, sollten wir unsere Bemühungen auf Reduktion, Substitution und neue Technologien konzentrieren“, richtet der Landesrat Söder und Schramböck aus. VN-RAU

„Man kann doch nicht den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben versuchen.“

Ein Bohrturm in Springville, Pennsylvania. Die USA zählt zu den Vorreitern - mit den damit verbundenen Problemen: Im nahen Dimock habe Fracking Trinkwasser verunreinigt. AP
Ein Bohrturm in Springville, Pennsylvania. Die USA zählt zu den Vorreitern – mit den damit verbundenen Problemen: Im nahen Dimock habe Fracking Trinkwasser verunreinigt. AP