Krebsrisiko durch Quarzfeinstaub

Vorarlberg / 08.05.2022 • 19:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Gefahr ist im Bau- und Baunebengewerbe allgegenwärtig. VN/Sams
Die Gefahr ist im Bau- und Baunebengewerbe allgegenwärtig. VN/Sams

Arbeitsinspektorat startet großangelegte Informationskampagne.

Bregenz Jährlich sterben in Österreich rund 18.000 Menschen an einer Krebserkrankung. Nicht weniger als zehn Prozent dieser Todesfälle sind arbeitsbedingt, zumal es eine ganze Reihe von Stoffen gibt, die Krebs auslösen können. Jüngstes Beispiel ist der Quarzfeinstaub, der praktisch in jedem Baustoff vorkommt. In Österreich wurde er bereits 2020 als krebserregend eingestuft, jetzt hat die EU nachgezogen. Das Wissen um die Gefährlichkeit dieses Stoffes scheint allerdings nicht besonders ausgeprägt. Wie bundesweite Erhebungen durch Arbeitsinspektorate bei 1600 Betrieben ergaben, ist nur die Hälfte über das mit Quarzfeinstaub einhergehende Risiko informiert. Nun startet das Arbeitsinspektorat auch in Vorarlberg eine Informationskampagne, „um das Problem stärker ins Bewusstsein zu bringen“, wie Arbeitsinspektor Robert Seeberger erklärt.

Feinster Staubanteil

Bei Quarzfeinstaub handelt es sich um den feinsten Staubanteil überhaupt. „Die Partikel entsprechen von der Größe her einem Zwanzigstel eines Haardurchmessers“, verdeutlicht der Experte. Das heißt, sie vermögen sehr tief in die Lungenbläschen einzudringen. Diese Gefahr ist im Bau- und Baunebengewerbe sowie in Steinbrüchen allgegenwärtig. „Drei Viertel der Unternehmen führen Tätigkeiten aus, bei denen Quarzstaub anfällt“, weiß Robert Seeberger. Granit beispielsweise enthält bis zu 40 Prozent, Sandstein sogar bis zu 90 Prozent Quarzfeinstaub. Darüber gelte es aufzuklären. Dazu gehen die Arbeitsinspektoren zum einen auf Baustellen, zum anderen in die Betriebe.

Seeberger betont, dass schon einfache Maßnahmen viel zur Krebsprävention beigetragen, etwa indem eine Staubentwicklung von vorneherein durch Absaugen oder Befeuchten verhindert wird. Auch geschlossene Kabinen von Baufahrzeugen sind ein wirksamer Schutz gegen Quarzfeinstaub. Zu präferieren sei jedoch, so möglich, der Austausch des Baustoffes. Das Tragen einer Schutzmaske stellt der Arbeitsinspektor an die letzte Stelle. Den vorgenannten Maßnahmen attestiert Robert Seeberger eine höhere Wertigkeit. Bei Einhaltung könne der Betrieb überdies auf Feinstaubmessungen verzichten. Sogenannte Branchenlösungen, die es auch für den Umgang mit Quarzfeinstaub gibt, finden sich in Baumappen und auf der Webseite des Arbeitsinspektorats. Der Grenzwert für Quarzfeinstaub liegt in Österreich übrigens bei 0,05 Milligramm pro Kubikmeter. Vor zehn Jahren gab es einen ähnlichen Informationsschwerpunkt, damals aber zum Holzfeinstaub. VN-MM

„Die Partikel entsprechen in der Größe einem Zwanzigstel eines Haardurchmessers.“