Bombenalarm am Bodensee

Vorarlberg / 09.05.2022 • 19:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Werner Tobisch und seine Kollegen vom Entminungsdienst rücken im Jahr zu 1000 bis 1200 Einsätzen aus. Bundesheer
Werner Tobisch und seine Kollegen vom Entminungsdienst rücken im Jahr zu 1000 bis 1200 Einsätzen aus. Bundesheer

Experten vermuten noch etliche Hundert Bomben am Grund.

Stuttgart, Wien Der Bodensee. 63 Kilometer lang. 14 Kilometer breit. Bis zu 254 Meter tief. Die meisten Daten des drittgrößten Binnengewässers Europas sind bekannt. Unter der Wasseroberfläche verbirgt sich aber auch noch das eine oder andere Geheimnis. Erst vor wenigen Tagen haben Kampfmitteltaucher bei Friedrichshafen zwei 14 Kilogramm schwere Phosphorbomben aus dem Zweiten Weltkrieg geborgen. Anfang April wurden die Spezialkräfte wegen einer Stabbrandbombe und einer Phosphorbombe nach Friedrichshafen gerufen.

Verlässliche Zahlen, wie viele Kampfmittel noch auf dem Grund des Bodensees liegen, gäbe es nicht. „Wir gehen aber schon von etlichen Hundert Bomben aus“, sagt Christoph Rottner vom Kampfmittelbeseitigungsdienst in Stuttgart. Die meisten davon werden vor Friedrichshafen vermutet, da es dort wegen der Dornier-Werke heftige Luftangriffe gab. „Die zu finden ist nicht ganz einfach, da sie vielfach zugeschwemmt sind. In der Regel handelt es sich um Zufallsfunde von Badegästen oder Kajakfahrern. Wir haben zwar in den letzten Jahren immer wieder Versuche mit Unterwasserrobotern und Metalldetektoren und auch konkrete Suchaktionen durchgeführt, aber die Ortung und auch Orientierung unter Wasser ist sehr schwierig“, erläutert der erfahrene Taucher und Feuerwerker.

Brandgefährlich

Am gefährlichsten sind laut Rottner Sprengbomben mit chemischen Langzeitzündern, die im Bodensee aber nur sehr selten gefunden werden. „Vor ein paar Jahren haben wir einmal eine geborgen, die von Badegästen entdeckt wurde. Ein kleiner Sensationsfund war auch ein Torpedo, den wir 2017 geortet und geborgen haben“, führt der Experte aus. Das Tückische an den Phosphorbomben: Bei Kontakt mit Sauerstoff kann der Phosphor innerhalb kürzester Zeit zu brennen beginnen. Rottner: „Wir verpacken sie daher unter Wasser in einen Spezialbehälter und bringen sie damit nach oben.“ 

In Österreich ist der Entminungsdienst des Bundesheers für aufgefundene Munition aus den beiden Weltkriegen zuständig. Der stellvertretende Leiter Werner Tobisch kann sich zwar an den letzten Einsatz im Bodensee nicht erinnern, es sei aber davon auszugehen, dass auch auf österreichischer Seite des Bodensees Kampfmittel liegen. „Ganz Österreich war Kampfgebiet. In ganz Österreich liegt immer noch Munition in rauen Mengen“, ergänzt er. Die Mitarbeiter des Entminungsdienstes rücken im Schnitt zu 1000 bis 1200 Einsätzen pro Jahr aus und bergen dabei zwischen 25 und 45 Tonnen Munition. In Vorarlberg hatten die Experten im Vorjahr neun Einsätze, 109 Kilo Kriegsmaterial wurden insgesamt abtransportiert. vn-ger

„Wir verpacken die Phosphorbomben unter Wasser in einen Spezialbehälter.“

Bombenfund im Bodensee: Die meisten Kampfmittel werden vor Friedrichshafen vermutet. KMBD
Bombenfund im Bodensee: Die meisten Kampfmittel werden vor Friedrichshafen vermutet. KMBD
Bombenalarm am Bodensee