Damüls geht gegen „kalte Betten“ vor

Vorarlberg / 09.05.2022 • 16:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Projekt Alpenstolz, dessen vier Objekte das Gasthaus Glöckle einrahmen, soll zum Saisonstart 2022/23 fertig werden. In 38 Einheiten entstehen dann rund 160 Betten.
Das Projekt Alpenstolz, dessen vier Objekte das Gasthaus Glöckle einrahmen, soll zum Saisonstart 2022/23 fertig werden. In 38 Einheiten entstehen dann rund 160 Betten.

Projekt „Alpenstolz“ vom Baustopp nicht betroffen und soll planmäßig fertiggestellt werden.

Damüls Nach der Saison 2020/21 begann der Aushub für ein Großprojekt an der Landesstraße vom Damülser Zentrum in Richtung Furka-Joch. 38 Einheiten in vier Objekten sind vorgesehen, wie auf einer großen Infotafel avisiert wird. Für die Gemeinde Damüls war das Projekt auch mit ein Anlass, dem Beispiel von Lech und anderen Tourismusgemeinden zu folgen und einen auf zwei Jahre befristeten Baustopp zu beschließen. Das Projekt Alpenstolz betrifft diese Maßnahme allerdings nicht, das Projekt war im Bau und der Betreiber hat die Fertigstellung und Eröffnung für Saisonbeginn 2022/23 ins Auge gefasst.

Für Bürgermeister Stefan Bischof und die Gemeinde gab es keine Handhabe, auf Basis bestehender Rechtslage die Baubewilligung zu versagen.

Damit hat niemand gerechnet

Was nach Ablauf dieser zweijährigen Atempause geschieht, ist offen. Lech, Damüls und andere Tourismusorte richten an das Land die Forderung, dass Maßnahmen gesetzt werden, diese Entwicklung einzubremsen, denn die Gemeinden selbst haben nur wenig Möglichkeiten, dem Ausufern von Appartementprojekten Einhalt zu gebieten. Bürgermeister Stefan Bischof erklärt im Gespräch mit der VN-Heimat, warum: „Als vor allem der Wintertourismus vor 40, 50 Jahren so richtig zu boomen begann, wurde auch in Damüls großzügig Bauerwartungsland gewidmet. Damit wollte man Einheimischen die Chance bieten, im Ort bleiben zu können und für sich Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig Pensionen als zusätzliches Einkommensstandbein zu errichten.“

Kaum zu kontrollieren

Auch für Neu- und Ausbauten von Hotels sollten mit den Widmungen die Voraussetzungen geschaffen werden. Eine Zeitlang hat es auch wie beabsichtigt funktioniert, doch dann kam es zu einer Entwicklung, mit der damals niemand gerechnet hatte. Unter dem Titel „zur gewerblichen Vermietung“ seien leider viele Schlupflöcher geblieben und Gemeinden hätten kaum wirksame Möglichkeiten zur Kontrolle, gibt der Damülser Bürgermeister Bischof zu bedenken.

Selbst wenn eine Gemeinde Kontrolleure einsetzt, bleibt dies oft ein stumpfes Instrument gegen Ferienwohnungen durch die Hintertür, die die meiste Zeit leer stehen – Stichwort „kalte Betten“, mit denen niemand eine Freude hat.

Damüls in der Zwickmühle

Dass Damüls durch die Ferienwohnungs-Problematik stärker als andere Tourismusgemeinden in Bedrängnis geraten ist, hat eine wesentliche Ursache in der Skigebietsverbindung mit Mellau: Um dieses Projekt wirtschaftlich betreiben zu können, waren Fachleute davon ausgegangen, dass für eine entsprechende Frequenz der Seilbahnen in einem Zehn-Jahres-Programm 1000 zusätzliche Betten erforderlich sind.

Bauboom

Deshalb wurde der Bettenausbau forciert – und großteils in Appartement-Anlagen umgesetzt, nur ein geringer Teil entfiel auf Hotelerweiterungen. Nach dem Beschluss zur Skigebietsverbindung setzte ein massiver Bauboom ein: Neben vielen kleinen privaten Vorhaben sowie Modernisierungen und Erweiterungen bestehender Häuser entstanden eine Reihe von Großprojekten.

Zurück zum Projekt Alpenstolz: In vier Objekten werden hier 38 Einheiten mit insgesamt rund 160 Betten errichtet. Und: Es gibt in Vorarlberger Tourismusorten auch zahlreiche Beispiele, wo diese „gewerbliche Vermietung“ funktioniert und ständig wechselnde Gäste die Appartements buchen. stp

Um das Projekt landschaftsschonend ausführen und in den Hang einpassen zu können, mussten rund 10.000 Kubikmeter Fels und Erdreich abgetragen werden. stp/2
Um das Projekt landschaftsschonend ausführen und in den Hang einpassen zu können, mussten rund 10.000 Kubikmeter Fels und Erdreich abgetragen werden. stp/2