Sein Ziel war das Gemeinwohl

Vorarlberg / 09.05.2022 • 18:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Siegfried Gasser engagierte sich unermüdlich für Vorarlberg.VN/Paulitsch
Siegfried Gasser engagierte sich unermüdlich für Vorarlberg.VN/Paulitsch

Mit Alt-Landtagspräsident Siegfried Gasser starb ein großer Vorarlberger.

BREGENZ Siegfried Gasser, Vorarlberger Landtagspräsident, Regierungsmitglied und Bregenzer Bürgermeister, ist am 2. Mai 2022 im
81. Lebensjahr verstorben.

Landeshauptmann Markus Wallner und Landtagspräsident Harald Sonderegger würdigten Gassers langjähriges politisches Wirken mit den Worten: „Während seiner bemerkenswerten politischen Laufbahn engagierte er sich stets konstruktiv und unermüdlich für unser Land und zeichnete sich vor allem durch seine werteorientierte Weitsicht und Bürgernähe aus.“

Gasser hat während dieser Zeit eine Vielzahl wichtiger und nachhaltiger Akzente zur Landesentwicklung gesetzt. Erwähnt sei etwa die Einrichtung der Fachhochschule, der Bau von über 50 neuen Schulen und Kindergärten, die Errichtung der Feuerwehrschule mit dem Katastrophenschutzzentrum oder die Optimierung der Landeswohnbauförderung. Sowohl als Landespolitiker als auch als Bürgermeister von Bregenz (1990 bis 1998) war – so Wallner – Gassers Blick stets auf das Wohl der Gemeinschaft gerichtet. Als überzeugter Christdemokrat beruhte sein werteorientiertes Handeln auf menschlicher Solidarität und sensiblem Umgang mit der Verantwortung. Und Landtagspräsident Harald Sonderegger hebt hervor, dass Siegfried Gasser in allen seinen Funktionen nachhaltige Spuren hinterlassen hat. „Er war stets ein großer Fürsprecher für die Eigenständigkeit des Landes und hat sich sowohl für die Stärkung der Regionen auf europäischer Ebene als auch für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Bodenseeregion eingesetzt.“

Siegfried Gasser wurde am 16. Juli 1941 in Saarwellingen in Deutschland geboren. In Schruns absolvierte er die Volks- und Hauptschule. Ab 1955 besuchte er die Handelsakademie in Bregenz und ab 1960 studierte er an der Universität Innsbruck. 1966 graduierte er zum Diplomvolkswirt. Nach seiner akademischen Ausbildung bildete er sich im In- und Ausland, darunter in Berlin, auf den Gebieten der Informatik, Organisation und Betriebsberatung weiter und wurde 1968 Geschäftsführer des Vorarlberger Rechenzentrums in Dornbirn. Die politische Laufbahn Gassers nahm 1970 in der Bregenzer Stadtvertretung ihren Anfang. Drei Jahre später wurde er von Landeshauptmann Herbert Keßler als damals jüngster Landesrat Österreichs in die Vorarlberger Landesregierung berufen. 1984 wurde er Landesstatthalter, 1990 erfolgte die Wahl zum Bürgermeister von Bregenz und 1994 zum Präsidenten des Vorarlberger Landtags.

Herzensanliegen Bildung

Bei seiner Verabschiedung im Landtag am 9. Mai 1990 nach 17 Jahren sehr erfolgreicher Tätigkeit als Landesrat und Landesstatthalter lobte Landeshauptmann Dr. Martin Purtscher Gassers „organisatorisches Talent, seine Beweglichkeit im Denken und Handeln, seine Verlässlichkeit und den Mut zu unkonventionellen Lösungen. Purtscher: „Ein Herzensanliegen war ihm das Bildungswesen, das er als Präsident des Landesschulrates prägte. Ich habe seinen Einsatz für das Technikum, die EDV-Schulversuche hervor, sein Wirken im Ressort innere Angelegenheiten – Polizei, Feuerwehr- Rettungs- und Sicherheitswesen usw. Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß haben ihn ausgezeichnet wie seine Zielstrebigkeit und sein Durchhaltevermögen.“

Und Purtscher weiter: „Im Jahre 1994, als Bertram Jäger nicht mehr kandidierte, wurde Bürgermeister Gasser zum Landtagspräsidenten gewählt. Er war seit 1973 als Landesrat, als mein Stellvertreter, als Landesstatthalter, als Bürgermeister und Landtagspräsident – somit in einer Fülle von Funktionen, wie sie zuvor und danach von keinem Vorarlberger Politiker mehr wahrgenommen wurde.“

Rotkreuz-Präsident

Der Vorarlberger Rotkreuzpräsident, Vorstandsdirektor a. D. Dr. Ludwig Summer, sagt zum Ableben von Dipl.-Vw. Siegfried Gasser, seinem Vorgänger in dieser Funktion: „Er trat nach seiner erfolgreichen politischen Karriere im Jahre 1999 die Präsidentschaft des RKV-Landesverbandes Vorarlberg mit großer Demut vor dem Amt an. Als ,Sir mit Herz‘ erfüllte er bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2013 das aufwendige Ehrenamt als einfühlsamer Vermittler, geschickter Stratege, aufmerksamer Zuhörer und Partner mit Handschlagqualität. Unter seiner Führung gelang es vor allem, die Zusammenarbeit zwischen den Funktionären auf Ortsebene mit jenen des Landesverbandes wie auch der Geschäftsleitung weiter zu intensivieren und aus 20 gut geführten Einheiten ein großes, schlagkräftiges Ganzes zu kreieren. Bei all seinem Tun war ihm immer sehr wichtig, die Waage zwischen dem Notwendigen und dem Leistbaren, zwischen Wunsch und Bedarf ausgeglichen zu halten.“

1973 wurde Gasser von Landeshauptmann Keßler als Landesrat angelobt.Gasser
1973 wurde Gasser von Landeshauptmann Keßler als Landesrat angelobt.Gasser