Aufschrei für Tierwohl und gegen Korruption

Vorarlberg / 10.05.2022 • 20:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Igel-Mama“ Annelies Dalpez ist eine von 426.938 Österreicherinnen und Österreicher, die das Volksbegehren gegen Tiertransporte unterschrieben haben.Dalpez
„Igel-Mama“ Annelies Dalpez ist eine von 426.938 Österreicherinnen und Österreicher, die das Volksbegehren gegen Tiertransporte unterschrieben haben.Dalpez

Prominente Vorarlberger unterstützten Volksbegehren.

Schwarzach Annelies Dalpez ist für ihre Tierliebe bekannt. 261 Igel hat sie in ihrer Igelstation in Nüziders über den vergangenen Winter gebracht. Seit 40 Jahren kämpfe sie schon für das Tierwohl, erzählt die 81-Jährige den VN. Daher habe sie nun auch das Volksbegehren gegen die „Lebendtier-Transportqual“ unterstützt. Dalpez ist damit eine von 426.938 Österreicherinnen und Österreicher, die das Volksbegehren gegen die „Lebendtier-Transportqual“ unterschrieben haben – das erfolgreichste der mittlerweile abgelaufenen Eintragungswoche. Den zweiten Rang belegt das Anti-Korruptionsbegehren mit 307.629, den dritten das „Nein zur Impfpflicht“ mit 246.878 Unterstützerinnen und Unterstützern.

Meiste Impfkritiker in Bludenz

Gegen die Impflicht sprachen sich österreichweit also 3,88 Prozent der Stimmberechtigten aus. Ein zweites Begehren dazu kam auf ein ähnliches Ergebnis. Die Vorarlberger und Vorarlbergerinnen liegen mit 4,44 Prozent nach Oberösterreich und Salzburg auf Rang drei der impfkritischen Bevölkerung, der Bezirk Bludenz knackt sogar die Fünf-Prozent-Marke.

Die Proponenten des Antikorruptionsbegehrens konnten 4,97 Prozent der Vorarlberger Stimmberechtigten für ihre Anliegen begeistern. Mit 5,46 Prozent ist der Bezirk Feldkirch Spitzenreiter. Dort lebt auch der langjährige Grünen-Politiker und Historiker Harald Walser, einer der prominenten Unterstützer des Begehrens. „Korruption ist in Österreich leider schon historisch bedingt in einem Ausmaß da, das eigentlich erschreckend ist“, begründet er seine Unterschrift. „Wenn wir in Österreich ein wenig aus dem Sumpf rauskommen wollen, müssten konsequentere Maßnahmen gesetzt werden.“ Die geplante Novelle des Parteienförderungsgesetzes in Vorarlberg, das den Umfang von Wahlkämpfen begrenzen und für mehr Transparenz sorgen soll, sei ein wichtiger Schritt. „Wenn das eine Blaupause für andere Bundesländer wäre, wären wir schon weiter.“ Dass die Maßnahmen notwendig seien, zeigten nicht zuletzt die Vorgänge im Land. „Das Bild vom subara Ländle hat Risse bekommen“, ist Walser überzeugt. Er hofft, dass die Forderungen des Volksbegehrens nun ernsthaft diskutiert würden. Dies wäre umso wichtiger, da Österreich in vielen Rankings von Korruption bis Pressefreiheit zurückfallen würde. Besonders dringlich wäre aus seiner Sicht auch, das Amtsgeheimnis abzuschaffen. „Es ist ein typischer Ausdruck für die österreichische Situation. Während der Staat in anderen Ländern begründen muss, warum er gewisse Informationen nicht rausgeben kann, ist es bei uns umgekehrt.“ Hier müssten die Bürgerinnen und Bürger genau begründen, warum sie gewisse Informationen wollten. „Das ist einem modernen Staat unwürdig und typisch für Obrigkeitsstaaten von altem Zuschnitt.“

Furchtbare Tiertransporte

Unwürdig seien auch die Lebendtiertransporte, sagt „Igel-Mama“ Annelies Dalpez. „Es ist furchtbar, was die Tiere mitmachen müssen.“ Die 81-Jährige betont, dass es ihr nicht darum gehe, zu verbieten Fleisch zu essen. „Aber die Tiere müssen artgerecht gehalten werden.“ Man könne ja auch statt drei billigen Schnitzeln eines essen, das dafür wirklich hochwertig sei und nicht der Massentierhaltung entstamme. Dalpez wünscht sich mehr und strengere Kontrollen der Tiertransporte. Die Tiere müssten außerdem ausreichend Wasser, Futter und genügend Platz bekommen. Das Volksbegehren, das 5,74 Prozent der stimmberechtigten Vorarlbergerinnen und Vorarlberger unterschrieben haben, solle ein Weckruf sein. Mit 6,17 Prozent war es im Bezirk Feldkirch am stärksten, gefolgt vom Bezirk Bludenz mit 5,81 Prozent, wo auch Dalpez lebt. Die Tierschützerin hofft nun auf eine ordentliche Behandlung im Parlament: „Es ist nur schade, dass die Tiere nicht wählen gehen können. Dann hätten sie sicherlich eine bessere Lobby.“ VN-ebi