Wind hat sich gedreht

Vorarlberg / 10.05.2022 • 20:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Windkraft in Vorarlberg: Gespräch mit Landesrat Zadra geplant.

Bregenz Das Thema Windkraft habe beim Land in den letzten Jahren anscheinend in keiner Erwähnung Platz gehabt. „Es war keine politische Willensbildung da“, kritisierte Franz Rüf von der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie Vorarlberg (AEEV) Mitte März in den VN. In den vergangenen Wochen scheint sich der Wind diesbezüglich allerdings gedreht zu haben.

Man müsse in Vorarlberg wieder über Windkraft sprechen, forderte der für Energie zuständige grüne Landtagsabgeordnete Christoph Metzler am Montag. Das Argument, Windräder seien von der Bevölkerung nicht akzeptiert, will er in der größten Energiekrise seit den 1970ern nicht mehr gelten lassen. „Im grenznahen Raum im Allgäu, also in ähnlicher landschaftlicher und räumlicher Situation, gibt es bereits mehrere Windräder. Diese sind sozial akzeptiert und liefern kostbare erneuerbare Energie an die Bevölkerung“, ergänzt er. Auch die FPÖ ist mittlerweile der Meinung, dass es zur Erreichung der äußerst ambitionierten Ziele der Energieautonomie notwendig sein wird, „alle erneuerbaren Energieträger ihrem Potential entsprechend zu nutzen. Dazu zählt auch die Windenergie.“ Das halten die blauen Landtagsabgeordneten Daniel Allgäuer und Andrea Kerbleder in dem von ihnen am Montag im Landtag eingebrachten Antrag mit dem Titel „Erneuerbare Energieträger vollumfänglich nutzen – aktuelles Potential der Windenergie in Vorarlberg als Teil der Energiewende erheben“ fest.

Stimmungsbild

Der derzeit am besten untersuchte Standort für Windkraft in Vorarlberg befindet sich am Pfänderrücken an der Gemeindegrenze Möggers-Eichenberg. Das Projekt wäre dort laut Franz Rüf technisch umsetzbar und wirtschaftlich darstellbar. Durch die Ereignisse in der Ukraine habe sich auch das Stimmungsbild in der Bevölkerung verändert. „Es wäre begrüßenswert, wenn man die bestehenden Projektergebnisse nutzen und darauf aufbauen würde. Dann könnte man in der Planung sehr zügig voranschreiten. Die Gemeinden und auch das Land sollten allerdings im Vorfeld Flächen definieren, auf denen solche Projekte vorstellbar sind. Nicht, dass der Antragsteller im Kreis geschickt wird,“ sagt der Projektleiter.

Demnächst steht ein Gespräch mit Landesrat Daniel Zadra an. Georg Bantel, Bürgermeister von Möggers möchte diesen Termin zunächst abwarten und schauen was dabei rauskommt. In der Gemeinde bzw. der Regio habe man mit dem Projekt in den letzten Jahren nicht mehr weitergemacht und auch nicht mehr darüber diskutiert. In erster Linie gelte es sowieso den Speicher auzubauen, verweist Bantel auf das von illwerke vkw im Vorjahr vorgestellte Projekt Lünerseewerk II, eine gigantische Speicherbatterie. „Das wird letztendlich auch in Bezug auf die Photovoltaikanlagen ganz wichtig werden, um den Ausgleich zu schaffen zwischen dem Anfall der Energie und dem Verbrauch der Energie“, führt der Gemeindechef aus.

Mit den geplanten maximal drei Windrädern am Pfänder könnten alle Haushalte im Leiblachtal mit Strom versorgt werden. „Alleine ein Standort für Windkraft in Vorarlberg würde uns der Energieautonomie in Siebenmeilenstiefeln näherbringen“, ist der grüne Christoph Metzler überzeugt. vn-ger