Elisabeth Gehrer: „Politik ist Arbeit für Menschen“

Vorarlberg / 11.05.2022 • 13:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Elisabeth Gehrer und Wolfgang Schüssel verstanden sich immer bestens. <span class="copyright">APA</span>
Elisabeth Gehrer und Wolfgang Schüssel verstanden sich immer bestens. APA

Bundesministerin a. D. Elisabeth Gehrer feiert heute ihren 80. Geburtstag.

BREGENZ „Politik ist Arbeit für die Menschen und für die Gemeinschaft. Das zu vermitteln war für mich immer ein Herzensanliegen. Ich wollte auch immer über den Tellerrand hinausblicken.

So weiß man erst, wie gut es uns geht. Ich brauche zu meinem Geburtstag auch keine Geschenke, sondern nur Spenden für mein Lieblingsprojekt, den Kindergarten ,Die Blume‘ in Darkhan, in der Nordmongolei.“

So gegenüber den VN Bundesministerin a. D. Elisabeth Gehrer. Sie feiert heute ihren 80. Geburtstag und war die erste Frau aus Vorarlberg, die ein Ministeramt bekleidete und mit zwölf Jahren die am längsten amtierende Bildungsministerin der Republik Österreich. „Im Bildungsministerium war meine Bürotüre nie versperrt, sondern für jeden offen, und jeder Referent konnte mit mir reden“, erinnert sich Gehrer.

Elisabeth Gehrer mit den Enkeln (v. l.) Konstantin, Clarissa, Raphael und Johanna.
Elisabeth Gehrer mit den Enkeln (v. l.) Konstantin, Clarissa, Raphael und Johanna.

Und weiter: „Man muss auch das politische Handwerk von Grund auf lernen. Meine Lehrjahre begannen als Bregenzer Stadträtin, Vorarlberger Landtagsabgeordnete, Landtagsvizepräsidentin und fünf Jahre Landesrätin.“

Meilensteine in der politischen Laufbahn waren die Gründung des Vorarlberger Musikschulwerkes, die Gründung der Fachhochschule Vorarlberg mit dem neuen Modell einer studentenbezogenen Finanzierung, die Verwirklichung des Universitätsorganisationsgesetzes 2002, das den Leitern der Universitäten viel mehr Verantwortung für die Entwicklung ihrer jeweiligen Universität übertrug. Dazu kam der Neubau zahlreicher Schulen, die Autonomie für die Schule, die Berufsreifeprüfung und die Entrümpelung der Lehrpläne. Weitere Meilensteine sind die Gründung des Med Austron in Wiener Neustadt mit Behandlungsmöglichkeiten für Tumore und das Institut ISTA (Institut for Science and Technology) in Klosterneuburg-Gugging als Elite­universität. Geschaffen wurde auch die volle Rechtsfähigkeit der Museen und das Gesetz für die Rückgabe von Raubkunst aus der Nazizeit sowie das Museumsquartier in Wien.

Die herausragenden Leistungen von Bundesministerin Gehrer würdigte Univ.-Rektor. emerit. Dr. Manfried Gantner (Universität Innsbruck), ein gebürtiger Klostertaler, mit den folgenden Worten:

„Keine und kein Wissenschafts- und Unterrichtsminister/in nach Dir hat auch nur entfernt Deine Durchschlagskraft gehabt und Deine Ergebnisse erreicht. Selten konnte und kann man den Unterschied zwischen Reden und tatsächlichem Tun so klar sehen. Dabei war Dein Ressort noch um die Kultur größer als die der Nachfolger/innen. Was mich an Dir u. a. so beeindruckt hat, waren Deine scheinbar so einfachen Fragen, die aber punktgenau immer auf den Kern der jeweiligen Sache zielten. Und natürlich Deine klare, offene Kommunikation sowie Deine Zivilcourage. Auch hast Du gehalten, was Du zugesagt hast.“

Elisabeth Gehrer wurde am 11. Mai 1942 in Wien geboren und war in den Bundesregierungen Vranitzky IV bis Schüssel II zwischen 1995 und 2007 österreichische Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

1949 übersiedelte sie mit ihren Eltern von Wien nach Innsbruck, wo sie das Gymnasium und die Lehrerbildungsanstalt besuchte. Anschließend arbeitete sie als Volksschullehrerin im Zillertal und anschließend zwei Jahre an der Volksschule in Lochau.

Im Jahre 1964 heiratete sie Fritz Gehrer, Leiter des Rechenzentrums der Raiffeisenlandesbank Vorarlberg, und übersiedelte nach Bregenz. Der Ehe entstammen drei Söhne, darunter der ORF-Moderator Stefan Gehrer. Liesl Gehrer ist verwitwet, viel Freude bereiten ihr ihre sechs Enkelkinder.