Unfallschuld auf die Mutter geschoben

Vorarlberg / 11.05.2022 • 22:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Angeklagte wurde zu einer Haftstrafe von 15 Monaten und einer unbedingten Geldstrafe von 720 Euro verurteilt. eckert
Die Angeklagte wurde zu einer Haftstrafe von 15 Monaten und einer unbedingten Geldstrafe von 720 Euro verurteilt. eckert

Paketzustellerin fuhr mit Kleintransporter gegen Müllwagenfahrer, der seitdem invalid ist.

Feldkirch Im Oktober 2020 kam es in einer kleinen Oberländer Gemeinde zu einem schweren Verkehrsunfall. Der Wagen einer 27-jährigen Paketzustellerin, ein Kleintransporter, fuhr am Morgen gegen halb sechs Uhr ungebremst mit mindestens 40 km/h auf einen stehenden Müllwagen auf. Dabei wurde ein 57-jähriger Arbeiter der Entsorgungsfirma eingeklemmt und schwer verletzt.

Die Unfalllenkerin bekam Panik, sie hat keinen Führerschein, betreibt jedoch ein Fuhrunternehmen. Sie dachte sich eine komplizierte Konstruktion, bei der sie straffrei geblieben wäre, aus. Ihre Mutter war nach einem Anruf bereit, für sie in die Bresche zu springen. Bis zuletzt bestritt die junge Frau, dass sie gefahren ist.

Erst ganz am Schluss, bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch, gesteht sie und wird verurteilt. Wegen grob fahrlässiger Körperverletzung, falscher Beweisaussage und Verleumdung wird sie zu 15 Monaten Haftstrafe auf Bewährung sowie 720 Euro unbedingter Geldstrafe verurteilt.

Schwerstens verletzt

Dem Unfallopfer muss sie Teilschmerzengeld in der Höhe von 5000 Euro bezahlen. Ihre Eltern entgehen gerade nochmal einem Strafverfahren. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Bei dem Auffahrunfall erlitt der hinten stehende Arbeiter schwere Beinverletzungen. „Das Leben meines Mandanten, der seit über 30 Jahren bei dieser Firma arbeitete, hat sich von einer Sekunde auf die andere verändert“, erzählt Opferanwältin Ingrid Neyer. Fünf Operationen musste der nun für immer Arbeitsunfähige bereits über sich ergehen lassen, mehrere Knochen waren gebrochen.

Vor allem die Ferse wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen, es fehlt nun jede Polsterschicht. Bislang konnten die Behandlungen dieses Problem nicht lösen, der Mann wird zeitlebens Schmerzen haben und nur mit Krücken laufen können. „Es tut mir so leid“, stammelte die Unfalllenkerin vor Ort immer wieder. Auch im Verhandlungssaal ist sie noch geschockt von den schweren Folgen ihrer Unachtsamkeit.

Übermüdet

Erst ganz am Schluss gesteht sie und räumt ein, dass sie mit ihrem knapp drei Monate alten Baby viel zu wenig Schlaf hatte. Davor war sie selbst zwei Jahre schwer krank, verbrachte immer wieder viel Zeit im Spital. Aus finanziellen Motiven versuchte sie danach mit Paketzustellung Geld zu verdienen. An jenem Morgen war sie vermutlich völlig erschöpft. Die Zeugen, die dem Verletzten vor Ort Hilfe leisteten, erzählten alle übereinstimmend, dass sie zu keinem Moment eine andere Frau gesehen hatten. Von einer Mutter, die angeblich gefahren sei, wusste niemand etwas. „Die müsste sich im Fußraum des Beifahrers versteckt haben“, schildert einer der Einvernommenen. Die Angeklagte akzeptiert das Urteil. EC