Von frechen Schülern, Raum- und Lehrermangel

Vorarlberg / 11.05.2022 • 17:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Irmgard Fritz trug bei der Buchpräsentation in Hard ein passendes Gedicht von Eugen Stadelmann vor.
Irmgard Fritz trug bei der Buchpräsentation in Hard ein passendes Gedicht von Eugen Stadelmann vor.

Band 2 der Harder Schulgeschichte – 1950 wurden Volksschüler in fünf Gebäuden unterrichtet.

HARD Von den Anfängen schulischer Tätigkeit in der Marktgemeinde Hard handelt Band 1 der Schulgeschichte, herausgegeben von Volksschuldirektor i.R. Kurt Engstler. Jetzt stellte er den druckfrischen zweiten Band zur Volksschulgeschichte zwischen 1950 und 2012 vor. Die Präsentation über die Buben- und Mädchenvolksschule im Bildungszentrum an der Landstraße 36 entwickelte sich zu einem interessanten Gesprächsabend voller humoriger Einlagen.

Fünf verschiedene Unterrichtsorte

An gleich fünf verschiedenen Standorten in der Gemeinde mussten anno 1950 die Volksschüler in Hard unterrichtet werden. Das alte Schulhaus – heute Musikschule – und das 1902 eröffnete Schulgebäude reichten nicht aus, es gab auch Unterricht im Altersheim, in einer Stickerei an der Wilhelmstraße sowie in einem Privathaus an der Hofsteigstraße. Kurt Engstler, 1997 bis 2013 Direktor der VS Mittelweiherburg, hat alle vorhandenen Dokumente und Unterlagen studiert und zu einem 200 Seiten starken Band zusammengefasst.

Teil 2 der Harder Schulgeschichte berichtet auch von den verschiedenen Lehrer- und Direktoren-Persönlichkeiten. Da gab es die „Schlagfertigen“ mit Lineal oder Rohrstock, es gab die gerne Abwesenden, die eher bei der Jagd, beim Skifahren oder bei einer lukrativen Zweitbeschäftigung zu finden waren. Andere gingen in ihrem Beruf auf, unternahmen allerhand mit den Schülerinnen und Schülern. Auch davon berichteten etliche der Teilnehmer an der Buchpräsentation.

Mädchen und Buben wurden übrigens ab dem Schuljahr 1950/52 getrennt unterrichtet, schon wegen der Schicklichkeit. Bereits zuvor hatte Hard für die Klassen im Altersheim einen Zubau mit eigenem Eingang errichtet, damit nicht etwa Mädchen und Buben zur selben Türe ein- und ausgehen mussten.

Stadelmann, Spettel, Woitsche

Im Bildungszentrum, der Villa Jenny, wurde eifrig erzählt von Herren wie Eugen Stadelmann, Josef Spettel oder Ernst Woitsche, der stets streitbar seine Unterrichtsmethoden verteidigt hatte. Wegen Raummangel in Hard mussten 1975/76 schließlich 122 Harder Volksschüler per Bus in die Schule nach Fußach gefahren werden, dann wieder sorgte der akute Lehrermangel für Probleme. Im Buch vermerkt sind auch etliche Begründungen der Lehrer für schlechte Betragensnoten: „Herumerzählen schmutziger Witze“, „unverbesserlicher Störer“, „schminkt sich während des Unterrichts“, „tanzt öffentlich, trotz Mahnung“ …

<p class="caption">Kurt Engstler mit Band 2 seiner Harder Schulgeschichte. <span class="copyright">AJK/2</span></p><p class="caption"/>

Kurt Engstler mit Band 2 seiner Harder Schulgeschichte. AJK/2

Lehrers Auto nicht geputzt

Alt-Gemeindearchivar Ernst Köhl­meier, VS-Direktor von 1980 bis 1997, trug bei der Buchpräsentation etliche Anekdoten bei. Interessiert verfolgt wurde der Abend vom Lehrer-Ehepaar in Ruhe Resi und Urs Riesner. Alfred Steurer, Jahrgang 1940, wusste zu berichten, dass er mit schmerzhaften Tatzen bestraft wurde, weil er sich als Volksschüler geweigert hatte, nach Lehrers Rennrad auch noch dessen Auto zu putzen. Claudia und Daniel Jenny vom Bildungszentrum Hard zeigten sich sehr angetan von den regen Gesprächen über Schulerinnerungen.

Kurt Engstler berichtete zum Abschluss, dass sich der dritte Band der Harder Schulgeschichte mit den Hauptschulen befassen wird. Und Irmgard Fritz trug noch ein Gedicht von Alt-Schulleiter und Heimatdichter Eugen Stadelmann vor. Die beiden Bände der Harder Schulgeschichte gibt es in der Harder Buchhandlung Klartext und bei Autor Kurt Engstler. AJK