Gericht: Von der Berghütte geflüchtet

Vorarlberg / 12.05.2022 • 18:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gericht: Von der Berghütte geflüchtet
Die Angeklagte saß wegen Quarantäneverletzung vor Gericht, kam aber mit einem außergerichtlichen Tatausgleich (Diversion) davon. Eckert

Kellnerin wurde positiv auf Corona getestet und verließ aus Panik ihren Arbeitsplatz.

Feldkirch Im Sommer 2021 arbeitete die 40-jährige Deutsche auf einer Vorarlberger Berghütte. Die Kellnerin ist gesundheitlich schwer angeschlagen. Krebs und eine chronische Durchfallerkrankung machen ihr schwer zu schaffen. Dennoch fühlte sie sich anfangs der Aufgabe gewachsen und bewarb sich für den harten Job. Das rund sieben Quadratmeter große Personalzimmer teilte sie sich mit ihrem Lebensgefährten, der ebenfalls auf der Hütte arbeitete. WC und Dusche für das rund zehnköpfige Personal befinden sich am Gang. Dann ereilte auch noch Corona die Frau. Damals ein Schock, wie sie als Angeklagte bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch erzählt.

„Meine Mandantin hatte Angst, Komplikationen auf einer Hütte in 2000 Metern Höhe und eine Unterkunft, die nur nach einem mehrstündigen Fußmarsch erreicht werden kann. Ein Helikopter kann nur bei Schönwetter fliegen. Die Telefonverbindung ist immer wieder über längere Zeit unterbrochen“, schildert Verteidigerin Andrea Concin die damalige Situation ihrer Mandantin.

Abstieg aus 2000 Metern Höhe

Als die Kellnerin erfuhr, dass sie nun die gesamte Quarantänezeit gemeinsam mit ihrem Freund in dem kleinen Zimmer verbringen sollte, bekam sie Panik. Wie sollte sie mit ihrer ohnedies schweren Erkrankung und den gegebenen sanitären Bedingungen diese Zeit überstehen? Gemeinsam mit ihrem Freund entschied sie sich für den Abstieg. Im Tal fuhren sie erst mit dem Bus, dann mit dem Zug Richtung Innsbruck, dann weiter nach Deutschland, wo sie in Sachsen zuhause ist.

Zur Verhandlung ist das Paar um drei Uhr früh aufgebrochen, um pünktlich um 13 Uhr in Feldkirch zu sein. Vor dem damaligen Reiseantritt habe sie nochmals zwei Antigenschnelltests gemacht, die seien negativ gewesen. Sie habe immer eine Maske getragen und darauf geachtet, ausreichend Abstand zu lassen. Aufgrund ihrer Erkrankung spüre sie jede Erkältung doppelt. „Da ich gar keine Symptome hatte, war ich ziemlich sicher, dass ich niemanden anstecken würde“, erinnert sie sich.

Keine Verurteilung

Auch der Hüttenwirt war in der Zwickmühle. Das große Haus voll mit Gästen, dazu starkes Terrassengeschäft, und plötzlich sollten alle in Quarantäne. Er bemühte sich um eine angemessene Unterkunft für das betroffene Personal, doch alles zog sich ewig hin und er war mit seinen Problemen mehr oder weniger allein. Die Ex-Kellnerin kommt angesichts der Besonderheit des Falles ohne Verurteilung davon. Concin findet mit ihrem Diversionsantrag bei Richterin Sabrina Tagwercher Gehör, und auch Staatsanwalt Manfred Melchhammer stimmt zu. Mit Tränen in den Augen bezahlt die Krebskranke die auferlegte 400- Euro-Buße und ist froh, zumindest diese Sache überstanden zu haben.