Land stellt “Lehrerkeiler” an

Vorarlberg / 12.05.2022 • 21:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pädagoginnen und Pädagogen sind in Vorarlberg so gefragt wie nie. Jetzt werden Maßnahmen zur Rekrutierung ergriffen. APA/H. SCHNEIDER
Pädagoginnen und Pädagogen sind in Vorarlberg so gefragt wie nie. Jetzt werden Maßnahmen zur Rekrutierung ergriffen. APA/H. SCHNEIDER

Ex-Vizerektor der PH Vorarlberg, Heiko Richter, kümmert sich um Personalsituation.

Bregenz Es gibt in Österreich insgesamt genug Lehrer. Das gilt jedoch nicht für Vorarlberg. Bei uns wird der Personalmangel immer dramatischer. Hohe Lebenshaltungskosten, die Konkurrenz der attraktiven Nachbarschaft, eine starke Pensionswelle: All das sind Gründe für den Lehrermangel.

Experte fürs „Lehrer-Keilen“

Um die Personalsituation in den Griff zu bekommen, hat das Land einen Experten engagiert, der sich ausschließlich mit der Thematik befasst und die entsprechenden Maßnahmen initiiert. Es ist dies Heiko Richter, der noch vor Kurzem als Vizerektor an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg tätig war. „Wir haben mit Heiko Richter einen hochkompetenten Experten gewinnen können, der bestens vernetzt ist“, ist Evelyn Marte-Stefani, Direktorin der Bildungsdirektion Vorarlberg, überzeugt.

Richter, seit März in seiner neuen Funktion tätig, hat bereits ein Zehn-Punkte-Programm zur Rekrutierung von Lehrern zusammengestellt. Darin enthalten sind Maßnahmen wie offensives Werben an Schulen, Willkommenshilfe für neue Lehrer wie eine „Landing Page“ und ein „Welcome Center“ mit allen notwendigen Informationen bzw. Unterstützungsangeboten gerade am Beginn der beruflichen Tätigkeit, ein Angebot für Schüler, in die Rolle von Lehrern zu schlüpfen und das Unterrichten zu probieren. Angesprochen werden sollen aber auch nicht mehr im Dienst stehende Lehrpersonen und Pensionisten genauso wie Quereinsteiger, denen man den Lehrberuf schmackhaft machen will.

Abwerben

Unverzichtbar ist laut Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink auch die Werbung in anderen Bundesländern. „Auch wenn man das dort vielleicht nicht immer gerne sieht.“ Um Vorarlberg den jungen StudienabgängerInnen, aber auch anderen qualifizierten Personen in anderen Bundesländern schmackhaft zu machen, brauche es auch eine Ausweitung der „Goodies“. So soll es eine Erhöhung beim Mietzuschuss um 60 Euro auf nunmehr 180 Euro monatlich geben, statt fünf Freifahrten in ihr Heimatbundesland erhalten die jungen Lehrkräfte aus anderen Bundesländern künftig ein Klimaticket. Bisher liegen 30 Anmeldungen für Lehrerstellen vor. „Aber wir brauchen mehr“, sagt die Schullandesrätin klar.

Kürzeres Bacherlorstudium

Erstmals angeboten wird in Vorarlberg ab 2022/23 eine berufsbegleitende Lehrerausbildung. Diese wird die PH Vorarlberg gemeinsam mit der PH Oberösterreich durchführen. Zur Verbesserung der Personalsituation ist Vorarlberg überhaupt auch auf Partnerschaften angewiesen. Vor allem mit dem Bund. Das fängt mit dem Zuteilen von AbsolventInnen an und geht über die Angebotserweiterung hinsichtlich der Studienfächer an der PH Vorarlberg bis zu finanziellen Zuwendungen für StudienabsolventInnen aus den anderen Bundesländern.

Zur Attraktivitätssteigerung des Lehrberufs allgemein würde laut Ansicht der Vorarlberger Verantwortlichen auch eine Veränderung der Studienstruktur beitragen. Konkret: Das Bachelorstudium sollte von vier auf drei Jahre verkürzt werden. „Das bieten andere Hochschulen in der Region ja auch an“, betont Schöbi-Fink.

Heuer werden insgesamt 173 Studenten an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg ihr Studium abschließen, 115 Personen haben sich bereits für das kommende Studienjahr angemeldet, davon 72 für die Primarstufe, 43 für die Sekundarstufe. Das ist ein Trend nach oben. VN-HK

„Ich habe einen Zehn-Maßnahmen-Katalog erarbeitet, um die Situation zu verbessern.“

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