Unvergessen über den Tod hinaus

Vorarlberg / 12.05.2022 • 20:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Markus Aichelburg ist Projektleiter der Initiative „Vergissmeinnicht“.G. Dirr
Markus Aichelburg ist Projektleiter der Initiative „Vergissmeinnicht“.G. Dirr

Interesse an Testamentsspenden hat sich in Vorarlberg verdoppelt.

feldkirch Ob man möchte oder nicht: Früher oder später muss sich fast jeder mit dem Thema Ver­erben auseinandersetzen. Sich schon zu Lebzeiten über sein Testament Gedanken zu machen, fällt vielen schwer. Dabei können diese oft Probleme vermeiden und neue Chancen bieten. Die Aktion „Vergissmeinnicht“ macht seit zehn Jahren auf die Möglichkeit aufmerksam, mit einer Testamentsspende über den Tod hinaus Gutes zu tun. 100 Mitglieder-Organisationen aus allen Bereichen der Gemeinnützigkeit sind Teil der Initiative, die mit der Notariatskammer kostenlos aufklärt, was bei einem Testament und dem Wunsch nach einer Testamentsspende beachtet werden sollte. „Viele möchten selbst bestimmen, was mit ihrem Vermögen passiert und dass es Organisationen zugutekommt, die ihnen schon zu Lebzeiten wichtig waren“, sagt „Vergissmeinnicht“-Leiter Markus Aichelburg. Jährlich werden bundesweit über 80 Millionen Euro in Form von testamentarischen Zuwendungen gespendet. „Das ist jeder zehnte Spendeneuro.“

„Vorarlberg noch Schlusslicht“

Seit der Gründung der Initiative habe sich das Interesse am Vermächtnis für den guten Zweck verdoppelt. Fast 800.000 Österreicher über 40 Jahren können sich ein gemeinnütziges Testament gut vorstellen. In Vorarlberg sei die Bereitschaft für Testamentsspenden seit 2018 von vier auf acht Prozent gestiegen. „Nichtsdestotrotz bildet Vorarlberg noch das Schlusslicht“, sagt Markus Aichelburg. Erfreulich sei, dass 85 Prozent zumindest wissen, dass es diese Möglichkeit gibt. Zentrale Motive für Testamentsspenden in Vorarlberg sind der Wunsch, über den Tod hinaus Gutes zu tun (62 Prozent) sowie der persönliche Bezug zu einer bestimmten gemeinnützigen Organisation (47 Prozent), aber auch der Wunsch, dass das Vermögen nicht an den Staat geht (31 Prozent).

Mit der Erstellung eines Testaments haben es die Vorarlberger nicht besonders eilig, wie eine market-Studie verdeutlicht. „Nur 29 Prozent der über 40-Jährigen haben ein Testament erstellt. Damit liegt Vorarlberg bundesweit im Mittelfeld“, erklärt Notarsubstitut Martin Schüssling (Notariat Dr. Richard Forster). Die Gründe sind vielfältig. Einer davon sei die Unentschlossenheit. „Viele wissen noch nicht, was sie wem geben sollen.“ Das führe oft dazu, dass man das Thema lange Zeit vor sich herschiebe. Andere geben an, mit der gesetzlichen Erbfolge zufrieden zu sein.

Elf Organisationen in Vorarlberg

In Vorarlberg haben sich schon elf Organisationen „Vergissmeinnicht“ angeschlossen, darunter der Verein „Netz für Kinder“, der sich seit 1996 für benachteiligte und armutsgefährdete Kinder und Familien einsetzt und sich zur Gänze durch Spenden finanziert. „Kinder, die in armen Familien aufwachsen, haben keine Chance, Erbschaften von ihren eigenen Eltern zu bekommen“, sagt Obmann und Russ-Preis-Träger Hubert Löffler. „Durch die Überlassung eines Teils des Erbes kann die soziale Einstellung über das eigene Leben hinaus verlängert werden, sodass man den Kindern auch nach dem Tod etwas Gutes tun kann.“ VN-TAS

„Nur 29 Prozent der über 40-Jährigen haben ein Testament erstellt.“

“Vergissmeinnicht”-Leiter Markus Aichelburg ist heute zu Gast bei “Vorarlberg LIVE”, 17 Uhr.