Wie das Land mehr Pädagogen rekrutieren will

Vorarlberg / 12.05.2022 • 16:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Heiko Richter sollte in den kommenden Jahren die Schlüsselfigur in der Gewinnung von neuen Lehrern in Vorarlberg sein. <span class="copyright">Vorarlberg</span>
Heiko Richter sollte in den kommenden Jahren die Schlüsselfigur in der Gewinnung von neuen Lehrern in Vorarlberg sein. Vorarlberg

Mit Heiko Richter wurde ein Experte verpflichtet, dessen einzige Aufgabe es ist, Lehrer zu finden.

Bregenz Es gibt in Österreich insgesamt genug Lehrer. Das gilt jedoch nicht für Vorarlberg. Bei uns wird der Personalmangel immer dramatischer. Hohe Lebenshaltungskosten, die Konkurrenz der attraktiven Nachbarschaft, eine starke Pensionswelle: All das sind Gründe für den Lehrermangel.

Experte fürs “Lehrer-Keilen”

Um die Personalsituation in den Griff zu bekommen, hat das Land einen Experten engagiert, der sich ausschließlich mit der Thematik befasst und die entsprechende Maßnahmen initiiert. Es ist die Heiko Richter, der noch vor Kurzem als Vizerektor an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg tätig war. “Wir haben mit Heiko Richter einen hochkompetenten Experten gewinnen können, der bestens vernetzt”, ist Evelyn Marte-Stefani, Direktorin der Bildungsdirektion Vorarlberg, überzeugt.

Richter, seit März in seiner neuen Funktion tätig, hat bereits ein 10-Punkte-Programm zur Rekrutierung von Lehrern zusammengestellt. Darin enthalten sind Maßnahmen wie offensives Werben an Schulen, Willkommenshilfe neuer Lehrer sowie eine “Landing Page” und ein “Welcome Center” mit allen notwendigen Informationen bzw. Unterstützungsangeboten gerade am Beginn der beruflichen Tätigkeit, ein Angebot für Schüler, in die Rolle von Lehrern zu schlüpfen und das Unterrichten zu probieren. Angesprochen werden sollen aber auch nicht mehr im Dienst stehende Lehrpersonen und Pensionisten genauso wie Quereinsteiger, denen man den Lehrberuf schmackhaft machen will.

Werbung in anderen Bundesländern

Unverzichtbar ist laut Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink auch die Werbung in anderen Bundesländer. “Auch wenn man das dort vielleicht nicht immer gerne sieht.” Um Vorarlberg den jungen StudienabgängerInnen, aber auch anderen qualifizierten Personen in anderen Bundesländern schmackhaft zu machen, brauche es auch eine Ausweitung der “Goodies”. So soll es eine Erhöhung beim Mietzuschuss um 60 Euro auf nunmehr 180 Euro monatlich geben, statt fünf Freifahrten in ihr Heimatbundesland erhalten die jungen Lehrkräfte aus anderen Bundesländern künftig eine Klimaticket. Bisher liegen 30 Anmeldungen für Lehrerstellungen vor. “Aber wir brauchen mehr”, sagt die Schullandesrätin klar.

“Wir brauchen noch mehr Goodies, um junge LehramtsstudentInnen mit Abschluss zu uns zu bringen.”

Barbara Schöbi-Fink, Schullandesrätin

Kürzeres Bacherlorstudium

An der PH Feldkirch sollen in den kommenden Jahren möglichst viele Studentinnen und Studenten ihren Abschluss machen. <span class="copyright">doh</span>
An der PH Feldkirch sollen in den kommenden Jahren möglichst viele Studentinnen und Studenten ihren Abschluss machen. doh

Erstmals angeboten wird in Vorarlberg ab 2022/23 eine berufsbegleitende Lehrerausbildung. Diese wird die PH Vorarlberg gemeinsam mit der PH Oberösterreich durchführen. Auf Kooperationen in der Verbesserung der Personalsituation ist Vorarlberg überhaupt auch auf Partnerschaften angewiesen. Vor allem mit dem Bund. Das fängt mit dem Zuteilen von AbsolventInnen an und geht über die Angebotserweiterung für Studienfächer an der PH Vorarlberg bis zu finanziellen Zuwendungen für StudienabsolventInnen aus den anderen Bundeslängern. Zur Attraktivitätssteigerung des Lehrberufs allgemein würde laut Ansicht der Vorarlberger Verantwortlichen auch eine Veränderung der Studienstruktur beitragen. Konkret: Das Bachelorstudium sollte von vier auf drei Jahre verkürzt werden. “Das bieten andere Hochschulen in der Region ja auch an”, betont Schöbi-Fink.

Heuer werden insgesamt 173 Studenten an der PH Vorarlberg ihr Studium abschließen, insgesamt 115 Persoenen haben sich bereits für das kommende Studienjahr angemeldet, davon 72 für die Primarstufe und 43 für die Sekundarstufe.