Bregenzer Pläne für klimafreundliche Zukunft

Vorarlberg / 13.05.2022 • 15:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<p class="caption">Bürgermeister Ritsch und Stadtrat Hehle erläutern, wie der nachhaltige Ausstieg aus Gas- und Ölnutzung in Bregenz funktionieren soll.<span class="copyright">Fst</span></p><p class="caption"/>

Bürgermeister Ritsch und Stadtrat Hehle erläutern, wie der nachhaltige Ausstieg aus Gas- und Ölnutzung in Bregenz funktionieren soll.Fst

Biomasseanlagen, Fernwärme oder thermische Sanierungen als Alternativen zur Öl- oder Gasnutzung.

BREGENZ Jährlich werden über ein 190 Kilometer langes Gasleitungsnetz von Bregenz, aus rund 3250 Haushalte in Bregenz aber auch in Lochau und Hörbranz mit insgesamt rund 300 Millionen Kilowattstunden Erd- und Biogas versorgt. Ein Fünftel der in Österreich benötigten Gasmenge wird in Österreich selbst gefördert – Vorarlberg ist aber nicht an das innerösterreichische Erdgasnetz angeschlossen, sondern bezieht die benötigten Mengen aus Deutschland, und Deutschland wiederum ist großteils von russischem Erdgas abhängig. Zumindest war dies in den vergangenen Jahren der Fall. Der Krieg in der Ukraine könnte die Situation künftig völlig ändern. Schneller als ursprünglich geplant wird daher die rasche Abkehr von Öl und Gas notwendig werden.

Stadtwerke im Umbruch

Die Bregenzer Stadtwerke befinden sich im Umbruch. Anstelle von Gaslieferungen ist vor allem im innerstädtischen Bereich der Ausbau von Fernwärme ein Gebot der Stunde, betont Stadtrat Heribert Hehle, der für Klimaschutz, Umwelt, Energie, aber auch für die Land- und Forstwirtschaft und den Tierschutz zuständig ist. Wobei Bregenz in der glücklichen Lage ist, mit dem Bodensee über einen großen Wärmespeicher zu verfügen. „Es wäre unmöglich, alle Gasheizungen von heute auf morgen auf Wärme durch Hackschnitzel umzustellen, weil es dafür nicht genügend Hackschnitzel gäbe.“

Fernwärmeheizwerk im Weidach

Dass in Bregenz dennoch ein Fernheizwerk im Weidach mit Hackschnitzelheizung von der Stadt Bregenz in Kooperation mit den Illwerken/VKW angedacht ist und die konkrete Planung noch heuer erfolgen soll, ist nicht zuletzt dem notwendigen Umstieg von der Gasversorgung zur Fernwärme geschuldet. Das Fernheizwerk soll nicht nur das Krankenhaus und Seniorenheim, sondern auch die beiden Bundesgymnasien und die Volksschule Weidach mit Wärme versorgen. „Auch private Haushalte in diesem Bereich können sich hier anschließen und damit von der Gasversorgung unabhängig werden“, betonen Bürgermeister Michael Ritsch und Stadtrat Heribert Hehle unisono.

„Moderne Fernwärmewerke verfügen über aufwendige Filteranlagen, um die Umwelt und das Klima zu schonen“, betont Heribert Hehle, dem sowohl wohlige Wärme in der guten Stube wie auch der Klimaschutz ein wichtiges Anliegen ist.

Weitere Maßnahmen

Ein weiteres Fernwärmeprojekt, an dem bereits gearbeitet wird, ist die Wärmegewinnung (im Winter für die Heizung, für die Kühlung im Sommer) für die neuen Bäderanlagen und das Festspielhaus durch Wärmepumpen im See.

„Im Weiherviertel hat man bereits Interesse bekundet, sich an das Anergienetz anzuschließen (ein Anergienetz ist ein kaltes Wärmenetz, das mit tiefen Temperaturen betrieben wird)“, so Bürgermeister Ritsch. Nicht alle Heizkörper, vor allem in Altbauten eignen sich jedoch für den Betrieb von Wärmepumpen mit niedrigen Vorlauftemperaturen, betont Hehle. „Für die gleichmäßige Raumbeheizung bei niedrigen Vorlauftemperaturen sind eher große Heizkörper geeignet. Daher ist eine Fußbodenheizung optimal, denn sie kann die gesamte Bodenfläche zur Übertragung der Heizwär­me nutzen. Aber auch andere großflächige Plattenheizkörper können genutzt werden.“

Thermische Sanierungen

Der völlige Ausstieg aus Gas wird noch einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Thermische Sanierungen sind daher ein weiterer wichtiger Schritt. „Hier sind vor allem Bund und Land gefragt, denn gerade in Altbauten wohnen heute Pensionisten, die ihr Eigenheim mit eigener Hände Arbeit vor Jahrzehnten errichtet haben, als Wärmedämmung noch kein Thema war, und die heute die notwendigen Mittel dafür nicht aufbringen können.“

Auch die Stadt Bregenz ist gefordert im eigenen Bereich den Energiebdarf und die CO2-Emissionen zu reduzieren. Das städtische Bauamt hat eine lange Liste der notwendigen Maßnahmen erstellt. Von der Sanierung von stadteigenen Wohngebäuden über ein Biomasseheizwerk für den Rathausbezirk bis hin zu Photovoltaikanlagen auf städtischen Schulen reicht die Planung bis 2025. Fst