Offenheit für bunte Familienmodelle

Vorarlberg / 13.05.2022 • 20:29 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Guntram Bechtold und Katharina Fuchs bilden die neue und gleichzeitig verjüngte Spitze beim Vorarlberger Familienverband.vn/Mm
Guntram Bechtold und Katharina Fuchs bilden die neue und gleichzeitig verjüngte Spitze beim Vorarlberger Familienverband.vn/Mm

Familienverband arbeitet am Wandel seines einst konservativen Bildes.

Dornbirn Noch stärker als zuvor will der Vorarlberger Familienverband als Sprachrohr für Familien auftreten und dabei auch verstaubte Zöpfe ablegen. Obmann Guntram Bechtold und seine Stellvertreterin Katharina Fuchs sprechen sich zum morgigen „Tag der Familie“ deutlich für eine Anerkennung der verschiedenen Familienmodelle aus. Der Familienverband selbst zählt aktuell ca. 6100 Mitgliedsfamilien, 40 Ortsgruppen in 49 Gemeinden sowie 400 ehrenamtliche Helfer.

 

Braucht es den „Tag der Familie“ noch oder jetzt erst recht?

Bechtold Nach der Coronapandemie sehen wir, dass es Familie als Kern der Gesellschaft mehr denn je braucht.

 

Was hat die Pandemie mit Familien gemacht?

Bechtold Sie hat sich praktisch auf alle Familien massiv ausgewirkt. Wir sehen das auch in den Studien, die wir selbst durchführen und vom nationalen Verband bekommen. Wir sehen beispielsweise, dass in bestimmten Schichten vor allem das Thema Gewalt sehr relevant wurde und wir dort als Gesellschaft aktiv werden müssen.

 

Was kann der Familienverband zu einer Verbesserung der Situation beitragen?

Fuchs Wichtig sind konkrete Maßnahmen, etwa für besonders belastete Familienmodelle. Im vergangenen Jahr haben wir eine Alleinerziehenden-Plattform eingerichtet, die sehr gut angenommen wird. Außerdem setzen wir uns für das Thema „Rollen im Wandel“ ein. Auch hier sind wir mit einem neuen Projekt am Start, weil es den Diskurs dazu braucht. Er muss am Laufen bleiben. Wir müssen darüber reden, welche vielfältigen Familienmodelle es gibt, wie wir es schaffen, dass Familie attraktiv bleibt, wie sich Erwerbsarbeit und Familie besser vereinbaren lassen, wie Familie leistbar bleiben kann. Das sind die Zukunftsthemen.

 

Wie wird Familie denn leistbar?

Bechtold In den Ortsverbänden wird diesbezüglich durch eine intensive und gute Zusammenarbeit schon viel praktische Arbeit geleistet. Auf der anderen Seite muss die Politik bei den Förderungen ansetzen und diese indexieren. Speziell bei relevanten Leistungen ist das nicht der Fall. Andere Branchen werden hingegen stark gefördert.

Sehen Sie auch Defizite in der Kinderbetreuung?

Bechtold Ja, es wird zwar marketingmäßig viel gezeigt, in Wahrheit ist es aber so, dass gerade im ländlichen Gebiet die Angebote vielfach fehlen. Es gibt keine Wahlfreiheit.

Fuchs Das Hauptproblem ist, dass Familien immer noch Bittsteller sind. Wenn eine Familie davon abhängig ist, ob sie in ihrer Gemeinde ein Betreuungsangebot vorfindet, das quantitativ und qualitativ entspricht, ist das nicht mehr zeitgemäß. Es fehlt die Unterstützung für gemeindeübergreifende Angebote. Außerdem hätten wir uns im neuen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gewünscht. Muss eine Familie schon ein Jahr im Vorhinein sagen, was sie braucht, nimmt das viel Flexibilität.

 

Wie sieht die Mitgliederentwickung beim Familienverband aus?

Bechtold Wir haben im Moment rückläufige Mitgliederzahlen. Wir glauben aber, mit den neuen Akzenten eine Umkehr zu schaffen. Wir sehen jetzt schon positive Signale.

 

Was haben Sie als neuer Obmann für Pläne?

Bechtold Unser Fokus liegt ganz klar auf der Stärkung der Familien. Das geschieht primär dadurch, dass wir konkrete Angebote schaffen und vor Ort bei den Familien sind. Die Geschäftsstelle unterstützt, die Kraft soll aber in die Ortsgruppen gesteckt werden, damit die Maßnahmen bei den Familien ankommen. Gleichzeitig wollen wir auch die Digitalisierung vorantreiben.

 

Was würden Sie sich zum Tag der Familie wünschen?

Fuchs Ich würde mir Toleranz und Offenheit für bunte Familienmodelle wünschen sowie die Freiheit und Unterstützung, diese Buntheit leben zu können.

Bechtold Ich wünsche mir eine höhere Wertigkeit von Familie, die Erkenntnis, dass es Sinn macht, eine Familie zu gründen. Ich glaube, viele Menschen sind aufgrund der Entwicklungen verunsichert. Herausforderungen wie Klimakrise oder Fachkräftemangel schaffen wir aber nur, wenn auch wieder Familien nachkommen. VN-MM

Zur Person

Guntram Bechtold

Alter 39

Beruf selbständig mit „Stars Media“, Obmann des Familienverbandes

Familienstand verheiratet, 5 Kinder

Wohnort Dornbirn

 

Katharina Fuchs

Alter 40

Beruf Leiterin des Innovations-Managements bei Rhomberg Bau, stellvertretende Obfrau des Familienverbandes

Familienstand verheiratet, 2 Kinder

Wohnort Langenegg