Heimische Schulen erwarten noch mehr ukrainische Kinder

Vorarlberg / 19.05.2022 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Valeria Rosenberger leistet an der Musikmittelschule Götzis als gebürtige Ukrainerin wertvolle pädagogische Dienste.VN/STEURER
Valeria Rosenberger leistet an der Musikmittelschule Götzis als gebürtige Ukrainerin wertvolle pädagogische Dienste.VN/STEURER

Die meisten bleiben im Osten, auch in der Hoffnung, bald wieder nach Hause zurückzukehren.

BREGENZ An die 10.000 ukrainische Kinder sind aktuell an österreichischen Schulen untergebracht. Vergleichsweise wenige davon, nämlich „nur“ 260, an Vorarlberger Bildungsstätten. „Das hat damit zu tun, dass sich die geflüchteten Familien möglichst wenig weit von ihrer Heimat wegbewegen wollten. Um im Falle einer geänderten Sicherheitslage möglichst schnell nach Hause zurückkehren zu können“, hat Muastafa Can, bei der Bildungsdirektion Vorarlberg für Kinder und Jugendliche mit nichtdeutscher Muttersprache zuständig, eine mögliche Erklärung für diese Tatsache parat.

Von den 260 in Vorarlberg untergebrachten ukrainischen Schülern besuchen aktuell 240 eine Pflichtschule und nur 20 eine höhere Schule. Warum nur so wenige an Gymnasien und berufsbildenden höheren Schulen sind? „Weil die meisten von diesen noch an einem Onlineunterricht ihrer Stammschulen in der Ukraine teilnehmen“, weiß Can.

Zudem besteht nach der neunten Schulstufe bekanntlich keine Schulpflicht mehr. Hinzu komme, dass sich viele Jugendliche noch in einer traumatischen Situation befinden. Sie wissen nicht, wann und ob sie überhaupt wieder in die Ukraine zurückkehren können. Ob es sich aus ihrer Sicht überhaupt lohnt, sich auf ein Bildungsangebot im fremden Österreich zu hundert Prozent einzulassen.

System bewährt

Can versichert, dass man mit der derzeitigen Situation im System gut zurechtkommt. „Viele Kinder werden erst einmal in den Deutsch-Förderklassen gut integriert. Das System im Umgang mit Flüchtlingen hat sich zudem ja bereits während der Krise 2015 bewährt.“ In der Bildungsdirektion rechnet man mit noch mehr ukrainischen Kindern, man werde das bewältigen. Die jungen Flüchtlinge sind auch als Teilnehmer für die Sommerschule vorgesehen.

Deutschkenntnisse verbessern

Dort sollen sie vor allem ihre Deutschkenntnisse verbessern. Das vorliegende Angebot an psychologischer Begleitung und Betreuung stehe ihnen selbstverständlich auch vollständig zur Verfügung. Man arbeite zudem daran, den Kindern und Jugendlichen Freizeitaktivitäten verschiedenster Art zu ermöglichen. Das größte Problem für die BID bleiben die knappen personellen Ressourcen. „Seit 2015 ist die Zahl der Pensionierungen höher als die Zahl der neu eintretenden Pädagogen. Das spüren wir selbstverständlich“, merkt Mustafa Can an. Dringend gesucht werden weiterhin ukrainisch oder russisch sprechende Pädagogen. VN-HK

„Das System hat sich im Umgang mit Flüchtlingskindern bereits im Jahr 2015 bewährt.“