Peter Bußjäger

Kommentar

Peter Bußjäger

Windräder

Vorarlberg / 19.05.2022 • 18:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es gibt verschiedene Methoden in Österreich, Stadt und Land, Ost und West, Süd(osten) und den Rest gegeneinander auszuspielen. Zu den absurdesten Vorwürfen dürfte zählen, dass „der Westen“ zu wenige Windräder aufstellt und dadurch das Erreichen der Klimaziele gefährdet. Bei dieser Gelegenheit kann auch gleich wieder Länder- und Gemeinde-Bashing betrieben werden: Den Ländern wird vorgehalten, sie würden mit ihren Naturschutzgesetzen Windräder statt Seilbahnen verhindern. Wenn die Gemeinden in den Flächenwidmungsplänen keine Standorte für Windkraft ausweisen, wird dies als Indiz für ihre generelle Überforderung mit der Raumordnung herangezogen.

Erneuerbare Energien sind in Österreich unterschiedlich verteilt. Der Windkraft wird im Alpenraum nach derzeitigem Stand der Technik tendenziell geringere wirtschaftliche Bedeutung zukommen, bei schwerwiegender Belastung des Landschaftsbildes und nicht zu unterschätzenden ökologischen Problemen. Der Anteil der westlichen Bundesländer an der Wasserkraft, und damit auch die ökologische und landschaftsbildliche Belastung durch diese Anlagen, ist dagegen höher als in anderen Gebieten Österreichs. Man könnte auch diskutieren, in welchen Ländern der ältere, nicht sanierte und wenig klimaverträgliche Baubestand vorzufinden ist. Besser ist es jedoch, Förderungsmodelle zu entwickeln. Abwälzen von Verantwortung ist das Letzte, das ein effizienter Klimaschutz benötigt, und damit Energieverschwendung. Vielmehr sind auch hier evidenzbasierte Lösungen gefragt.

Gemeinden werden wohl nur dann Standorte für Windräder ausweisen, wenn sich eine deutliche Mehrheit ihrer Einwohner:innen dafür ausspricht. Ob in näherer Zukunft etwa auf dem Pfänder die erste Windkraftanlage Vorarlbergs entstehen wird, hängt auch davon ab, inwieweit Modelle der Bürger:innenbeteiligung funktionieren.

Vordringlich geht es darum, einen auf die Verhältnisse im jeweiligen Bundesland zugeschnittenen Weg zu verfolgen. Dabei wäre ein befruchtender Wettbewerb sinnvoller als gegenseitiges Ausspielen aus durchsichtigen politischen Motiven.

„Bei dieser Gelegenheit kann auch gleich wieder Länder- und Gemeinde-Bashing betrieben werden.“

Peter Bussjäger

peter.bussjaeger@vn.at

Peter Bußjäger ist Direktor des ­Instituts für Föderalismus und ­Universitätsprofessor in Innsbruck.