Anpfiff für den Landesrat

Vorarlberg / 20.05.2022 • 21:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Präsentation des Pipeline-Radwegs vor einer Woche: Zadra (l.) wieder ohne Helm, dafür aber mit Bürgermeister Ritsch und nur einem Rad.VLK/SERRA
Präsentation des Pipeline-Radwegs vor einer Woche: Zadra (l.) wieder ohne Helm, dafür aber mit Bürgermeister Ritsch und nur einem Rad.VLK/SERRA

Planlos Es lief am späten Donnerstagnachmittag als Eilmeldung in der Austria Presse Agentur: Das derzeit noch geltende Kopftuchverbot in den Kindergärten fällt. Einen Tag darauf konnten die Landeshauptleute in Bregenz somit die Einigung auf die neue Bund-Länder-Vereinbarung verkünden, die eine „Kindergarten-Milliarde“ bringen soll. Voraussetzung zur Einigung war nämlich das besagte Kopftuchverbot. Die Länder, darunter Vorarlberg, hatten sich ablehnend gezeigt. Immerhin hatte der Verfassungsgerichtshof bereits Ende 2020 das unter der ÖVP-FPÖ-Bundesregierung eingeführte Kopftuchverbot für Volksschülerinnen bereits aufgehoben. Es stelle sich die Frage, ob der VfGH bei elementarpädagogischen Einrichtungen zu einer anderen Erkenntnis kommen würde, hieß es aus dem Büro von Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (61, ÖVP). Am Donnerstag bestätigte das Bundeskanzleramt: In der neuen Bund-Länder-Vereinbarung werde das Kopftuchverbot nicht mehr enthalten sein. Einer Einigung stand also nichts mehr im Wege. Nur: Im Büro von Schöbi-Fink wusste man offenbar noch nichts von der aus Landessicht freudigen Nachricht. Dort hieß es auf VN-Nachfrage: Die Verhandlungen laufen noch.

 

Helmlos „Dieter, wir machen einen Termin aus und dann gehen wir shoppen“, wandte sich die Hohenemser Vizebürgermeisterin Patricia Tschallener (40, Grüne) in der jüngsten Stadtvertretungssitzung an Bürgermeister Dieter Egger (53, FPÖ). „Und dann kaufen wir dir einen Fahrradhelm“, kündigte die Grünenpolitikerin zum allgemeinen Amüsement der Anwesenden an. Zur Erinnerung: der Hohenemser Bürgermeister und Mobilitätslandesrad Daniel Zadra (37, Grüne) hatten kürzlich einen Fahrradweg in der Nibelungenstadt eingeweiht. Dabei waren beide zwar persönlich mit dem Rad, jedoch jeweils ohne schützende Kopfbedeckung unterwegs. Die nette Aufforderung zur Einkaufstour sei noch der sanfte Weg der Überzeugungsarbeit, versicherte Tschallener: „Landesrat Zadra hat schon einen ordentlichen Anpfiff bekommen.“ So grün das Ansinnen der Vizebürgermeisterin, so freiheitlich fiel die Antwort des Rathauschefs aus. Er habe bereits einen Helm, versicherte Dieter Egger, aber solange kein Gesetz ihm vorschreibe, einen zu tragen, so lange sei es seine persönliche Entscheidung. „Und ich halte nichts davon, für ein PR-Foto etwas zu tun, das ich im Alltag nicht tue“, schloss er.

 

Maskenlos Was für eine Sause das war, als für die Rankweiler einmal das große „Alles Walzer“ ausgerufen wurde. Die Marktgemeinde übernahm heuer die Patronanz des Balls der Vorarlberger in Wien. Wie es die Tradition verlangt, reiste Bürgermeisterin Katharina Wöß-Krall (45, ÖVP) mit Dutzenden Rankweilern in die Bundeshauptstadt. Dabei scheint sie kurzfristig auf eine Regelung vergessen zu haben: die Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein Foto – das in den sozialen Medien mittlerweile wieder offline genommen wurde – zeigt die Bürgermeisterin fidel mit zwei Ballbesucherinnen im Zug. Auch zu sehen: Ihr Mund und ihre Nase. Doch die Maske fehlte nicht durchgehend bei der Fahrt, wie die noch nicht gelöschten Fotos zeigen. Beim Jass im Zug handelte Wöß-Krall wieder regelkonform. Den Groll der „Freien Bürgerpartei“, die sich als patriotisch bezeichnet und die Regierenden gerne als Volksverräter brandmarkt, hat die Bürgermeisterin dennoch auf sich gezogen: Bundesparteiobmann Georg Palm (40) will jetzt Antworten. Der Göfner fragt unter anderem: „Gelten die Verordnungen des Gesundheitsministers nur für die Bevölkerung und schließen Funktionäre und Funktionärinnen der ÖVP aus?“