„Trefflicher Familienvater, tüchtiger Geschäftsmann“

Vorarlberg / 22.05.2022 • 17:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Josua Brettauer und Mathilde, geb. Bernheimer, undatiert. JMH/3
Josua Brettauer und Mathilde, geb. Bernheimer, undatiert. JMH/3

Zum Werdegang des Hohenemsers Josua Brettauer.

HOHENEMS Die Hochzeitssaison hat begonnen und so stellen auch die VN-Heimat Dornbirn und das Jüdische Museum Hohenems dieses Thema an den Beginn der heutigen Ausgabe der Biografienreihe. Diese undatierte Aufnahme zeigt die 1843 in Livorno geborene Mathilde Bernheimer mit Josua Brettauer, der am 30. Juni 1846 in Hohenems zur Welt kam. Das Foto, dessen künstlerische Inszenierung an die berühmte Balkonszene aus „Romeo und Julia“ erinnert, zeigt dabei den Facettenreichtum der Fotoateliers des 19. Jahrhunderts. Im Gegensatz zum Liebespaar aus Shakespeares Tragödie sollte den beiden jedoch mehr Glück beschieden sein.

80 Glückwunschtelegramme

Am 2. März 1879 trat Mathilde mit Josua in ihrer Geburtsstadt in der Toskana unter die Chuppa und damit in den Bund der Ehe. Dies nahmen viele Freunde und Verwandte der Familien zum Anlass, um dem Paar ihre Gratulationen als Telegramm zukommen zu lassen. So erreichten sie die Glückwünsche etwa aus Paris, Stuttgart, St. Gallen, Triest, Wien oder Manchester. Auch die Hohenemser Lesegesellschaft gratulierte ihrem „verehrten Vorstande und seiner werten Braut“ via Telegrafie zur Vermählung.

Die Wurzeln der Brautfamilie reichen bis zu Josle Levi zurück, der sich als einer der ersten Juden um 1632 in Hohenems angesiedelt hatte. Mathildes Vater Ludwig Bernheimer zog es schließlich 200 Jahre später nach Livorno. Der Ursprung der Familie Brettauer findet sich hingegen bei Ludwig Herz Lämle, Josuas Großvater, der erst 1773 nach Hohenems gekommen und als Handelsmann und Geldwechsler tätig war.

Söhne führten Firma fort

Nach ihm führten seine Söhne Emanuel und Jonas die Firma des verstorbenen Vaters unter dem Namen „Ludwig Brettauers sel. Erben“ fort. Bald erfolgte eine Spezialisierung im Bankwesen, worin ab 1875 auch Josua, der älteste von sechs Brüdern, seine Profession finden sollte. Sechs Jahre lang fungierte er als Prokurist, ehe er zusammen mit seinem Cousin Heinrich die Firma als offener Gesellschafter übernahm. Daneben kümmerte sich Josua Brettauer in den 1870er-Jahren auch gemeinsam mit Persönlichkeiten wie dem Oberlehrer Moritz Federmann oder dem Industriellen Ivan Rosenthal um die Belange des Alpenvereins. Ein Zeitungsaufruf für die Unterstützung zur Errichtung einer Unterkunftshütte am Hohen Freschen, für dessen Komitee er unterzeichnete, zeugt von seinem Engagement.

Bürgerrecht in Mogelsberg

In den 1880er-Jahren zog es die Familie aber zusehends über den Rhein. Zwar kamen zum Beginn des Jahrzehnts seine drei Kinder Alfred, Emil Marco und Alice Fanny noch in Hohenems zur Welt. Beruflich engagierte er sich jedoch bereits in St. Gallen, wo er bald zusammen mit seinem Bruder Hermann dem Bankhaus Brettauer & Co. vorstand. Privat dauerte es jedoch bis ins Jahr 1893, ehe der Familie in der Schweiz das Bürgerrecht verliehen wurde und damit die letzten Zelte in Hohenems abgebrochen werden konnten.

Früher Tod

Im Alter von 60 Jahren zog sich Josua Brettauer schließlich aus gesundheitlichen Gründen vom aktiven Geschäft als Gesellschafter der Bank zurück, wie die Neue Zürcher Zeitung Anfang 1908 vermeldete. Schon am Dienstag, den 27. April 1909 berichtete die Vorarlberger Landes-Zeitung, dass er tags zuvor einem Schlaganfall erlegen sei. Sie führte weiter aus, dass der „treffliche Familienvater und tüchtige Geschäftsmann“ den Sonntagabend noch gesund und munter mit seinem Bruder Ferdinand, dem damaligen Bregenzer Filialleiter der Bank für Tirol und Vorarlberg, verbracht habe und nun im St. Galler Krematorium feuerbestattet werden würde. RAE

Verleihung des Kantons- und Gemeindebürgerrechts von Mogelsberg, 1893.
Verleihung des Kantons- und Gemeindebürgerrechts von Mogelsberg, 1893.
Ein Telegramm aus Hohenems vom 2. März 1879 an den Brautvater Ludwig Bernheimer anlässlich der Hochzeit.
Ein Telegramm aus Hohenems vom
2. März 1879 an den Brautvater Ludwig Bernheimer anlässlich der Hochzeit.