Van der Bellen will einen sparsamen Wahlkampf

Vorarlberg / 23.05.2022 • 19:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Der amtierende Bundespräsident bestätigte seine Kandidatur. Er will „keine laute Politikshow“, lehnt aber TV-Diskussionen nicht ab.

Wien „Ich bewerbe mich erneut um das Amt des Bundespräsidenten der Republik Österreich.“ Mit diesen Worten verkündete Alexander Van der Bellen am Montag seine erneute Kandidatur. Er möchte auch in den kommenden sechs Jahren Österreich von ganzem Herzen dienen. Van der Bellen wolle einen kurzen, konzentrierten Wahlkampf, erklärte er bei seinem Statement am Montagvormittag in Wien. Es sei nicht die Zeit für „laute Politikshow“. TV-Konfrontationen mit anderen Anwärtern schloss der Präsident aber nicht per se aus: „Diskutieren tue ich ja gerne.“ Der technisch frühestmögliche Zeitpunkt für die Wahl wäre laut Innenministerium der 9. Oktober. Die Wahlkampfleitung übernimmt Martin Radjaby, früher bei den Grünen und auch im 2016er-Wahlkampf maßgeblich tätig. 

Der Vorarlberger Landeshauptmann fand auf VN-Nachfrage positive Worte: „Die Zusammenarbeit mit dem amtierenden Bundespräsidenten war aus Vorarlberger Sicht sehr positiv. Ich halte es deshalb für gut, dass Alexander Van der Bellen wieder kandidiert und dass es nun Klarheit in dieser Frage gibt. Meine persönliche Unterstützung hat er.“ Die Bundes-ÖVP wünschte Van der Bellen am Montag alles Gute für die Kandidatur, gab aber keine Wahlempfehlung ab. SPÖ und Neos wollen Van der Bellen ideell unterstützen. Die FPÖ ist die einzige im Parlament vertretene Partei, die einen Gegenkandidaten aufstellen will.

Wahlkampfbudget lukrieren

„Jeder Wahlkampf, sei er auch noch so konzentriert, kostet ein bisschen Geld“, sagt Van der Bellen, und daran werde gerade gearbeitet. Genaue Beträge, wie viel Budget notwendig sein wird, nannte er noch nicht. Aber eines war ihm wichtig zu betonen: Es werden keinerlei Ressourcen der Präsidentschaftskanzlei zu Wahlwerbungszwecken verwendet. Unterstützung komme von den Grünen, sagte der ehemalige Grünen-Klubobmann (1999 bis 2008), der nun parteiunabhängig agiert. Schon 2016 hat er einen großen Teil seines Wahlbudgets aus Spenden lukriert – darunter auch Großspender wie der Bauindustrielle Hans Peter Haselsteiner und das Unternehmen SLE Schuh, die jeweils 150.000 Euro beisteuerten. Der Großteil der Mittel kam mit 4,8 Millionen Euro von den Grünen. Über Spendeneinnahmen kamen knapp über drei Millionen Euro zusammen. Rund 1,9 Millionen Euro lukrierte Van der Bellen durch mehr als 20.000 kleinere Spenden bis 2500 Euro. Die letzte „Wahlschlacht“ zog sich übrigens – inklusive der aufgehobenen Stichwahl und der Wahlwiederholung – fast über ein ganzes Jahr. Entsprechend hoch waren die Kosten mit acht Millionen Euro für Hofer und 7,9 Millionen für den schließlich siegreichen Kandidaten.

„Junger Hupfer“

Van der Bellen zog in seinem Statement Resümee über die vergangenen, turbulenten Jahre: „Es war schon länger klar, dass wir als Gesellschaft in einer Zeitenwende angekommen sind.“ Ibiza belaste das Land noch immer. Die Pandemie habe einen „Riss quer durch das Land, durch Freundschaften und Familien gegraben“. Auch der Ukrainekrieg betreffe „uns alle, ob wir das wollen oder nicht“. Denn Lebenserhaltungskosten steigen. „Die ökonomischen Opfer, die wir bringen müssen, sind der Preis für Freiheit und Demokratie“, sagt er und ergänzt: „Wir werden unsere Wirtschaft auf solide Beine stellen. Unabhängig von Tyrannen, die am Gashahn oder am Bohrloch sitzen.“

Natürlich habe er überlegt, ob ihn das Amt ein „zweites Mal braucht“, erläutert der 78-Jährige. Ja, denn seine Stärken seien Erfahrung, Ruhe und Unabhängigkeit. Er fühle sich dem Amt heute mehr gewachsen als vor fünf Jahren, als er vergleichsweise „ein junger Hupfer war“. Wichtig sei ihm, dass der Planet für die Kinder lebenswert bleibt, und er wünscht sich eine Welt für Mädchen, in der „Gleichberechtigung selbstverständlich ist“. VN-JUS

„Ich fühle mich heute besser gerüstet als vor fünf Jahren, als ich vergleichsweise ein junger Hupfer war.“