An Betriebszeiten wird nicht gerüttelt

Vorarlberg / 24.05.2022 • 20:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rheindelta-Gemeinden durchkreuzen Pläne für ein Ausdehnen der Flugzeiten am Flughafen Altenrhein. Alles soll bleiben, wie es ist.
Rheindelta-Gemeinden durchkreuzen Pläne für ein Ausdehnen der Flugzeiten am Flughafen Altenrhein. Alles soll bleiben, wie es ist.

Rheindelta-Gemeinden pochen auf bestehenden Staatsvertrag.

Gaißau Der Blick nach oben verspricht nichts Gutes. Wieder schwebt ein Hubschrauber mit lautem Geknatter über Wohngebiet in Gaißau. Überhaupt ist derzeit Hochbetrieb am Himmel. Das Weltwirtschaftsforum in Davos lässt in den Gärten der Wohnhäuser in den Rheindelta-Gemeinden niemand zur Ruhe kommen. Auch Walter Lutz nicht. Der 73-Jährige kämpft seit über 30 Jahren gegen den Fluglärm. „In den letzten Monaten hat sich die Situation weiter verschlechtert“, sagt der langjährige Manager. Es würden deutlich mehr Flieger und Hubschrauber direkt über Wohngebiet den Flughafen ansteuern. Der Helikopterlärm sei besonders störend. „Da versteht man sein eigenes Wort nicht mehr“, sagt Lutz. Gespräche seien dann nicht mehr möglich.

Mit Sorge wurden in Gaißau die Pläne für eine deutliche Ausdehnung der Flugzeiten am Flughafen Altenrhein verfolgt. Sie sahen unter anderem vor, dass die Flugpause über Mittag und das Flugverbot an Feiertagen aufgehoben werden sollte. Weiters war geplant, die Flugzeiten am Abend täglich bis 22 Uhr und im Notfall bis 23 Uhr auszuweiten. Das Vorhaben rief Kritiker auf den Plan. Von einem „Schreckensszenarium für die gesamte Bodenseeregion“, sprach etwa die Aktion gegen Fluglärm (AgF).

Weniger Hubschrauberverkehr

Bereits am 11. März trafen sich Behördenvertreter aus der Schweiz und Österreich. Wichtigstes Thema auf der Agenda: Den Flugverkehr am Airport Altenrhein deutlich ausbauen. Gleichzeitig wurden Überlegungen laut, wie der Hubschrauberverkehr am Himmel über der Region reduziert werden könnte. Geplant wäre ein Rückgang von 5000 um die Hälfte auf 2500 Flüge jährlich gewesen. Kritiker sahen darin nur ein Zuckerl, das nichts an der grundlegenden Verschlechterung der Lärmsituation ändern würde.

So sehen es auch die betroffenen Rheindelta-Gemeinden, die sich festgelegt haben. Am bestehenden Staatsvertrag wird demnach nicht gerüttelt, wie die VN exklusiv in Erfahrung gebracht haben. „Wir hätten einer Veränderung nur zugestimmt, wenn wesentliche Verbesserungen zu erwarten gewesen wären“, sagt der Gaißauer Bürgermeister Reinhold Eberle. Jetzt würden noch letzte Abstimmungen stattfinden. Mitte Juni wollen die Gemeinen bei einem Termin im Landhaus offiziell über ihre Entscheidung informieren. „Der Staatsvertrag schützt uns in einem gewissen Rahmen. Es bleibt damit grundsätzlich, wie es ist“, so Eberle, der von einer klaren Willensbildung spricht, keine Veränderung zuzulassen.

Mehr Flugbewegungen am Himmel

Die Flugbewegungen über Vorarlberg haben insgesamt wieder zugenommen. Die Zahlen nähern sich an jene der frühen 2010er-Jahre. „Noch ist das Vorkrisenniveau aber nicht erreicht“, so Peter Drexel vom Landesvermessungsamt, das die Flugbewegungen überwacht. In der Spitze bis zu 350 Überflüge täglich waren es 2021, drei Jahre davor lag die Zahl bei 450. Eine Prognose, wie es weitergehe, sei auch wegen Überflugverboten durch den Ukraine-Krieg nicht möglich.

Klar ist, dass es in Gaißau laut bleibt, aber es zumindest keine Ausdehnung der Flugzeiten gibt. Staatsvertrag und Lärmkorsett müssten akribisch überprüft werden. „Gegen die Lärmbelastung durch die teils alten und lauten Hubschrauber muss aber unabhängig davon etwas unternommen werden“, fordert Anrainer Walter Lutz.

„Eine Ausdehnen der Flugzeiten wie geplant wäre nicht hinnehmbar gewesen.“

Bgm. Reinhold Eberle: Staatsvertrag bleibt unangetastet.VN
Bgm. Reinhold Eberle: Staatsvertrag bleibt unangetastet.VN