Gericht: Was ein Einbrecher für 2,30 Euro Beute ausfasste

Vorarlberg / 24.05.2022 • 18:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht: Was ein Einbrecher für 2,30 Euro Beute ausfasste
Der Angeklagte bekannte sich teilschuldig, wurde jedoch im Sinne der Anklage verurteilt. Eckert

17-jähriger Arbeiter plünderte und beschädigte Zeitungskasse in Feldkirch.

Feldkirch „Ich bekenne mich teilschuldig, ich habe zugesehen, aber gemacht habe ich nichts“, sagt der 17-jährige Angeklagte bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. Es geht um einen Einbruchsdiebstahl in eine Zeitungskasse im Mai vergangenen Jahres an der Feldkircher Bärenkreuzung.

Drei bis vier Jugendliche scharten sich um den Zeitungsständer, abwechselnd schlugen sie auf den Münzbehälter ein. Als dieser sich nicht öffnen ließ, hielten sie ein Feuerzeug darunter und schmorten die Einrichtung an. „Es hat ziemlich gestunken“, erinnert sich ein Zeuge. Schlussendlich klimperten die Münzen im Gesamtwert von 2,30 Euro auf den Asphalt. Der angeklagte Feldkircher nahm sie auf und steckte sie in den Hosensack. Jedenfalls schildert der Strafantrag den Sachverhalt so und auch ein Zeuge bestätigt diese Version. Das Geld brauchte der Angeklagte offenbar für seine Busfahrt nach Hause. Die herbeigerufene Polizei stellte bei dem Angeklagten die 2,30 Euro in der Hosentasche sicher.

Vorwurf bestritten

„Nur weil man 2,30 Euro im Sack hat, besteht noch lange kein Tatverdacht. Bitte, das habe ich auch dabei“, verteidigt Thomas Raneburger seinen Mandanten. Letzterer bestreitet nämlich beharrlich, selbst etwas zu dem vorgeworfenen Einbruchsdiebstahl beigetragen zu haben. Er habe lediglich dagestanden und zugeschaut, gemacht habe er nichts.

Warum er weggerannt sei, will die Richterin wissen. „Weil ich erstens meinen Bus nicht verpassen und zweitens keine Probleme mit der Polizei wollte“, gibt der bislang Unbescholtene an. Einer der Jugendlichen, ein 15-jähriger Schüler belastet den Angeklagten allerdings schwer. Neben ihm selbst, so der Zeuge, habe auch der Beschuldigte auf die Kasse eingeschlagen, sei beim Anschmoren mit dabei gewesen und habe die Münzen vom Boden aufgenommen, so seine Aussage.

Einbruchsdiebstahl

Dass ein Diebstahl von 2,3 Euro überhaupt vor dem Landesgericht landet, ist dem Umstand zu verdanken, dass der Jugendliche dabei rechtlich einen Einbruchsdiebstahl begangen hat. Das Aufbrechen der Kasse gilt wie ein Einbruch in ein Gebäude. Nach einstündiger Verhandlung bleibt der Angeklagte dabei: „Ich habe die Kasse nicht angerührt.“ Die Richterin sieht das allerdings anders und verurteilt ihn wegen Einbruchsdiebstahl zu 1400 Euro Geldstrafe. Die Hälfte davon wird auf Bewährung ausgesprochen, die Hälfte muss der junge Mann bezahlen. Er bekommt eine Ratenzahlung genehmigt und akzeptiert die Entscheidung.