Welche Bäckerei nach fast 200 Jahren den Betrieb eingestellt hat

Heimat / 24.05.2022 • 15:50 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Thomas und Hermann Fetz füllen symbolisch mit Mitarbeiter Walter Metzler den letzten Brotkorb.
Thomas und Hermann Fetz füllen symbolisch mit Mitarbeiter Walter Metzler den letzten Brotkorb.

Ein Stück Tradition geht verloren.

Schwarzenberg „Der vertraute Duft des backfrischen Brotes, den jeder in die Nase bekam, wenn er bei der Bäckerei Fetz vorbeikam, wird uns fehlen“, bedauert Bürgermeister Seftone Schmid, als er sich zum letzten Mal zur Bäckerei aufmacht.

Mehr Kunden als sonst drängen sich im kleinen Verkaufsraum, verweilen kurz für einen Kaffee oder ein Glas Sekt, denn es gilt Abschied von einem Stück Tradition zu nehmen: Die Familie Fetz, deren Bäckereitradition fast 200 Jahre zurückreicht, schließt ihr Geschäft im Zentrum von Schwarzenberg.

Es geht um mehr als nur Brot

Für den Gemeindechef ein trauriger Tag, denn „es geht dabei um mehr als nur Brot“. Die Bäckerei sei ein Teil der Identität und Tradition der Gemeinde, so wie die besondere Atmosphäre des Dorfplatzes mit dem Hirschen, dem Adler, dem Ochsen, der Pfarrkirche, dem Heimatmuseum, Alptag & Markt oder der Schubertiade. Besonders bedauerlich findet Schmid dem Umstand, „dass Schwarzenberg bis weit ins 20. Jahrhundert eine richtige Hochburg des Bäckerhandwerks war, und jetzt gibt es gar nichts mehr.“ Im Gespräch mit der VN-Heimat listet er eine ganze Reihe von Bäckern auf, die früher in Schwarzenberg tätig waren: 1824 wurde erstmals eine Bäckerei im Gasthaus Ochsen schriftlich erwähnt. Erst 1960 wird der Betrieb geschlossen.

Letzter Hock im Bäckerei-Lädele: Carmen Hopfner, Vizebgm. Herbert Greber, Bgm. Seftone Schmid, Maria und Hermann Fetz, Soja Hämmerle, Conny Reischl-Fetz und Annemarie Fetz.
Letzter Hock im Bäckerei-Lädele: Carmen Hopfner, Vizebgm. Herbert Greber, Bgm. Seftone Schmid, Maria und Hermann Fetz, Soja Hämmerle, Conny Reischl-Fetz und Annemarie Fetz.

Vor mehr als 150 Jahren gab es auch im Gasthaus Taube eine Bäckerei. Das Haus hat eine bewegte Geschichte mit mehreren Besitzerwechseln samt Konkurs, die Bäckerei bestand jedoch bis 1970. Im Haus Hof 20 hat Johann Michael Feurstein 1882 das Bäckergewerbe angemeldet, die Bäckerei wurde bis 1950 betrieben.
Eine weitere Schwarzenberger Bäckerei war einige Jahre (bis 1917) im Haus Hof 451 in Betrieb. In der Chronik wird auch die Boschomühle (samt Bäckerei) und die Hohe Mühle im Dorn erwähnt. Hier wird Josef Schmid schon 1780 als Bäcker genannt. Sein Nachfolger, der Mühle und Bäckerei erworben hat, hat die Bäckerei bis 1897 betrieben. Eine Bäckerei gab es auch im Gasthaus Sonne, wo in der Chronik des Handwerkervereins 1871 erstmals eine Bäckerei erwähnt wird. Wie lange diese in Betrieb war, ist nicht überliefert. Überliefert und im Protokollbuch des Handwerkervereins ist jedoch, dass es zwischen 1807 und 1960 52 eingetragene Bäcker gab. Einer davon war Johann Fetz, der 1836 die „Bäckerei-Fetz-Dynastie“ begründete. In diesem Jahr wird er als Müller und Bäcker genannt. Sein Sohn Franz Josef führte die Bäckerei weiter und übergab sie seinem Sohn Bartle, der 1926 vom Löchle an den heutigen Standort im Zentrum, Haus Nummer 482 übersiedelte.

Lothar Fetz führte mit Zwillingsbruder Hermann die Bäckerei in Schwarzenberg, ehe er ausschied, das Mesnerstüble einrichtete und seine Skischule gründete.
Lothar Fetz führte mit Zwillingsbruder Hermann die Bäckerei in Schwarzenberg, ehe er ausschied, das Mesnerstüble einrichtete und seine Skischule gründete.

Nach dem frühen Tod von Bartle Fetz (1942) führte seine Gattin Anna den Betrieb mit einem Geschäftsführer bis 1963 weiter. Dann waren die Zwillinge Hermann und Lothar so weit, dass sie den Betrieb übernehmen konnten. Hermann war 1959 nach erfolgreich bestandener Meisterprüfung jüngster Bäckermeister Vorarlbergs. Wenig später erwarb auch sein Bruder Lothar den Meisterbrief und bis 1970 führten die beiden gemeinsam den Betrieb, ehe Lothar ausschied, die Skischule Schwarzenberg gründete und das Mesnerstüble einrichtete.
Die Schließung der Bäckerei hat sich seit einiger Zeit abgezeichnet, denn Thomas Fetz, der seit 1997 den Betrieb in fünfter Generation führte, konnte sich auf die Unterstützung seiner Eltern, die ihm hilfreich zur Seite standen, verlassen und dank dieser wertvollen Mitarbeit auch Personalkosten einsparen. Mit Beginn der Coronakrise hat sich Maria Fetz jedoch aus dem Verkaufsladen zurückgezogen und auch Hermann Fetz, inzwischen 83-jährig, findet es hoch an der Zeit, „richtig“ in Pension zu gehen.

Kleiner Hoffnungsschimmer

Nicht der einzige Grund für den Entschluss zur Schließung des Betriebs. Beigetragen dazu hat auch das Scheitern der Bemühungen um die Einrichtung eines neuen Standbeins, denn Thomas Fetz wollte umbauen und ein kleines Café einrichten. Wie es weitergeht? Thomas Fetz, gelernter Bäcker und Konditor will es, wie er gegenüber der VN-Heimat betont, in aller Ruhe angehen und nichts überstürzen. Er habe bereits einige Angebot, so der seit ein paar Wochen 50-Jährige. Angebote, und darin sieht Bürgermeister Schmid einen kleinen Hoffnungsschimmer, gebe es auch bezüglich einer Übernahme der Bäckerei. Auch hier sieht Fetz keine Eile, er werde auch diese Angebote sorgfältig prüfen und vielleicht findet sich ein Pächter, der den Betrieb weiterführt. STP