Warum in Vorarlberg viele Bademeister abgetaucht sind

Vorarlberg / 27.05.2022 • 11:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Markus Ortler kümmert sich im Rheinauen unter anderem um die Technik. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Markus Ortler kümmert sich im Rheinauen unter anderem um die Technik. VN/Paulitsch

Personalmangel am Beckenrand.

Schwarzach Sie sind Lebensretter, Techniker, Handwerker und kennen sich mit Chemie und Physik aus: Die Rede ist von den Bademeistern und ihren Gehilfen, ohne die in den Freibädern gar nichts läuft.

“Das ist echt ein toller Job, wenn man flexibel ist”, sagt Oliver Tschabrun. Der Chef im Walgaubad Nenzing kam vor Jahren nach Handelsschulabschluss als Quereinsteiger in die Branche. Diese Woche stehen für ihn und sein Team bei Regenwetter unter anderem Reparaturarbeiten auf dem Programm. “Die Arbeit im Freibad ist sehr abwechslungsreich”, sagt Tschabrun.

Bademeister Markus Ladinek nutzt die Regenpause, um Bistrotische zu reparieren. <span class="copyright">Walgaubad</span>
Bademeister Markus Ladinek nutzt die Regenpause, um Bistrotische zu reparieren. Walgaubad

Trotz allem wird es für die Branche aber immer schwieriger, Nachwuchs bzw. Personal zu finden. Fällt ein Bademeister aus, muss sogar improvisiert werden. So wie in Feldkirch, wo einer der Bademeister verletzungsbedingt mehrere Wochen lang aussetzen muss. “Jetzt übernehme ich den Job”, sagt Waldbad-Bademeister und Betriebsleiter Wolfgang Melk und fügt hinzu: “Sonst sind wir aber gut aufgestellt.”

In Feldkirch sorgen unter anderem Lupo und Pascal für Ordnung. <span class="copyright">Freizeitbetriebe Feldkirch</span>
In Feldkirch sorgen unter anderem Lupo und Pascal für Ordnung. Freizeitbetriebe Feldkirch

Den Beckenrand permanent zu besetzen, war heuer auch in Bregenz kein einfaches Thema. “Wir hatten lange kein Problem. Heuer war die Suche aber sehr schwierig”, sagt Alexander Fritz von den Stadtwerken Bregenz und fügt hinzu: “Wir hatten Glück, dass wir Leute gefunden haben, die den Job nebenberuflich machen.” Die Gründe für den Personalmangel sieht der Bäderbetriebsleiter vor allem in der Saisonarbeit und der Entlohnung. “Viele sind in die Privatwirtschaft gewechselt.”

Das ist ein Job mit großer Verantwortung. Leider wird das aber zu wenig wertgeschätzt.

Markus Steurer, Bademeister Hittisau

Auch Markus Steurer vom Freibad Hittisau beobachtet die angespannte Lage schon länger. “Das ist ein Job mit großer Verantwortung. Leider wird das aber zu wenig wertgeschätzt”, sagt er und fügt hinzu: “Ich habe das Glück, eine Ganzjahresstelle zu haben, bei der ich auch in anderen Bereichen mitarbeite. In anderen Gemeinden werden die Bademeister aber nur für die Saison angestellt”, berichtet der Bregenzerwälder.

Auch Rasenmähen gehört zum Job eines Bademeisters.
Auch Rasenmähen gehört zum Job eines Bademeisters.

Dass die meisten lieber eine Ganzjahresstelle hätten, kann auch Vorarlbergs Bädersprecher Ewald Petritsch bestätigen. Daher sei es für die Freibadbetreiber neben den Bademeisternachwuchssorgen oft auch schwierig, Kassamitarbeiter zu finden. Auch die Pandemie hat die Situation zudem verschärft, wie Petritsch erklärt: “Die Bademeister bekommen an Wochenenden und Feiertagen Unterstützung von den Wasserrettern. Wegen Corona gab es aber kein Training und keine Prüfungen. Deshalb mangelt es auch hier an Unterstützung.”

Ewald Petritsch ist für die Bäderpersonalausbildung im Land zuständig.
Ewald Petritsch ist für die Bäderpersonalausbildung im Land zuständig.

Petritsch ist für die Bäderpersonalausbildung im Land verantwortlich. Auf dem Lehrplan des 40-stündigen Wifi-Lehrgangs stehen unter anderem Wassertechnik und Kommunikation. Zudem müssen Bademeister einen 16-stündigen Erste-Hilfe-Kurs und den Helferschein bei der Wasserrettung absolvieren. Den letzten Lehrgang haben immerhin 20 Frauen und Männer abgeschlossen. Mit flexibleren Arbeitszeitmodellen versuchen speziell auch die großen Bäderbetriebe nun das Personal zu halten.

freibäder in zahlen

33 Freibäder und 3 Hallenbäder gibt es in Vorarlberg

2000 Euro netto verdienen Vorarlbergs Bademeister im Durchschnitt.

20 Frauen und Männer haben die letzte Bäderpersonalausbildung im Land abgeschlossen

700 Euro kostet die 40-stündige Bäderpersonalausbildung, die in der Regel die Bäder übernehmen

100 Meter Schwimmen in Überkleidern und 15 Meter Streckentauchen sind unter anderem beim Helferschein gefordert