Warum der “Fleck” bei der Matura aus der Mode gekommen ist

Vorarlberg / 27.05.2022 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die schriftlichen Reifeprüfungen sind für heuer bereits Geschichte. Die Bilanz dürfte sehr zufriedenstellend sein.  <span class="copyright">Symbolfoto/Paulitsch</span>
Die schriftlichen Reifeprüfungen sind für heuer bereits Geschichte. Die Bilanz dürfte sehr zufriedenstellend sein. Symbolfoto/Paulitsch

Es zeichnet sich ein erfreuliches Ergebnis bei den schriftlichen Reifeprüfungen ab. Ausnahmen gibt es.

Bregenz, Dornbirn, Lustenau Reinhard Sepp (59), Direktor am BRG/BORG Schoren hat dieser Tage leicht lächeln. “Die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen sind wirklich gut. Eigentlich die besten, seit es die Zentralmatura gibt.” Der Schulleiter wird konkret. “Von 100 Maturanten hatten nur acht in Mathematik ein Nicht genügend, in Deutsch zwei. Im Fach Englisch gab es bei 90 Kandidatinnen und Kandidaten gar nur ein negatives Ergebnis.”

Am Schoren wird die Zentralmatura schon seit 2009 durchgeführt. Damals noch als Schulversuch. Seit 2015 sind die zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen bei der schriftlichen Matura Regelwerk.

Problemfach Deutsch an BHS

Während an den AHS die Ergebnisse noch vor den Kompensationsprüfungen am 1./2. Juni sehr erfreulich ausfallen dürften, offizielle Zahlen gibt es erst Anfang Juni, zeichnet sich an den berufsbildenden höheren Schulen ein differenziertes Bild ab. Besonders Deutsch ist an bestimmten Bildungsstätten in diesem Schultyp ein Problemfach geworden. So räumt Johannes Scheffknecht, Direktor der HAK Lustenau ein, dass die Ergebnisse in Deutsch heuer schlechter sind als in den Jahren zuvor. Natürlich spielt dabei auch der nicht geringe Anteil von migrantischen Schülern eine Rolle. “Aber auch die strengere Form des Korrigierens bei uns im Vergleich zu anderen Bundesländern ist ein Grund für die schlechteren Resultate”, ist Scheffknecht überzeugt. So wie es zentrale Aufgabenstellungen gibt, würde sich der Lustenauer HAK-Direktor auch eine zentrale Korrektur der Maturaarbeiten wünschen.

Bei uns wird strenger korrigiert als in anderen Bundesländer. Auch die Korrektur sollte zentral vorgenommen werden.”

Johannes Scheffknecht, Direktor HAK Lustenau

Top in Französisch und Spanisch

Zufriedenheit mit den Ergebnissen gibt es an der HLW Marienberg, eine berufsbildende höhere Schule, die zum humanberuflichen Zweig gehört. “Die Resultate sind in allen Bereichen gut”, meldet Direktor Erwin Simma. Von außergewöhnlich guten Leistungen spricht der Schulleiter insbesondere in den zweiten Fremdsprachenfächern Französisch und Spanisch. Es hatten heuer überdurchschnittliche viele Schülerinnen diese Gegenstände gewählt, fügt Simma an. Insgesamt habe es nur vereinzelt Nicht genügend gegeben.

Ab 3. Juni mündliche Prüfungen

Der pädagogische Leiter der Bildungsdirektion Vorarlberg, Andreas Kappaurer, ordnet die bei der Matura gezeigten Leistungen insgesamt ebenfalls der Kategorie “Erfreulich” zu. ” Allerdings habe sich Deutsch als Problemfach an bestimmten Schulen im BHS-Bereich verfestigt. “Das müssen wir leider so sehen”, räumt Kappaurer ein. Vor allem an den Handelsakademien tun sich offensichtlich mehrere Kandidatinnen und Kandidaten mit Deutsch schwer.

Für alle “Fleck”-Schreiber besteht jedoch noch die Möglichkeit, in den Kompensationsprüfungen ihr Missgeschick zu bereinigen. Ab dem 3. Juni geht es dann mit der mündlichen Matura los. Die Termine sind im Land auf drei Wochen verteilt.