Mit Bauernschläue Hütebubdieb entlarvt

Vorarlberg / 29.05.2022 • 21:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Er hat ihn wieder: Landwirt Julius Tschann mit seinem gestohlenen Hütebub nach der Verhandlung im Bezirksgericht Bludenz. vn/gs
Er hat ihn wieder: Landwirt Julius Tschann mit seinem gestohlenen Hütebub nach der Verhandlung im Bezirksgericht Bludenz. vn/gs

Wie Landwirt Julius Tschann (61) wieder zu seinem gestohlenen Weidezaungerät kam.

Bludenz Die Polizei informierte Julius Tschann telefonisch: „Ihre Rinderherde streunt auf der Bundesstraße umher.“ Der Oberländer Landwirt war erschüttert. Wie das? „Zwei Stunden waren wir damit beschäftigt, das ausgebüxte Vieh einzufangen“, erinnert sich der 61-Jährige später. „Nicht auszudenken, wie hoch die Unfallgefahr durch Kühe auf der Straße ist“, ergänzt er.

Die Ursache für das Malheur war rasch gefunden. Der Zaun seiner Weide war stromlos. Jemand hatte den Hütebub entfernt. Oder vielmehr gestohlen, tippte Tschann von Beginn an richtig.

Peilsender im Gerät

Denn es war nicht das erste Mal, dass sich ein dreister Langfinger an einem seiner Weidezaungeräte vergriffen hatte. „Vor fünf Jahren hat mir schon mal einer einen Hütebuben geklaut“, sagt der Bauer, der einen gewissen Verdacht hegte und sogleich seine sprichwörtliche Schläue bewies: „Doch vor dem letzten Mal habe ich einen Peilsender im Hütebub versteckt.“ Der Sender wurde jedoch vom Dieb entdeckt und zwischen zwei Steine gelegt.

Doch seine Entsorgung dieses möglichen Beweismittels erwies sich für ihn bereits als zu spät, denn: „Wir haben den Sender ausfindig gemacht und ich wertete die in ihm gespeicherten Daten aus“, erzählt Tschann. Höchst Interessantes trat da zutage.

Die Daten schlüsselten auf, welche Reisestationen der Hütebub in Diebeshand absolvierte. Und siehe da: Letzte Station war der Stall eines ortsansässigen, 68-jährigen Landwirtes.

Polizei zu Besuch

Nach Tschanns Anzeige bei der Polizei ordnete die Staatsanwaltschaft eine Hausdurchsuchung beim betreffenden Landwirt an. „Die Polizei kam. Fünf Mann hoch. Und sie fand meinen Hütebub“, freut sich der Geschädigte noch heute. Doch der Beschuldigte bestritt den Diebstahl vehement.

Ein Fall für das Bezirksgericht

So auch am Bezirksgericht Bludenz, als Richter Alexander Frick den Angeklagten mit dem Vorwurf konfrontiert, er habe insgesamt zwei Weidezaungeräte gestohlen.

„Das ist schon mal nicht richtig“, antwortet der Beschuldigte und: „Ich habe beide Hütebuben gekauft, aber leider keine Rechnungen mehr als Nachweis.“ Doch die Fakten, die für einen Diebstahl sprechen, wiegen schwer. Zu schwer für Richter Frick, der dem Beschuldigten das Angebot eines außergerichtlichen Tatausgleichs (Diversion) unterbreitet: „Wenn Sie 280 Euro Bußgeld und zusätzlich pauschale Kosten von 120 Euro bezahlen, ist die Sache ohne Verurteilung vom Tisch.“

Der Angeklagte reagiert entsetzt: „Ich soll mir die Freiheit erkaufen?“ Dann aber ringt er sich schließlich doch dazu durch, das Angebot anzunehmen. „Nur damit endlich Ruhe ist!“, betont er.

„Rindviecher vergiftet“

Überhaupt sei es schon seltsam, was ihm ständig widerfahre, ergänzt der 68-Jährige: „Vor drei Wochen streunte ein Pakistani in meinem Stall herum. Ein anderes Mal hat jemand zehn meiner Rindviecher vergiftet.“ Schlussendlich entschuldigt er sich vor Gericht bei Tschann, der das wie folgt quittiert: „Das kommt aber etwas spät, nicht wahr . . .?“