Gericht: 30 Monate Haftstrafe nach Ehe-Martyrium

Vorarlberg / 02.06.2022 • 19:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht: 30 Monate Haftstrafe nach Ehe-Martyrium
Die Vorwürfe gegen den angeklagten Mann wiegen schwer. eckert

Machete, Messer, Gürtel: 49-jähriger Ehemann ließ bei seinen Übergriffen nichts aus.

feldkirch „Ich bin ein sehr guter Mensch“, beginnt der Angeklagte in beinahe perfektem Deutsch seine Ausführungen. Er schildert, wie er die Frau einst in einem Table-Dance-Lokal kennen und lieben lernte, wie er ihr jeden Wunsch von den Augen ablas und ihr finanziell alles ermöglichen wollte. „Ich liebe sie immer noch, sie ist für mich eine Prinzessin“, gibt der Mann an, die ganze Sache nicht zu verstehen. Vermutlich wolle die Frau, die ihm die Scheidung ankündigte, zurück in ihre Heimat und dort von seinen Unterhaltszahlungen ein bequemes Leben führen. Die beiden haben zwei gemeinsame Kinder, die Frau ein Kind aus früherer Ehe und der Angeklagte hat insgesamt sechs Kinder.

Lange Liste

Die Vorwürfe seien schrecklich und allesamt unwahr, niemals habe er seine Frau oder deren Tochter bedroht oder geschlagen, sagt er.  Staatsanwältin Julia Berchtold hingegen hat eine lange Liste von brutalen Drohungen und Übergriffen. Die werden von der Ehefrau und deren Tochter behauptet, vom Beschuldigten abgestritten. Beleidigungen, ja, aber sonst nichts, gibt er zu Protokoll. Einmal soll er der Frau eine Schreckschusspistole an die Kehle gehalten und gedroht haben: „Willst Du lieber sterben oder leben?“ Ein andermal soll er sie im Würgegriff hochgehalten und gedroht haben, sie über den Balkon zu werfen. Mehrmals wöchentlich ein Küchenmesser vorgehalten, Erschießen angekündigt und andere Druckmittel habe er eingesetzt, so die Ehefrau.

Tochter als Opfer

Auch die in die Ehe mitgebrachte Tochter, einen Teenager, habe der Mann gepeinigt, ihr eine Machete an den Hals gehalten, sie mit Ledergürtel gewürgt, mit Hammer bedroht, an den Haaren gerissen und nachgefragt, ob sie denn sterben wolle, so die Vorwürfe. „Das ist doch krank“, dementiert der Beschuldigte. Er scheint angesichts der Vorwürfe perplex. Er habe im vergangenen Jahr immer mehr Bier getrunken, aber die Vorwürfe seien falsch. Mutter und Tochter werden vernommen. Nach einem mehrstündigen Verfahren ist für Richter Martin Mitteregger klar, dass die detaillierten Angaben der Zeuginnen nicht abgesprochen sein können. Der Ehemann wollte die totale Kontrolle, verbot der Stieftochter Schulausflüge und Wienwoche, als mildernd wurde bei der Strafbemessung  die bisherige Unbescholtenheit gewertet. Gegen die Strafe, 30 Monate Haft unbedingt und je 2000 Euro Schmerzengeld für die zwei Opfer, erhebt der Mann Rechtsmittel. Opferanwältin Eva Müller ist mit dem Ausgang zufrieden und auch die Anklagebehörde hat keine Einwände.