Gericht: Wie die Polizei einen Komplizen von Drogenhändlern überführte

Vorarlberg / 03.06.2022 • 16:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht: Wie die Polizei einen Komplizen von Drogenhändlern überführte
Der nicht geständige Angeklagte konnte den Schöffensenat mit seinen unglaubwürdigen Aussagen nicht überzeugen. Eckert

18 Monate Haftstrafe für 40-Jährigen, der Großdealern beim Portionieren von Kokain half.

Feldkirch Einst arbeitete der heute 40-jährige Türke als Staplerfahrer, ab 2017 betrieb er in Dornbirn ein Lokal. Bislang war er unbescholten, ein Verfahren wegen häuslicher Gewalt ist in Schwebe, doch bei der aktuellen Verhandlung am Landesgericht Feldkirch geht es um Mithilfe bei einem großangelegten Drogenhandel. Zwei beteiligte Dealer wurden bereits zu jeweils drei Jahren Haft verurteilt. Sie waren einem verdeckten Ermittler auf den Leim gegangen.

Ihre Drogentreffen in der Nähe des Cineplexx und beim Messepark waren damals überwacht worden, die Falle schnappte zu. Später machten Fingerabdrücke die Fahnder stutzig. Von den bekannten Drogengrößen konnten sie nämlich niemandem zugeordnet werden. Dann führte der Zufall zu dem nunmehr Angeklagten.

Volltreffer

Der 40-Jährige war bislang unbescholten, wurde aber in einem anderen Zusammenhang erkennungsdienstlich behandelt, Fingerabdrücke wurden gespeichert. Da ergab sich auch ein Treffer in der Drogenangelegenheit. Damals, 2017, waren nämlich insgesamt 680 Gramm Kokain sichergestellt worden. Die Einheiten waren in Kugeln mit jeweils 100 Gramm portioniert. Zusammengeklebt waren die durchsichtigen Plastiksäckchen mit ebenfalls transparentem Klebeband. Und auf der Innenseite dieses Klebebandes wurden die Fingerabdrücke des einstigen Lokalbesitzers festgestellt.

Unglaubwürdige Erklärung

Der sechsfache Vater erklärt, dass damals ein Fremder in sein Lokal gekommen sei und ihn gefragt habe, ob er ihm nicht mit einem Klebeband aushelfen könne. Da er ihm nicht die ganze Rolle mitgeben wollte, habe er ein paar Streifen abgerissen und ihm mitgegeben, so könnten womöglich seine Fingerabdrücke auf das Band gelangt sein, behauptet er. Richter Christoph Stadler gibt zu bedenken, dass abgerissene Klebestreifen doch nicht so einfach zu transportieren wären. „Keine Ahnung, mehr hatte ich damit jedenfalls nicht zu tun“, beteuert der Angeklagte. Der Schöffensenat hält diese Verantwortung für ausgesprochen lebensfremd und glaubt dem Mann kein Wort. Die Strafe für die Beteiligung am Suchtgifthandel: 18 Monate Haft.

Allerdings werden dem Angeklagten nur jene drei Säckchen angelastet, auf denen tatsächlich seine Abdrücke gesichert wurden. Somit also 300 statt 680 Gramm Kokain. Das senkt den möglichen Strafrahmen um fünf Jahre. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.