Bezirksgericht: Verwanzt zur Fahrschulprüfung angetreten

Vorarlberg / 07.06.2022 • 18:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bezirksgericht: Verwanzt zur Fahrschulprüfung angetreten
Seine versuchte Mogelei bei der Führerscheinprüfung brachte dem jungen Mann eine Anklage beim Bezirksgericht ein. VN/gs

Wie sich ein 25-Jähriger mit Hilfe von „Hightech“ den Führerschein erschwindeln wollte.

Bregenz Der mit Nervosität erwartete Tag der Führerscheinprüfung nahte. Während sich andere Fahrschüler noch einmal angespannt die theoretischen Prüfungsunterlagen einfleischten, sah sich der unbescholtene Arbeiter mit Migrationshintergrund zu einer anderen, durchaus ungewöhnlichen Strategie gezwungen. Denn sein Problem war: Er konnte die deutsche Schrift nicht lesen.

Also behalf sich der 25-Jährige mit technischer Unterstützung. Auf gut „deutsch“ gesagt, er versuchte es mit einer dreisten Betrugsmasche. Wobei er allerdings aufflog (und bei der Prüfung durchflog) und sich wegen „Fälschung von Beweismitteln“ in Bregenz vor Bezirksrichter Christian Röthlin verantworten musste.

Antworten über Bluetooth

Immer wieder kommt es bei theoretischen Führerscheinprüfungen zu versuchten Mogeleien. Und das bundesweit. Prüflinge verstecken dabei unter anderem Mobiltelefone zwischen den Kleidungsstücken, filmen damit Fragen vom Bildschirm ab und bekommen von einem Informanten außerhalb mittels Bluetooth-Kopfhörern die richtigen Antworten geliefert.

So oder so ähnlich war es auch im konkreten Fall. Zumindest so ähnlich, denn auf welche konkrete Weise der Beschuldigte vorgegangen war, ließ sich trotz arabischem Dolmetscher bei der Verhandlung nicht genau eruieren.

„Fragen vorgemurmelt“

„Ich habe etwas Technisches gekauft und ins Ohr gelegt“, erklärte der Angeklagte. Dabei dürfte es sich wohl um winzige Kopfhörer gehandelt haben, verbunden mit einem verborgenen Mikrofon. Trotz der deutschen Schrift, die er nicht übersetzen könne, will er die Fragen auswendig gelernt und einem Bekannten am anderen Ende der Leitung während der Prüfung vorgemurmelt haben. Von dort wurden die Antworten übermittelt.

„Wer war denn eigentlich dieser Informant?“, wollte Bezirksanwalt Klaus Schmid vom Beschuldigten wissen. Da entgegnet der 25-Jährige: „Nur ein Bekannter, den ich aber nicht belasten will. Und ich versichere Ihnen: Wären die Fragen auf Arabisch gewesen, ich hätte die Prüfung bestanden.“

400 Euro Geldstrafe

Der 25-Jährige wird im Sinne der Anklage schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von hundert Tagessätze a‘ vier Euro verurteilt. Zu guter Letzt bringt der Verurteilte noch eine Frage vor: „Kann ich denn überhaupt nochmals zur Prüfung antreten? Ich brauche den Führerschein schon allein wegen meiner Kinder.“

„Diesbezüglich müssen Sie schon bei der Bezirkshauptmannschaft nachfragen“, klärt ihn der Richter auf.

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