Nachhilfe: Jedes dritte Kind mit Förderbedarf

Vorarlberg / 10.06.2022 • 05:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nachhilfe: Jedes dritte Kind mit Förderbedarf
Sarah Isele sähe in Nachmittagsbetreuung und Ganztagesschulen einen Weg aus dem immer größeren Nachhilfebedarf. AK Vorarlberg/Gorbach, DPA/Büttner

Vorarlbergs Haushalte gaben im auslaufenden Schuljahr insgesamt 4,4 Millionen Euro für Nachhilfe aus.

Feldkirch Jedes sechste Vorarlberger Schulkind in Vorarlberg, rund 7400 Kinder, musste im auslaufenden Schuljahr bezahlte Nachhilfe oder Lernhilfe in Anspruch nehmen müssen, warnt die Arbeiterkammer Vorarlberg (AK). Die Eltern von weiteren 7200 Kindern hätten dies gern ebenfalls getan, konnten es sich jedoch nicht leisten.

Das Institut für empirische Sozialforschung (IFES) hat im Auftrag der AK die Daten erhoben, allein in Vorarlberg wurden 501 Haushalte mit 773 Schulkindern befragt. Der Ruf nach kostenlosen Ganztagesschulen und einer besseren Lernförderung der Kinder ist laut. 67 Prozent befürworten die Ganztagesschule, 78 Prozent sind für mehr Lernförderung. Denn die Belastung der Haushalte ist enorm. “Die Kosten für bezahlte Nachhilfe betragen in diesem Schuljahr in Vorarlberg mehr als vier Millionen Euro”, erläutert Sarah Isele, Bildungsexpertin der AK Vorarlberg. Durchschnittlich geben die Eltern pro Kind 580 Euro aus, die Preise sind im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen. Insgesamt gaben sie mit 4,4 Millionen Euro um 1,4 Millionen mehr für bezahlte Nachhilfe aus als vor einem Jahr. Vor allem Haushalte mit einem monatlichen Haushaltseinkommen unter 3000 Euro sind spürbar bis stark belastet durch den Nachhilfeaufwand.

Das nachhilfeschwerste Fach bleibt Mathematik, gefolgt von Deutsch und Fremdsprachen. Nur für jeden fünften Schüler geht es rein darum, eine negative Note zu verhindern. 30 Prozent müssen Lernrückstände aufholen, die auch durch den Fernunterricht während der Pandemie entstanden. Bei jedem vierten Kind kämen noch psychische Probleme hinzu. Unterstützung erhalten sie zuhause weiterhin vor allem von den Müttern beim Lernen, 20 Prozent der Eltern tun sich jedoch schwer, ihren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen.

Einen positiven Effekt zur Eindämmung des Nachhilfebedarfs sieht die Bildungswissenschaftlerin in der schulischen Nachmittagsbetreuung. “Die Qualität der schulischen Förderung spielt beim Nachhilfebedarf eine wesentliche Rolle und kann nur im Zusammenspiel mit dem Unterricht gesteigert werden”, betont Isele. Diese Forderung stamme auch aus jedem zweiten Haushalt, unabhängig vom Bildungshintergrund der Eltern. Geholfen wäre vor allem ärmeren Haushalte. Ihnen fehlt meist die Ausbildung, um die Kinder ohne Nachhilfe unterstützen zu können.