Stress im Freibad. Da braucht es strenge Bademeister und …

Vorarlberg / 16.06.2022 • 04:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alles unter Kontrolle. Security-Männer im Bregenzer Strandbad sind schon seit mehreren Jahren ein gewohntes Bild. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Alles unter Kontrolle. Security-Männer im Bregenzer Strandbad sind schon seit mehreren Jahren ein gewohntes Bild. VN/Steurer

Aggressivere Gäste, weniger Zivilcourage, Renitenz statt Einsicht: Gute Gründe für den Einsatz von Securitys.

Lustenau, Bregenz, Hard, Hohenems Erich Berkmann*, Bademeister im Parkbad Lustenau, vergisst diesen Arbeitstag an einem heißen Sommertag vor zwei Jahren nicht so schnell. „Es gab Stunk bei der großen Rutschbahn. Drei junge Burschen hatten dort einen Megastau verursacht. Ich griff ein. Sie waren sofort aggressiv. Ich verwies sie des Bades. Auf dem Weg zum Ausgang drehte sich plötzlich einer um und schlug mir ins Gesicht.“ Für Berkmann, der seinen richtigen Namen aus Sicherheitsgründen nicht preisgeben will, hatte das Folgen. Er erlitt erhebliche Verletzungen, verbrachte eine Woche im Krankenstand. „Später musste ich von der Staatsanwaltschaft erfahren, dass das Verfahren gegen den vorbestraften Schläger eingestellt wurde. Das hat mich damals sehr gestört.”

Ein gemeinsamer Rundgang mit dem diensthabenden Bademeister gehört für den Security auch zum Programm. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Ein gemeinsamer Rundgang mit dem diensthabenden Bademeister gehört für den Security auch zum Programm. VN/Steurer

Berkmann weiter: “Es war der Moment, als wir Bademeister von der Gemeinde vehement Securitys zur Unterstützung forderten. Wir hätten sie schon vorher gewollt. Als das passierte, bekamen wir sie dann endlich.“ Die Ordnungshüter haben den Betrieb im Parkbad um einiges sicherer gemacht. „Sie patroullieren im Gelände, während wir uns um das Geschehen rund um die Schwimmbecken kümmern“, beschreibt Berkmann die Aufgabenverteilung. Der Gemeindebedienstete beklagt die dramatisch gesunkene Disziplin im Parkbad innerhalb der letzten Jahre. “Früher war ein Bademeister für alle noch eine Autorität.” Das hat sich mit einigen, vor allem jüngeren Gästen verändert. “Heute hängen sie dir gleich die Gosch’n an, wenn du auf Missstände aufmerksam machst, sie sind auch viel aggressiver”, beklagt der Bademeister.  

Keine Autorität mehr

Eine ähnliche Sicht der Dinge hat Alexander Fritz (43), Betriebsleiter des Bregenzer Strandbads. “Die Autorität eines Bademeisters hat in den letzten Jahren stark gelitten. Aber auch die Zivilcourage ist zurückgegangen. Heute rufen uns Badegäste auf der Liegewiese an und fordern uns auf zu kommen, um gegen Ruhestörer einzuschreiten. Früher haben sie das noch selbst gemacht.”

In Bregenz gibt es an frequenzstarken Tagen schon mehrere Jahre Securitys, die nach dem Rechten schauen. “Einen speziellen Anlass hat es für diesen Auftrag nicht gebraucht. Wir haben einfach gemerkt, dass wir uns als Bademeister nicht weiterhin auch um die zunehmenden Ärgernisse auf den Liegewiesen kümmern können, sondern uns auf unsere Kernaufgaben rund ums Wasser konzentrieren müssen”, sagt Fritz.

“Leider ist es auch um die Zivilcourage vieler Badegäste nicht mehr so gut bestellt wie noch vor einigen Jahren.

Alexander Fritz, Betriebsleiter Strandbad Bregenz

Nur Hohenems ist anders

Securitys sind auch in den Badeanlagen der Gemeinde Hard, dem Strandbad und dem FKK, im Einsatz. “Die Flächen sind einfach zu groß, dass nur wir Bademeister allein die Sicherheitsstandards erfüllen können”, begründet Roman Juriatti (54) den zusätzlichen Einsatz von Securitys in den Badestätten. Auch in Hard gilt: Bademeister schauen dazu, dass niemand ertrinkt, Securitys sorgen für die Einhaltung der Regeln auf den Liegewiesen. “Wir haben eigentlich friedliche Gäste”, betont Juriatti. Bis zu 4000 Menschen suchen an heißen Sommertagen Abkühlung in den Harder Bädern.

Ewald Petritsch in den Hohenemser Rheinauen kommt noch ohne Security aus. Dort erledigen die Bademeister alle Überwachungs- und Kontrolldienste. <span class="copyright">VN/Bickel</span>
Ewald Petritsch in den Hohenemser Rheinauen kommt noch ohne Security aus. Dort erledigen die Bademeister alle Überwachungs- und Kontrolldienste. VN/Bickel

Bis zu 6000 sind es in den Hohenemser Rheinauen. Dort patroullieren im Gegensatz zu Lustenau, Bregenz und Hard jedoch keine Securitys. Ewald Petritsch (55), der langjährige Betriebsleiter: “Wenn es Probleme gibt, dann versuchen wir diese selbst zu lösen.” An viele negative Vorfälle kann sich Petritsch im Laufe seiner langjährigen Tätigkeit in den Rheinauen nicht erinnern. Nur ein Ereignis vor sieben Jahren hat er nicht vergessen: “Da hat ein 1,91 Meter großer und muskulöser Typ in angetrunkenem Zustand randaliert und eine Mitarbeiterin beim Selbstbedienungsrestaurant bedrängt. Damals musste ich die Polizei holen, um den Mann aus dem Bad zu bringen.”

*Name von der Redaktion geändert