Ein Ort der Begegnung

Vorarlberg / 19.06.2022 • 17:21 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Carla und Ella kommen gerne in den Garten und helfen bei der Bepflanzung mit.BI
Carla und Ella kommen gerne in den Garten und helfen bei der Bepflanzung mit.BI

Verein „Aufblüherei“ bietet mit Urban Gardening ein zukunftsträchtiges Projekt.

Feldkirch Sie sind jung, motiviert, sympathisch und sozial engagiert – auch in ihrem Hauptberuf: Stefanie Egle-Fiel, Anja Ender, Barbara Böckle und Patrick Breuss. Gemeinsam gründeten sie den Verein „Aufblüherei“. Das war zu Beginn der Coronapandemie. Mittlerweile wurde mit Urban Gardening auf einem Grundstück in Altenstadt das erste ambitionierte Projekt gestartet. „Durch die Maßnahmen im Zuge der Covidpandemie wurde die Vereinsamung vieler Menschen noch spürbarer – ein Trend, der vorher ohnehin schon erkennbar war. Dem wollten wir aktiv etwas entgegensetzen“, erklärt Stefanie Egle-Fiel, Sozialarbeiterin und Kräuterpädagogin.

Ein weiterer, sehr wichtiger Grund sei auch gewesen, den Bezug zur Natur zu vermitteln. „Viele Leute sehnen sich danach, sich in einem Garten betätigen zu können, oftmals fehlt ihnen aber auch das nötige Wissen dafür. Dieses wollen wir ihnen weitervermitteln“, führt Stefanie Egle-Fiel weiter aus. Das nötige Hintergrundwissen erweitert sie derzeit, gemeinsam mit der Pädagogin Barbara Böckle, im Rahmen eines Studiums „Gartentherapie“ an der Donau-Uni in Krems.

Garten als öffentlicher Raum

Anja Ender, diplomierte psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflegerin, erläutert das Prinzip Urban Gardening folgendermaßen: „Der Garten dient hierbei als öffentlicher Raum. Alle sind willkommen – wirklich alle. Denn es geht uns auch um Inklusion und Integration. Gemeinsam wird der Garten angesetzt, gepflegt und geerntet.“ So sind Mitte April durch den Aushub mit einem Bagger Gartenwege entstanden. Diese sind breit genug, damit auch Rollstuhlfahrende durchkommen. Außerdem sind zwei Hochbeete geplant, die einen freien, offenen Platz bieten, damit diese auch von Menschen mit einem Rollstuhl bepflanzt werden können. „Wir wollen mit Urban Gardening einen Ort der Begegnung und der Verbindung mit der Natur bieten“, betont Patrick Breuss, Pädagoge und psychosozialer Berater.

Das Grundstück befindet sich sehr zentral gegenüber dem Friedhof, auf der anderen Seite ist der Kindergarten beheimatet. Nicht zuletzt durch diese ideale Lage entstehen immer wieder Zaungespräche mit den Bewohnern von Altenstadt. Eine erste Hemmschwelle, um miteinander in Kontakt zu kommen, wird somit einfacher überwunden. „Die Kindergartenkinder haben bereits ein eigenes Beet angelegt“, berichtet Barbara Böckle. Dieses ist sehr liebevoll gestaltet, es finden sich zwischen den Pflänzchen kleine Zwerge. Auch ein sogenanntes Insektenhotel hat im Gemeinschaftsgarten ein Plätzchen gefunden.

Mitten in Altenstadt

Das Grundstück wurde von der Stadt Feldkirch zur Verfügung gestellt. „Wir sind sehr froh, dass unser Konzept bei der Präsentation auf offene Ohren stieß“, zeigt sich Egle-Fiel erleichtert. Gestartet wurde nun im neu angelegten Garten mit Kräutern und Beeren. Eine Familie habe zudem angeboten, ein um die Ecke liegendes, unbebautes Grundstück mit 1000 Quadratmeter dem Verein zur Verfügung zu stellen. Dadurch können die vier engagierten Vereinsmitglieder ihr Angebot sukzessive erweitern.

Vielfältiges Angebot

So sind bereits zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen wie etwa ein Koch-Workshop mit der Biolandwirtin Sonja Ehrne geplant. Und auch ein dreiwöchiges Ferienangebot für Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren wird durchgeführt. „Unser Ferienangebot für den Sommer ist bereits ausgebucht. Wir haben noch ein paar Plätze für Kinder aus der Ukraine reserviert“, freut sich Barbara Böckle bereits.

Das sehr gut durchdachte Konzept des Vereins „Aufblüherei“ findet inzwischen Nachahmer in ganz Vorarlberg, denn auch andere Gemeinden und Städte wollen solche Begegnungsorte schaffen. BI

Wir wollen einen stimmigen Begegnungsort für Jung und Alt, der Inklusion und Interkulturalität schaffen. Für uns ist es auch sehr wichtig, Kinder in unser Konzept einzubinden und für Familien einen Raum des offenen Miteinanders zu bieten. Stefanie Egle-Fiel

Wir wollen einen stimmigen Begegnungsort für Jung und Alt, der Inklusion und Interkulturalität schaffen. Für uns ist es auch sehr wichtig, Kinder in unser Konzept einzubinden und für Familien einen Raum des offenen Miteinanders zu bieten. Stefanie Egle-Fiel

Am 13. Juni fand die Veranstaltung ‚Auf der Suche nach der verschwundenen Zeit‘ statt, bei der mittels Genusstraining alle Sinne aktiviert wurden. Ziel ist, mehr Ruhe im Alltag zu finden und achtsamer mit sich selber und anderen umzugehen.“ Anja Ender

Am 13. Juni fand die Veranstaltung ‚Auf der Suche nach der verschwundenen Zeit‘ statt, bei der mittels Genusstraining alle Sinne aktiviert wurden. Ziel ist, mehr Ruhe im Alltag zu finden und achtsamer mit sich selber und anderen umzugehen.“ Anja Ender

Es ist uns ein Anliegen, diesen öffentlichen Raum mit stimmigen Angeboten für alle Interessierten zu bespielen. Die Diversität von Menschen und Pflanzen ergänzt sich und stärkt sich aber auch gegenseitig. Es gilt, eine Verbindung zu schaffen. Patrick Breuss

Es ist uns ein Anliegen, diesen öffentlichen Raum mit stimmigen Angeboten für alle Interessierten zu bespielen. Die Diversität von Menschen und Pflanzen ergänzt sich und stärkt sich aber auch gegenseitig. Es gilt, eine Verbindung zu schaffen. Patrick Breuss

Die Wertschätzung gegenüber Produkten, die selber gepflanzt und geerntet werden, ist gegenüber denNahrungsmitteln aus dem Supermarkt eine ganz andere. Außerdem schmecken diese auch einfach viel besser! Barbara Böckle

Die Wertschätzung gegenüber Produkten, die selber gepflanzt und geerntet werden, ist gegenüber denNahrungsmitteln aus dem Supermarkt eine ganz andere. Außerdem schmecken diese auch einfach viel besser! Barbara Böckle

Auch ein Insekten­hotel befindet sich im Garten.
Auch ein Insekten­hotel befindet sich im Garten.