Saubere Wanderwege, verschmutztes Schilf

Vorarlberg / 19.06.2022 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Beim Booteinsatz entlang der Bregenzerache beförderten die Mülleinsammler im Vorjahr Metallschrott zutage. <span class="copyright">Aktion Saubere Alpen - Saubere Gewässer</span>
Beim Booteinsatz entlang der Bregenzerache beförderten die Mülleinsammler im Vorjahr Metallschrott zutage. Aktion Saubere Alpen - Saubere Gewässer

Vorarlberger Alpenschützer orten noch Altmüll-Probleme in Berggebieten und Littering am Wasser.

Dornbirn Zuerst die gute Nachricht: Obwohl immer mehr Menschen in den Bergen unterwegs sind, dokumentieren die Zuständigen des Vorarlberger Alpenschutzvereins immer weniger Littering. Übersetzt bedeutet dies, dass Wanderer immer weniger Abfälle wie Plastikflaschen oder Aludosen achtlos in der Natur wegschmeißen. Nun die weniger gute: Noch immer bereiten den Alpenschützern Altmüll-Probleme in Berggebieten sowie Littering entlang von Durchzugsstraßen und am Wasser Sorgenfalten.

Wie aus dem aktuellen Leistungsbericht des Alpenschutzverbands hervorgeht, sammelten Umweltliebhaber im vergangenen Jahr im Rahmen des Projekts “Saubere Alpen – Saubere Gewässer” in Vorarlberg wieder rund 5700 Liter Müll ein. Dies entspricht 95 Sechzig-Liter-Säcken. “Die Wanderwege sind inzwischen deutlich sauberer geworden”, zieht Erich Zucalli vom Alpenschutzverein Vorarlberg eine positive Bilanz über die vergangenen fünfzig Jahre. Denn seit damals gibt es das Vorzeigeprojekt der Alpenschützer bereits.

Die Aktion "Saubere Alpen - Saubere Gewässer" hat schon vieles bewirkt.
Die Aktion "Saubere Alpen - Saubere Gewässer" hat schon vieles bewirkt.

Zigarettenstummel bei Rastbänken oder auf Parkplätzen seien dagegen leider immer noch viele zu finden. Genauso wie Papiertaschentücher und Feuchttücher. “Viele denken, dass diese sowieso bald verrotten. Dem ist aber nicht so”, gibt Zucalli zu bedenken.

Weiteres Thema auf den Agenden der Alpenschützer ist die Altmüllproblematik in den Berggebieten bzw. Müll, über den eigentlich längst Gras gewachsen ist und dessen Verursacher gar nicht mehr auszumachen sind. “Vor dreißig, vierzig Jahren wurde der Müll bei manchen Hütten noch einfach so runtergekippt. Inzwischen gibt es aber gute Abfallsysteme auf den Bergen”, sagt Zucalli. Nach Ansicht der beiden gibt es hinsichtlich Rekultivierung der Altlasten noch einiges zu tun. Auch heuer sind diesbezüglich wieder Einsätze im Berggebiet geplant.

Viele denken, dass Papiertaschentücher bald verrotten. Dem ist aber nicht so.

Erich Zucalli, Alpenschutzverein

Zu tun gab es im Rahmen der Umweltinitiative “Saubere Alpen – Saubere Gewässer” speziell auch einiges entlang des Wassers. Beim fast schon traditionellen Aufräumeinsatz im Natura-2000-Gebiet Bregenzerachschlucht sammelten die Müllbekämpfer weniger Plastik und Dosen ein. Noch immer hatten sie es bei ihrem Bootseinsatz aber mit Metallschrott wie beispielsweise Gerüstteilen zu tun.

Das Einsammeln ist eine Symptombekämpfung. Es sollte aber mehr Ursachenbekämpfung geben.

Franz Ströhle, Alpenschutzverein

“Das Problem ist, dass der Müll dann bei Hochwasser in den Naturschutzgebieten und im Schilf landet”, erklärt Zucallis Alpenschutz-Kollege Franz Ströhle und weist auch auf das globale Müllproblem im Meer und die Mikroplastik-Thematik hin.

“Das Einsammeln ist eine Symptombekämpfung. Es sollte aber mehr in puncto Ursachenbekämpfung getan werden”, meint Ströhle. Seiner Meinung nach sollten alle Produkte auf ihren ökologischen Fußabdruck hin geprüft werden. Die Alpenschützer sehen in dieser Hinsicht vor allem auch die Politik gefordert. Ginge es nach Ströhle und Zucalli, sollte es eine ökologische Steuerreform geben und ein Pfandsystem eingeführt werden.

Zahlen zur Vorarlberg-Aktion

Umweltinitiative “Saubere Alpen – Saubere Gewässer” 2021:

15 Einsatztage wurden im Vorjahr gezählt

57 Einsätze wurden durchgeführt

14 Mitarbeiter (davon 10 Ferialer) waren im Einsatz

1000 Kilometer Wander- und Höhenwege wurden abgegangen

39 Gemeinden wurden beim Müllsammeln unterstützt

5720 Liter Müll wurden eingesammelt