Mit rollenden Arztordinationen gegen den Medizinermangel

Vorarlberg / 20.06.2022 • 21:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wien Von außen schaut er aus wie ein herkömmlicher Niederflurbus. Im Inneren ist er eine hochmoderne Arztpraxis. Die fahrende Arztpraxis ist mithilfe von Solarpaneelen energieautark. In den Kühlschränken können Impfstoffe auf bis zu minus 40 Grad gekühlt werden. Ein digitaler Dolmetscher kann die Anliegen der Patienten in 27 Sprachen übersetzen. Dieses mobile Konzept, das vom Technik- und Digitalisierungsunternehmen Cisco umgesetzt wurde, könnte in Zukunft viele Probleme lösen – vor allem am Land.

Denn die Zahl der Ordinationen im Kassenbereich reicht nicht aus. Das zeigte erst jüngst eine umfassende Recherche der VN in Kooperation mit den Salzburger Nachrichten und der Kleinen Zeitung. Ein Fünftel von 135 kontaktierten Kassenpraxen hatten einen Aufnahmestopp für neue Patienten. Bei weiteren 57 Ordinationen beträgt die Wartezeit bis zum ersten Termin über einen Monat. Die rollenden Arztpraxen könnten man bis zu sechs niedergelassene Arztpraxen gegenüberstellen, erklärt Peter Schuller, zuständig für Digitalisierungsprojekte bei Cisco. Aus den Erfahrungen in Deutschland berichtet er: Pro Tag ist es möglich, bis zu vier Gemeinden mit dem Bus abzufahren und bis zu 35 Patienten zu versorgen. „Der Ärztemangel wird nicht anders zu bewältigen sein“, sagt er den VN.

Der Raum im Bus ist zwar beschränkt, für die Patienten ergeben sich aber keine Qualitätsabstriche. Es gibt einen Wartebereich, ein Labor, eine Behandlungsliege und einen Besprechungstisch. Barrierefreiheit ist gewährleistet. Über Bildschirme können zudem Fachärztinnen und Fachärzte hinzugezogen werden.

Veränderung des Berufsbildes

Gerade für Neu- und Wiedereinsteiger bietet diese Art der Arbeit eine Chance, sagt Schuller: „Die Mediziner haben nicht mehr die Last einer eigenen Praxis auf den Schultern.“ Auch Teilzeitarbeit ist möglich, was besonders mit kleinen Kindern oft gewünscht wird.

Erfahrungswerte mit dem Medizinbus gibt es auch an der polnisch-ukrainischen Grenze, dort sind derzeit zehn Busse in der Flüchtlingshilfe im Einsatz. Auch in Berlin sind mobile Arztpraxen für Flüchtlinge im Einsatz.