Gericht: Erst Mopedfahrer abgedrängt, dann Passant mit Skistock angegriffen

Vorarlberg / 21.06.2022 • 17:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht: Erst Mopedfahrer abgedrängt, dann Passant mit Skistock angegriffen
Als die Situation eskalierte, griff der Autofahrer zu einem Skistock und fügte einem Widersacher eine Prellung des Handgelenks zu. Symbol/VN/hb

Warum man einem Ex-Häftling mit hoher Vorstrafenbelastung besser nicht den Vorrang nehmen sollte …

feldkirch Ein 63-jähriger Unterländer, 16 Vorstrafen im Register, arbeitslos, bereits lange Haftstrafen verbüßt und mit einem niedrigen Frustrationslevel versehen. Dann noch zwei jugendliche Mopedfahrer, die ihm vor der Nase die Straße kreuzten und ihm dreist den Vorrang nahmen, als er mit dem Auto im Unterland unterwegs war. Da kam blanke Wut auf.

Er drückte aufs Gas. Fuhr dann einem der Mopedlenker knapp auf, einen anderen drängte er zum Randstreifen hin ab, sodass der 17-jährige beinahe stürzte. Auf einem Parkplatz kam es dann zur „Aussprache“. Mit dem Resultat, dass der 63-jährige einen der Jugendliche am Helm packte und vom Vehikel reißen wollte. Zwei junge männliche Passanten kamen zu Hilfe. Einer von ihnen streckte den Wüterich zu Boden. Der stand auf, eilte zum Kofferraum seines Wagens, entnahm daraus einen Skistock, schwang ihn und ließ ihn auf die Hand eines der Männer schnellen. Dann war schon die Polizei da.

„Den Finger gezeigt“

Am Landesgericht Feldkirch wegen Nötigung und Körperverletzung angeklagt, weist der Unterländer gegenüber Richter Richard Gschwendter jede Schuld von sich. „Nicht ich habe sie genötigt, sondern die mich!“, behauptet er. „Erst haben die Mopedfahrer mir den Vorrang genommen, dann fuhren sie im Slalom vor mir her und zeigten mir auch noch den Finger“, entrüstet er sich.

Das mit dem Skistock sei Notwehr gewesen. „Die haben mich angegriffen. Und bei so viel Vorstrafen werde ich wohl nicht mehr zuschlagen“, wehrt er sich gegen die seiner Überzeugung nach haltlosen Unterstellungen.

„Wie durchgegangene Pferde“

Nun kommen die Jugendlichen als Zeugen zu Wort. Im Anschluss auch jener Mann, der beim Schlag mit dem Skistock eine Prellung am Handgelenk erlitten hatte. Ihre Aussagen zeichnen ein einhelliges Bild vom aggressiven Verhalten des 63-Jährigen, das der Richter mit „durchgegangenen Pferden“ assoziierte. Einer der Zeugen vom Eklat an der Tankstelle erscheint nicht, weshalb Gschwendter die Anklage der Körperverletzung ausscheidet. Verurteilt wird der Unterländer jedoch wegen Nötigung. Fünf Monate Haftstrafe auf Bewährung und 1000 Euro unbedingte Geldstrafe in 250 Tagessätzen zu vier Euro. Der Verurteilte nimmt Bedenkzeit.

„Heute sind Sie aber recht ruhig“, sagt der Richter noch zu dem Unterländer, worauf dieser erwidert: „Es bringt ja nichts, wenn ich mich aufrege.“

„Das ist allerdings richtig“, entgegnet der Richter.