„Es gibt im Leben einfach Grenzen“

Vorarlberg / 22.06.2022 • 22:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Altach-Sportdirektor Werner Grabherr und Impfkoordinator Robert Spiegel über Belastungslimits.

Schwarzach Sie standen beide berufsbedingt unter Dauerstress und waren dabei harter Kritik, ja sogar Anfeindungen, ausgesetzt. Sie wissen, wie es ist, den Job als 24-Stunden-Hamsterrad zu erleben. Sie haben die Wucht von Angriffen spüren müssen, gegen sie als Funktionsträger und gegen sie persönlich.

Notwendige Auszeit

Für den federführenden Corona-Impfarzt des Landes, Robert Spiegel, bedeutete die Zeit der Impfkampagne die wohl größte und längste Herausforderung seines ärztlichen Lebens. Auch hatte er in seiner Praxis viele Patienten, die ihre Leistungsgrenzen überschritten, obwohl sie immer glaubten, solche existierten nicht. „Plötzlich geht eben nichts mehr. Der Betroffene bricht zusammen. Weil ein klein wenig zurückstecken ist für diese Personen undenkbar und nicht tolerabel, ihr Pensum aufrechterhalten aber unmöglich“, beschreibt Dr. Spiegel die Zwickmühle. Er selber musste sich vor solchen Grenzüberschreitungen schützen. „Es gab während der Hochphase der Impfkampagne schon Zeiten, da kam ich nicht mehr zu mir selber. Dann musste ich zwei, drei Tage Auszeit nehmen. Das habe ich auch gemacht.“ Auch bei Spiegel kam hinzu, dass er für seine Tätigkeit oft grenzwertig attackiert und kritisiert wurde. „Ich hab‘ darob an mir selbst gezweifelt“, beschreibt der 65-Jährige diese Erlebnisse. Er weiß: „Wenn du ohnehin schon viel arbeitest und ein negatives Feedback erhältst, reduziert das deine Belastbarkeit erheblich.“

Verständnis für Wallner

Massiv kritisiert und in verschiedenen sozialen Netzwerken heftig angegriffen wurde auch der Sportdirektor des SCR Altach, Werner Grabherr. „Es gibt einfach keine Grenzen mehr“, resümiert der 36-jährige jene Zeit, als der Verein mit einem Bein schon in der zweiten Liga stand und die wütenden Reaktionen der „Fans“ vor allem auf ihn herunterprasselten. „Diese Hetze, diese Rastlosigkeit samt negativer Begleiterscheinungen sind bedenkliche gesellschaftliche Entwicklungen“, sagt Grabherr. Für ihn selbst habe er bereits Grenzen wahrgenommen, über die er nicht mehr gegangen wäre. „Vor allem wenn dein Umfeld auch darunter leidet, wird’s schlimm.“

Für Landeshauptmann Markus Wallner zeigen sowohl Spiegel als auch Grabherr Verständnis. „Wenn du bei allem Einsatz dann auch noch eine Opposition hast, die einfach nur gegen alles ist, was du tust, kann’s irgendwann zu viel werden“, meint der Altacher Sportfunktionär. VN-HK

„Diese Hetze und Rastlosigkeit sind bedenkliche gesellschaftliche Entwicklungen. Ich für mich habe Grenzen gesehen.“

„Wenn ich merkte, ich bin nicht mehr ich selber, musste ich eine Auszeit von zwei, drei Tagen nehmen.“