An zweitem Gleis führt kein Weg vorbei

Vorarlberg / 24.06.2022 • 19:32 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Übergangslösung? Die Haltestelle Bregenz-Hafen könnte ein Ablaufdatum haben.VN/Paulitsch
Übergangslösung? Die Haltestelle Bregenz-Hafen könnte ein Ablaufdatum haben.VN/Paulitsch

VN-Hintergrund: Welche Infrastrukturprojeke im Großraum Bregenz vor einer Weichenstellung stehen.

Bregenz Entlang der Bahngleise im Großraum Bregenz bleibt kein Stein auf dem anderen. Mit dem Start des Umbaus der Hypo-Unterführung vor wenigen Wochen stehen Weichenstellungen für gleich mehrere Bahninfrastrukturprojekte an. Ende 2023 soll der unterirdische Zugang von der Stadt zum See und den Bahnsteigen in neuem Glanz erstrahlen. Für Bürgermeister Michael Ritsch (53, SPÖ) ist damit der Startschuss für den Bregenzer Bahnhof neu gefallen. Der Zeitplan sieht den Abriss des bestehenden Hauptbahnhofs 2024 vor, ein Jahr später soll ein neuer errichtet werden. Zuvor muss noch die nur 720 Meter entfernte Haltestelle Bregenz-Hafen erneuert werden.

Gleis- und Bahnsteigverlängerungen werden notwendig, weil die neuen Zuggarnituren für Vorarlberg deutlich länger ausfallen. „Wir werden mit den Adaptierungen Ende 2024 starten, damit die Haltestelle dann wieder für alle Nahverkehrszüge zur Verfügung steht“, sagt Projektkoordinator Josef Valentini. Bis dahin könnte es am Hafen zu einer Ausdünnung des Fahrplans kommen, weil nur noch jene Züge stehen bleiben können, die weiter nach Lindau fahren. Ein grobes Konzept und einige Eckpunkte für den Haltestellenausbau existieren, finale Entscheidungen stehen noch aus. Am 5. Juli würden sie erstmals dem Stadtrat präsentiert, so Bürgermeister Ritsch.

Verlängerung Richtung Lochau

Konkret soll der Bahnsteig von 140 auf 220 Meter verlängert werden. „Die Verlängerung wird in Richtung Lochau erfolgen“, so Valentini. Dazu herrsche Konsens. Der Übergang beim Hafen bleibe unangetastet. Damit würden auch die Schranken bleiben. Ein weiterer kleinerer Übergang beim Haus am See müsse allerdings aufgelöst werden, weil er sich danach direkt im Bahnsteigbereich befinden würde. Investiert soll in die Verkehrstüchtigkeit der Haltestelle werden. Die Adaptierungen sind eher nicht für die Ewigkeit. Mit einem attraktiven Übergang, wie er etwa in Form der „Snake“ in Bregenz diskutiert wird, dürfte die Haltestelle zur Disposition stehen, wie Projektkoordinator Valentini sagt. Dann wäre Österreichs Haltestelle mit der kürzesten Distanz zu einem Bahnhof Geschichte.

Beschrankte Übergänge haben ohnedies kaum Zukunft. „Mit der Zunahme des Bahnverkehrs würden sich die Schließzeiten der Schranken in den nächsten Jahren verdoppeln“, so Michael Ritsch. Im Zuge des Projekts Bregenz-Mitte wird von Experten auch eine Standortentscheidung für einen möglichen Übergang, die „Snake“, geprüft. Ende Jahr sollen auch hier die Weichen gestellt sein. „Es wird dann einen Architekturwettbewerb geben“, so der Stadtchef.

Eine der Anforderungen: Die Überführung soll eine Verweilqualität bieten und langfristig als Aussichtspunkt mit Blick auf den See genutzt werden können. Dann nämlich, wenn ihre Funktion gar nicht mehr benötigt wird. Schließlich kämpft die Stadt Bregenz gemeinsam mit den Umlandgemeinden für eine Unterflurlösung der Bahn zwischen Güterbahnhof Wolfurt und Staatsgrenze in Hörbranz. Dazu wurde kürzlich eigens die Interessengemeinschaft Unterirdische Bahntrasse Großraum Bregenz (IGUB) gegründet.

Zweigleisiger Ausbau notwendig

Zu den anstehenden Weichenstellungen zählt auch der zweigleisige Ausbau zwischen der Haltestelle Bregenz-Hafen und Bahnhof Lochau-Hörbranz. Eine aktuelle Studie Schweizer Experten im Auftrag von Bahn und Land dokumentiert einen entsprechenden Bedarf. „Das zweite Gleis ist in allen Szenarien erforderlich“, heißt es in dem Papier.

Ein zweites Gleis kommt für die Landeshauptstadt nur unter der Erdoberfläche infrage. Diskutiert werden aber auch andere Varianten. Sie sehen etwa eine hybride Lösung vor. So bliebe ein Gleis oberirdisch, das zweite würde unter der Erde verlaufen. Auch ein Güterverkehrsgleis, das von Wolfurt durch den Pfändertunnel geführt werden könnte, ist demnach im Gespräch. Vorgestellt und diskutiert sollen die Varianten erstmals am 4. Juli im Landhaus werden. Entsprechende Einladungen an Bürgermeister und Beteiligte sind bereits verschickt.

Bregenz und die Umlandgemeinden haben sich festgelegt. Die Unterflurvariante ist für sie die mit Abstand beste Lösung. Ein zweites Gleis entlang der bestehenden Gleisanlage zwischen Bregenz-Hafen und Bahnhof Lochau-Hörbranz könnte etwa im Bereich der Klause nur auf der Pipeline verlaufen. Dagegen werde man sich mit allen Mitteln wehren, so Ritsch. Da gehe es um Lebensqualität, die für immer verloren ginge.

Die Bürgermeister haben jedenfalls für diese Überlegungen die Weichen bereits gestellt: Sie stehen auf Widerstand.

„Für uns gibt es keinen Zweifel, dass die Unterflurvariante mit Abstand die beste Lösung ist.“

Bregenz will eine Überführung. Dann stünde die Haltestelle zur Disposition.
Bregenz will eine Überführung. Dann stünde die Haltestelle zur Disposition.
Ein zweites oberirdisches Gleis müsste Richtung Pipeline verlegt werden. Die Stadt ist kategorisch dagegen.
Ein zweites oberirdisches Gleis müsste Richtung Pipeline verlegt werden. Die Stadt ist kategorisch dagegen.
Josef Valentini nennt Eckpunkte des Haltestellenausbaus Bregenz-Hafen.
Josef Valentini nennt Eckpunkte des Haltestellenausbaus Bregenz-Hafen.