50 Jahre ORF-Landesstudio Vorarlberg: Warum es ein umstrittenes Fest nun gar nicht gibt

Vorarlberg / 27.06.2022 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
50 Jahre ORF-Landesstudio Vorarlberg: Warum es ein umstrittenes Fest nun gar nicht gibt
VN/Stiplovsek, Wikicommons/Schneider

Aus Sicherheitsgründen vor dem Hintergrund von Corona wurde opulente Feier abgesagt. So die offizielle Version.

Dornbirn Am Anfang war ein anonymer Brief an die VN-Redaktion mit heftigen Anschuldigungen gegen den Vorarlberger Landesdirektor Markus Klement (47): Er wolle ein 500.000 Euro teures Fest mit Prominenz und Opulenz anlässlich des 50-jährigen Bestehens des ORF-Landesstudios Vorarlberg ausrichten.

Auf Anfrage reagierte der Landesdirektor nicht. Er ließ die Kommunikationsabteilung vom Küniglberg in Wien antworten. „Die kolportierte Summe ist für das Programmevent für den ORF nicht nachvollziehbar. Es handelt sich um einen groß angelegten, multimedialen Programmschwerpunkt anlässlich des 50-jährigen Bestehens des ORF-Landesfunkhauses Vorarlberg, der inklusive einem ‚Fest der Freude‘ als Dankeschön an die Bevölkerung und Ausdruck der gelebten Verankerung bei den Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern zu verstehen ist. Sämtliche dafür vorgesehenen Budgets durchliefen die strengen Finanzplanungsregularien des ORF.”  Diese Stellungnahme erfolgte Mitte vergangener Woche.

Verantwortungslos agieren

Bereits zwei Tage darauf ließ Markus Klement in einem Schreiben mit einer überraschenden Ankündigung aufhorchen. Inhalt: Die Absage des Events. Begründung: Befürchtungen bezüglich neuer Corona-Wellen. „Nachdem verschiedene Expertinnen und Experten neuerliche Corona-Wellen im Juli oder August von bis zu 30.000 Neuinfektionen prognostizieren, haben wir im ‚50 Jahre-Organisationsteam‘ mit ORF-Konzernsicherheit und Landessanitätsdirektion beschlossen, die Veranstaltung nicht durchzuführen.“ Man wolle gegenüber dem Publikum verantwortungsvoll agieren. Bei der Landessanitätsdirektion wusste man nichts von einer solchen Anfrage. Deshalb habe es keine Rückmeldung an die ORF-Verantwortlichen gegeben.

Dass die ursprünglich geplanten Feiern eine sehr teure Angelegenheit geworden wären, wird von ORF-Seite offiziell dementiert, aus internen ORF-Quellen wurde gegenüber den VN jedoch sehr wohl heftige Kritik an den Ausgaben für das geplante Event geäußert.

Langer und teurer Abschied

Im anonymen Brief jener Person, die vorgibt, im Landesstudio tätig zu sein, gibt es noch weitere Vorwürfe gegen den Landesdirektor. So habe er veranlasst, dass der scheidende Chefredakteur Gerd Endrich nicht wie vorgesehen bereits Ende 2021 den Sessel räumen musste, sein Abgang sei auf Ende Juni 2022 verschoben worden. Mit vollen Bezügen und einer satten Zusatzzahlung würde Endrich nun bis Ende erstes Quartal ohne konkrete Aufgabe im Unternehmen verbleiben, heißt es in dem Schreiben.

Zumindest das wird von ORF-Seite nicht wirklich dementiert. Ohne Bezugnahme auf die Sonderzahlung heißt es von der zentralen Kommunikationsstelle in Wien: „Gerd Endrich verbleibt noch bis 28. Februar 2023 im Unternehmen und kümmert sich um diverse Projekte.“ Er scheide danach auf eigenen Wunsch aus dem ORF aus. „Über die Details der Vereinbarung mit Mitarbeitenden wird generell keine Auskunft gegeben“, heißt es in der Stellungnahme. Gerd Endrich selbst wollte sich auf VN-Anfrage nicht zu seiner Situation äußern.