Abtreibung bleibt ein großes Tabu

Vorarlberg / 27.06.2022 • 21:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wütende Proteste in den USA: Frauen demonstrieren für ihr einstiges Recht auf Abtreibung in den USA.AFP
Wütende Proteste in den USA: Frauen demonstrieren für ihr einstiges Recht auf Abtreibung in den USA.AFP

Frauenlandesrätin fordert Debatte über Vorarlberger Angebot.

Schwarzach Egal ob nach Vergewaltigung oder Inzest: Abtreibungen sind in vielen US-Bundesstaaten nach einem umstrittenen Urteil vom Obersten Gerichtshof verboten. Ausnahmen gibt es maximal für medizinische Notfälle. In Österreich sind Schwangerschaftsabbrüche seit 1975 unter gewissen Umständen erlaubt. Vorarlberg zählt neben Tirol und Burgenland allerdings heute noch zu jenen drei Bundesländern ohne Krankenhaus, das Abtreibungen übernimmt. Im Land ist eine Privatklinik darauf spezialisiert. „Bald werden wir uns die Frage aber neu stellen müssen“, sagt Frauenlandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne). Denn es dauere nicht mehr lange, bis der Arzt dieser privaten Klinik seine Pension antreten könnte. In den Vorarlberger Landeskrankenhäusern werden Schwangerschaftsabbrüche nur in medizinischen Notfällen durchgeführt.

Grundsätzlich steht auf eine Abtreibung auch in Österreich eine Freiheits- oder Geldstrafe, außer der Schwangerschaftsabbruch erfolgt innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der Schwangerschaft (Fristenregelung). Ebenso ist eine Abtreibung zu einem späteren Zeitpunkt erlaubt, wenn eine ernste Gefahr für die Schwangere besteht, sie jünger als 14 Jahre alt ist oder eine schwere geistige und körperliche Behinderung des Kindes zu erwarten ist. Die Kosten werden von der Sozialversicherung übernommen, wenn der Abbruch aus medizinischen Gründen notwendig ist.

Abtreibung sei noch immer ein großes Tabu, sagt Wiesflecker: „Ein Beleg dafür ist, dass es kaum statistisches Material dazu gibt.“ Das Beratungsangebot für Schwangere sei zwar gut, verweist Wiesflecker unter anderem auf das Institut für Sozialdienste oder die Beratungsstelle „schwanger.li“. Sollte aber jener Arzt in Pension gehen, der bisher als einziger Abtreibungen im Land durchführt, brauche es eine öffentliche Diskussion darüber, „wie man ein Angebot sicherstellen kann“. Vielleicht sei auch eine Kooperation mit anderen Bundesländern möglich, sagt die Landesrätin. Die Abtreibungspille Mifegyne, die bei früh erkannten Schwangerschaften angewendet werden kann, habe bereits für Fortschritte gesorgt.

Das US-Urteil gegen Abtreibungen hat Wiesflecker mit Erschrecken wahrgenommen. Es sei es aus feministischer Sicht, aber auch aus gesundheitlichen Gründen verheerend: „Es spielt das Thema Moral und Männermacht über Frauen eine große Rolle, aber auch die Gesundheit, nämlich dass es für einen Schwangerschaftsabbruch eine gute Versorgung braucht.“

„Es wird eine Diskussion darüber brauchen, wie man ein Angebot sicherstellen kann.“

Abtreibung bleibt ein großes Tabu