Moral und Unmoral

Vorarlberg / 27.06.2022 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Moral und Unmoral

Jeder weiß es: Politisches Handeln ist gelegentlich moralisch und bestürzend oft unmoralisch. Moralisch und geboten ist das Eintreten für die Erhaltung oder Wiederherstellung des Friendens und im weitesten Sinn die soziale Sicherung aller Menschen. Unmoralisch ist dagegen die verachtenswerte Zerstörung des Friedens, die Verfolgung von Menschen und die Demontage von Mitmenschlichkeit.

Beispiele für das alles liefert die Gegenwart. Dabei muss nicht nur an den russischen Eroberungskrieg in der Ukraine und an die vielen anderen Kriege auf der Welt, die Unterdrückung von Völkern durch diabolische Tyrannen, die Kriege gegen Menschenrechte und auch nicht an die Zementierung sozialer Ungerechtigkeiten erinnert werden.

Die Verantwortlichen in den USA wären gut beraten, sich ein Beispiel an den Europäern zu nehmen.

Legen wir den Maßstab der Moralität einfach nur an Praktiken und jüngste politische Entscheidungen beiderseits des Atlantik an: In den USA schaffte das Verfassungsgericht auf Betreiben religiös-fanatischer Politiker das Grundrecht auf Schwangerschaftsabbruch ab. Auch vergewaltigte Frauen und Opfer von Inzest sollen zum Austragen der Ungeborenen gezwungen werden. Selbst dann, wenn dies mit einiger Wahrscheinlichkeit den Tod der Schwangeren bedeutet. Das ist Frauenfeindlichkeit aus dem Mittelalter und ein Wahnsinnsakt wie die gegenwärtige Praxis der Taliban.

In europäischen Ländern wird dagegen durchgängig das moralisch Gebotene geachtet und praktiziert: Das Grundrecht der Frauen auf körperliche Selbstbestimmung. Von Frauen, die Beendigung von Schwangerschaften ja nicht einfach nur so und zum Spaß anstreben. Und nur Stunden vor der Entscheidung des US-Gerichts schaffte das deutsche Parlament zudem jetzt die 1933 von den Nationalsozialisten eingeführte Bestimmung ab, die Ärzten jedwede Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verbot und unter Strafe stellte.

Die von US-Politiker als Schutz des Lebens gepriesene und von der erklärten Mehrheit der US-Wähler abgelehnte weitere Verschärfung des Abtreibungsverbots in den USA ist dagegen auch ein Zeichen von Doppelmoral: Dies im Land der privaten Massenmorde mit mehr als 25.000 Toten im vergangenen Jahr und dem gerade gerichtlich bestätigten garantierten Grundrecht auf Schusswaffentragen für fast jedermann. Die Verantwortlichen in den USA wären gut beraten, einmal über den Atlantik zu blicken und sich ein Beispiel an den Europäern zu nehmen.

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at