Gericht: Morddrohung in der Schule

Vorarlberg / 28.06.2022 • 17:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht: Morddrohung in der Schule
Der Angeklagte wird zu einem Fall für die Bewährungshilfe. Eckert

Weshalb ein 15-Jähriger einer Mitschülerin mit Zusammenschlagen und Abstechen drohte.

Feldkirch Der junge Südländer ist bei Gericht kein unbeschriebenes Blatt. Wegen diverser Vergehen ist er sowohl der Staatsanwaltschaft als auch Richter Richard Geschwenter bekannt. Einmal bekam er gemeinnützige Leistungen verpasst, die Arbeitsstunden hat er zwar absolviert, aber nun sitzt der junge Mann aus Bludenz schon wieder auf der Anklagebank am Landesgericht Feldkirch. Mitgekommen sind die besorgte Mutter und eine Bekannte, auch sie machen sich langsam Sorgen um den Jungen.

Hintergrund der Auseinandersetzung in der Schule war, dass ein Mädchen offenbar Gefallen an einem Jungen fand. Doch der war bereits „vergeben“. Um für „Ordnung“ zu sorgen, bedrohte der 15-Jährige die Schülerin. Er wollte, dass sie die Finger von dem bereits Vergebenen lässt. „Ich schlage dich zusammen und steche dich ab“, stellte er dem Mädchen in Aussicht. Dieses bekam Angst und wandte sich an die Direktorin. Anzeige wurde erstattet. „Ich habe das nur so dahingesagt, es ist mir quasi rausgerutscht, ich war damals ziemlich aggressiv“, sagt der junge Mann als Angeklagter. „Dieses Verhalten erfüllt ganz eindeutig den Tatbestand der gefährlichen Drohung“, macht ihm der Richter klar. Ebenso klar ist, dass es dieses Mal nicht ohne Verurteilung abgeht. „Sie hatten bereits genug Chancen, die Sie nicht genutzt haben“, so Gschwenter.

„Kein Wunderland“

Verteidigerin Dietlind Hügel weiß um die Situation und meint am Ende des Verfahrens in ihrem Plädoyer: „Wenn wir im Wunderland wären, würde ich mir einen Freispruch wünschen.“ Wenn etwas als „milieubedingte Unmutsäußerung“ eingestuft wird, wäre dies möglich. Allerdings müssten die drohenden Worte dann in einem entsprechenden Umfeld, wo derart ruppige Töne üblich sind, gefallen sein. In der Schule kann man nicht von einer derartigen Situation ausgehen. „Weil wir nicht im Wunderland sind, bitte ich daher um ein mildes Urteil“, schätzt die Anwältin die Situation richtig ein.

Bewährungshilfe

Der Schüler wird schuldig gesprochen und zu 160 Euro verurteilt, nochmals so viel gibt es auf Bewährung. Zudem soll durch die Zuweisung der Bewährungshilfe die Entwicklung des Jungen gesteuert werden. Ebenso wird das Absolvieren eines Antiaggressionstrainings angeordnet. „Sie müssen lernen, besser mit Stresssituationen umzugehen. Wenn Sie immer so reagieren, sieht Ihre Zukunft traurig aus“, verdeutlicht der Richter. Die Strafe ist nur für die Strafbehörden ersichtlich, sucht der Junge nach einer Lehrstelle, scheint die Eintragung nicht im Leumundszeugnis auf. „Ich möchte Sie in diesem Gebäude hier nicht mehr sehen“, sagt der Richter abschließend.