Freunderlwirtschaft beim Verteilen von Strafzetteln

Vorarlberg / 29.06.2022 • 17:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Freunderlwirtschaft beim Verteilen von Strafzetteln
Der angeklagte Parkwächter wittert in den Vorwürfen gegen ihn Intrigen. Eckert

Eine Parksünderin verschont? Parkwächter wegen Amtsmissbrauchs angeklagt.

feldkirch Bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch geht es darum, dass ein 53-jähriges Parkraumüberwachungsorgan bei einer Ex-Kollegin ein Auge zugedrückt haben soll. Die Frau, die einst selbst Parksünden ahndete, soll laut Anklagebehörde ohne Ticket in Bregenz in der Bergmannstraße geparkt haben. Der Angeklagte habe dies bemerkt, angesichts des Naheverhältnisses aber nicht sanktioniert.

Vielmehr soll er ihr an jenem ersten September vergangenen Jahres einen Zettel mit einem Strichmännchen, das die Zunge herausstreckt, hinter den Scheibenwischer geklemmt haben. „Stimmt nicht, ich habe ihren Wagen damals gar nicht gesehen“, behauptet der Angeklagte vor Gericht.

Polizei im Rücken

Zufällig waren an jenem Tag auch zwei Polizisten in der besagten Straße unterwegs. Ihnen fiel angeblich der ungewöhnliche Zettel auf. „Zwar konnten wir das Männchen zunächst nicht erkennen, weil der Zettel zusammengefaltet war. Aber wir wurden stutzig“, so einer der Beamten als Zeuge. Wegen ein paar Besonderheiten tippten sie auf die Zulassungsbesitzerin, die einst selbst Parkende überprüfte. Unter dem Strichmännchen stand noch der Spitzname des Angeklagten.

Die Polizisten überprüften die Sache und waren sicher: Hier wurde ein Parksünder nicht bestraft, weil ein Aufsichtsorgan widerrechtlich nicht seines Amtes gewaltet hatte. Ein klarer Amtsmissbrauch durch Unterlassen, waren sie überzeugt und erstatteten Anzeige bei der Abteilungsleiterin der zuständigen Behörde. Das Gespräch mit dem Parkwächter suchten sie nicht. Die Parksünderin bestraften sie ebenfalls nicht. „Hätten Sie das aber nicht müssen?“, fragt Richter Dietmar Nußbaumer grinsend nach einem ähnlichen amtlichen Versäumnis.

Auch Verleumdung am Hals

Der Beschuldigte selbst sagt, er habe seiner Ex-Eollegin den Zettel ein halbes Jahr zuvor an die Scheibe gesteckt. Als Scherz, um sie ein wenig zu schrecken. Die Autobesitzerin hingegen wiederum sagt als Zeugin, sie kenne den Zettel überhaupt nicht und habe ihn erst bei der Polizei gesehen. Weil sich der beschuldigte Parkwächter über mögliche Hintergründe einer Intrige bei seiner Einvernahme ausließ, wird ihm auch noch Verleumdung angelastet. Zur Einvernahme weiterer Zeugen musste der Prozess vertagt werden.