Gericht: Einbruchsopfer musste Einbrecher verteidigen

Vorarlberg / 01.07.2022 • 18:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht: Einbruchsopfer musste Einbrecher verteidigen
Rechtsanwältin Claudia Lecher wurde dem Angeklagten als Verfahrenshelferin zugeteilt. Eckert

Rumänischer Langfinger wurde einer Rechtsanwältin zugeteilt, die selbst heimgesucht wurde.

Feldkirch In den Herbstferien 2019 fuhr die Dornbirner Rechtsanwältin Claudia Lecher mit ihrer Familie für eine Woche nach Marokko. Als sie zurückkehrten, schien einiges im Haus befremdlich. Für eine kleinere Beschädigung gerieten erst die Kinder in Verdacht, bis auffiel, dass hier noch mehr nicht stimmte. Die Wohnung war zwar nicht verwüstet oder grob durchwühlt, doch bald wurde klar, dass Einbrecher am Werk waren. Und die Täter hatten sich sichtlich Zeit gelassen. Silberschmuck wurde sorgfältig aussortiert, mitgenommen wurde nur der Goldschmuck.

„Auch viele Erinnerungsstücke wie Taufkettchen oder Erbstücke waren weg, so etwas schmerzt“, sagt die Anwältin. Spuren konnten keine gesichert werden, die Einbrecher hatten sauber mit Handschuhen gearbeitet. In jede Dose, in jeden Karton hatten sie hineingeschaut. Zwar war die Familie versichert, doch bei Weitem nicht in dem Ausmaß, wie sie bestohlen wurde. Auch dass sich die Täter allenfalls zu Internetdaten Zugang verschafft haben könnten, war beunruhigend, ein Techniker musste alles überprüfen. Bis heute wurden die Täter nicht ausgeforscht, von der Beute fehlt jede Spur.

Ironie des Schicksals

Nun bekam die Dornbirnerin Rechtsanwältin und Strafverteidigern durch Verfahrenshilfe einen Einbrecher dieser Sorte zugewiesen. Staatsanwalt Heinz Rusch spricht beim Prozess am Landesgericht Feldkirch von Kriminaltourismus und fordert, man müsse ein klares Zeichen setzen, dass sich dieser in Österreich nicht lohnt.

Am Tag vor dieser Verhandlung war ein junger Rumäne wegen Einbruchsdiebstahl mit einem Schaden von über 40.000 Euro zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Nun sitzt ein anderer rumänischer U-Häftling wegen Einbruchsdiebstahl auf der Anklagebank. Der 29-Jährige hat mit 20 Euro und einem alten Dolch weit weniger erbeutet. Drei Mal versuchte er in der Feldkircher Reichsstraße sein Glück. Ein Objekt war eine leer stehende Wohnung, das zweite eine Wohnung, deren Bewohner seit Jahren im Altersheim lebt. Am dritten Tatort durchwühlte der Mann alles, fand jedoch nur 20 Euro Beute.

Schlechte Ausrede

Der rumänische Angeklagte beteuert, nichts damit zu tun zu haben. Die DNA sei deshalb sichergestellt worden, weil er als Obdachloser in dem Haus nächtigen wollte, gestohlen habe er nichts. Das Gericht glaubt ihm kein Wort. Der bislang Unbescholtene wird zu acht Monaten Haftstrafe, zwei davon unbedingt, verurteilt.