Auch heuer viele Sterbefälle

Vorarlberg / 04.07.2022 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Symbol: LKH/Mathis

Omikron mag milder sein: Bei 150.000 Infizierten sind die Folgen jedoch schwerwiegend.

SCHWARZACH Gemeinhin mag die Pandemie ihren Schrecken verloren haben. Bei einem Infektionsgeschehen, bei dem man zu Beginn noch zu einem harten Lockdown geschritten wäre, ist eine Art Normalität eingekehrt. Kein Wunder: In den Spitälern liegen relativ wenige Patienten mit Corona und bei den meisten, die das tun, wird eine Infektion nur nebenbei, im Rahmen einer Routinetestung, festgestellt; eingeliefert wurden sie aus einem ganz anderen Grund.
Bemerkenswerte Entwicklung

Auch heuer viele Sterbefälle

Umso bemerkenswerter erscheint die Entwicklung der Sterbefälle im Land: Bis Mitte Juni gab es heuer 1630, wie einer Datenbank der Statistik Austria zu entnehmen ist, die fortlaufend aktualisiert wird. Das waren um fast 15 Prozent mehr als in den Jahren vor Corona durchschnittlich. Deutlich mehr Menschen gestorben sind von Mitte Jänner bis Mitte April, in Summe nämlich um rund 25 Prozent mehr. Damals zog die erste Omikron-Welle durchs Land.

Sprich: Wie schon 2020 und 2021 führt die Pandemie auch 2022 zu einer Übersterblichkeit. In den ersten beiden Jahren tat sie dies im Herbst, heuer tut sie es bereits im Frühjahr. Omikron ist milder in dem Sinne, dass relativ wenige Männer und Frauen ins Spital müssen. Das Problem ist jedoch „die schiere Zahl“ Infizierter, wie der Gesundheitsexperte Thomas Czypionka vom „Institut für Höhere Studien“ (IHS) bestätigt: Es gebe zwar bessere Behandlungsmöglichkeiten und die Letalität, also der Anteil derer, die an der Krankheit sterben, sei niedriger: „Es bleiben aber immer Menschen, die frühzeitig aus dem Leben gerissen werden.“ Seit Beginn der Pandemie bis 31. Dezember des vergangenen Jahres gab es in Vorarlberg rund 63.000 bestätigte Infektionen. Seither sind 150.000 dazugekommen. Das entspricht einer Zunahme von rund 240 Prozent. Bei den bisherigen Sterbefällen mit Corona, die von der staatlichen Gesundheitsagentur AGES erfasst werden, kam es heuer zu einem Plus von „nur“ 20 Prozent, das sind jedoch 106 Frauen und Männer, deren Ableben zu beklagen ist.

Ungünstige Aussichten

Die Aussichten auf die kommenden Monate sind nicht gut, so Czypionka: „Wir haben eine ungünstige Entwicklung“, meint er unter Verweis auf aktuelle Prognosen. „Gecko“, ein Gremium, das die Regierung berät, befürchtet, dass es bald bis zu 70.000 Neuinfektionen pro Tag geben könnte. In Vorarlberg allein könnte das auf über 3000 hinauslaufen, also fast zehn Mal mehr als zuletzt. Selbst wenn es weniger werden sollten, würde das den Verhältnissen vom Frühjahr entsprechen.

Umso wichtiger ist es laut Czypionka, dass wieder verstärkt geimpft wird: „Ich würde denen, die noch keinen ausreichenden Schutz haben, dringend raten, das nachzuholen.“ Hierzulande seien nach wie vor zu viele Menschen nicht oder nicht ausreichend geimpft: „Wenn wir, wie Dänemark, eine sehr hohe Durchimpfungsrate erreichen, sinkt die Übersterblichkeit.“